Erneute Tauchaktion zu Prahmboot im Arendsee

18.04.2022 Einst versank im Mittelalter im Arendsee ein Boot. Nun soll es weiter erforscht werden. Ob das Boot irgendwann gehoben wird, ist noch nicht klar.

Ein Archäologie-Team wertet auf dem Arendsee das Sonarbild eines Tauchroboters aus. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Archäologen wollen erneut vom 25. bis 30. April zu einem im Mittelalter gesunkenen Prahmboot im Arendsee (Altmarkkreis Salzwedel) hinabtauchen. Das Boot aus Eichenholz stammt nach Angaben der Forscher aus der Zeit um 1265. Das Boot war ursprünglich eine flache Fähre, später ein Transportschiff mit schlanker und flacher Rumpfform. «Das Boot liegt zu 70 Prozent im Sediment in 32 bis 35 Meter Tiefe», sagte Archäologe und Projektleiter Sven Thomas vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt der Deutschen Presse-Agentur. «Die zähflüssige, schlammige Sedimentschicht ist zwischen 60 und 80 Zentimeter stark.»

Das 12,5 Meter lange und bis zu 2,30 Meter breite Lastschiff sei laut Experten in Norddeutschland ein einzigartiger Fund. Es wurde Anfang der neunziger Jahre von Sporttauchern entdeckt. «Vermutlich diente der Prahm zum Transport von Bewohnern und Materialien eines Klosters», sagte Thomas. «Das Boot wurde durch Ruder und Segel angetrieben.

An der Aktion sind laut Thomas 25 Techniker, Forschungstaucher und Wissenschaftler beteiligt. Neben fünf Tauchern kommen auch ein ferngesteuerter Unterwasserroboter mit einem Greifer, Sonargeräten und Kameras zum Einsatz. «Der Roboter soll die Taucheinsätze dokumentieren und auch die Schlauch- und Pumpentechnik bedienen. «Der Prahm wird mit einer optischen 3-D Erfassung dokumentiert und nach Abschluss der Untersuchungen mit einem speziellen Geoflies wieder abgedeckt», sagte Thomas. Das Boot soll sich dann bis zur geplanten Bergung gezielt wieder mit Sediment bedecken, um vom Sauerstoff abgeschlossen zu werden und damit weiteren Verfall zu stoppen. «Ich hoffe, dass wir das Boot irgendwann in den nächsten Jahren heben können. Dafür sind aber rund 250 000 Euro notwendig, der jetzige Dokumentationseinsatz kostet etwa 15 000 bis 20 000 Euro», sagte Thomas.

Nach Angaben des Archäologen sind Prahmboote der erfolgreichste Konstruktionstyp im Binnenschifffahrtsbau überhaupt. Erfunden wurden sie von den Römern in der Antike. «Die Boote sind flach, relativ breit und sehr stabil. Damit können Sie quasi überall eingesetzt werden», sagte Thomas. «Dieses Prahmboot konnte problemlos eine Traglast von sieben bis acht Tonnen bewältigen.»

Bei einem Tauchgang im vergangenen Jahr sei am Boot ein geschnitzter Bug zu erkennen gewesen, sagte Thomas. Das Boot hatte vermutlich also auch repräsentative Funktionen. Zudem ließ sich nachvollziehen, dass das Schiff damals durch einen Kielbruch sank. Möglicherweise wurde die Last in dem Boot ungleichmäßig verteilt. Für die damalige Zeit waren solche Boot eine Seltenheit. Es sieht so aus, dass der Bootsbauer konstruktive Fehler gemacht hatte. Möglicherweise hatte er derartige Schiffe in anderen Regionen gesehen und das Wissen an diesem Schiff auf dem Arendsee angewandt, spekulieren die Forscher.

Mit 55 Metern Tiefe gilt der Arendsee als einer der tiefsten natürlichen Seen in Norddeutschland.

© dpa

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