Zu wenige Fachärzte für HIV-Infizierte in Sachsen-Anhalt

Der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember ist Anlass, auf die Situation von HIV-Positiven und Aids-Patienten aufmerksam zu machen. In Sachsen-Anhalt sieht ein Experte Defizite bei der medizinischen Versorgung.
Sven Warminsky, Landesgeschäftsführer der Aids-Hilfe, demonstriert einen HIV-Test. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/Archiv

In Sachsen-Anhalt fehlen aus Sicht der Aids-Hilfe Ärzte, die auf HIV spezialisiert sind. Auf etwa 1000 Patienten würden aktuell drei Fachärzte in Magdeburg und Halle kommen, sagte der Landesgeschäftsführer der Aids-Hilfe Sachsen-Anhalt, Sven Warminsky, der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. Daneben böten auch die beiden Universitätskliniken in Halle und Magdeburg Behandlungen an.

«Aber nicht jeder, der eine problemlose HIV-Infektion hat, möchte in die Uniklinik gehen. Die meisten wollen natürlich zu einem niedergelassenen Arzt», erklärte Warminsky. Das kann weite Wege für die lebenswichtige Therapie bedeuten. «Die größte Diskriminierung erfahren HIV-Positive im medizinischen Bereich», so Warminsky.

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) haben sich zuletzt im Jahr 2021 schätzungsweise 60 Menschen in Sachsen-Anhalt mit dem HI-Virus angesteckt. Damit bleibt die Zahl der Neuansteckungen auf Vorjahresniveau. Das RKI ging für das Jahr 2020 von etwa 55 Neuinfektionen aus.

Um die Versorgung der Patienten zu verbessern, wäre es aus Warminskys Sicht sinnvoll, in der von der Aids-Hilfe Sachsen-Anhalt Süd betriebenen Checkpoint-Beratungsstelle in Halle neben Testmöglichkeiten auch eine ärztliche Behandlung anzubieten. Derzeit sind dort nur Tests möglich. In Magdeburg hingegen gibt es einen solchen Checkpoint seit dem vergangenen Jahr. Dort können Patienten getestet und bei einem positivem Ergebnis gleich behandelt werden. Deutschlandweit gebe es davon drei Einrichtungen, sagte Warminsky.

Auch angesichts des generellen Ärztemangels im Bundesland, sei es schwierig für die Beratungsstelle einen entsprechenden Facharzt zu finden. Der Magdeburger Checkpoint beispielsweise habe mehr als zwei Jahre lang gesucht.

In den Pandemiejahren 2020 und 2021 haben sich weniger Menschen auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten testen lassen, wie Warminsky sagte. Auch in diesem Jahr seien die Tests in den Gesundheitsämtern immer noch nur auf Terminanfrage möglich. Er gehe deshalb davon aus, dass im Vergleich zur Vor-Pandemiezeit weniger getestet würde. Allerdings hätten die Beratungsstellen der Aids-Hilfe wieder mehr Zulauf erfahren. Ob dort aber wieder so oft wie vor dem Beginn der Corona-Pandemie getestet wird, könne er nicht sagen.

© dpa
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