Grabungen vor Naumburger Dom: Rückschlag durch Vandalismus

26.06.2022 Vandalismus auf einer archäologischen Grabstätte am Naumburger Dom. Die Ermittlungen laufen noch, die Tat von Unbekannten könnte ein schwerer Verlust für die Wissenschaft sein. Archäologen suchen nach baulichen Spuren des mittelalterlichen Gotteshauses.

Holger Rode (l) und seine Mitarbeiter legen Mauerreste und Gräber am Dom in Naumburg frei. © Hendrik Schmidt/dpa/Archivbild

Die archäologische Suche nach der Nordklausur auf dem Naumburger Domplatz hat durch Vandalismus einen Rückschlag erlitten. Nach Angaben der Polizei haben in der Nacht zum Freitag Unbekannte die Umzäunung überwunden und in zwei offenen Grabstätten mehrere Skelette zerstört. Aus ermittlungstaktischen Gründen gebe es derzeit keine weiteren Informationen. Die Grabung läuft seit dem 23. Mai. «Bislang wurden zwanzig Gräber und verschiedene meterlange Mauerreste freigelegt», sagte Grabungsleiter und Archäologe Holger Rode vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Als Klausur (lat. Verschluss) wird der abgegrenzte Bereich für Mitglieder eines Ordens bezeichnet. Er dient der Gemeinschaft als Ort der Zurückgezogenheit. Nur wenige Außenstehende, wie Ärzte oder Handwerker, dürfen diesen Bereich zeitweilig betreten.

«Im Mittelalter wurden Gebäudeteile am Dom abgerissen und das Areal als Friedhof genutzt», sagte der Archäologe. «Freigelegt wurden die sterblichen Überreste von Frauen, Männern und Kindern. Das war also kein spezieller Begräbnisort für Geistliche.»

Die Grabungsarbeiten laufen im Vorfeld der geplanten Neugestaltung des Domplatzes. «Das Gelände wurde archäologisch noch nie untersucht», sagte Rode. «Die Grabungen werden Ende August abgeschlossen, bis dahin gibt es erste Ergebnisse.»

Eine Theorie ist, dass zeitweise eine Nord- und eine Südklausur am Naumburger Dom existierten. «Aber möglicherweise wurde mit dem Bau der Nordklausur begonnen, später zog dann die Klausur auf die Südseite um, sodass es immer nur eine Klausur gab», erklärte Rode. «Hier setzen die wissenschaftlichen Untersuchungen an, die jetzt entdeckten Mauerreste müssen ja nicht von einer Klausur stammen, sondern könnten zu Gebäuden der Vorgängerkirche gehören.»

Der Naumburger Dom St. Peter und St. Paul ist ein bedeutendes Kulturdenkmal aus der Zeit des europäischen Hochmittelalters. Berühmt sind die zwölf Stifterfiguren aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, insbesondere die Stifterfigur Uta. Sie versinnbildlicht die «schönste Frau des Mittelalters». Der Naumburger Dom gehört seit 2018 zum Unesco-Welterbe.

© dpa

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