Hilfe auf dem Weg zum Facharzttermin: Terminservice gefragt

10.04.2022 Auf einen Termin beim Psychotherapeuten, Nerven- oder Augenarzt muss man oft lange warten. Die Terminservicestelle hilft bei der Vermittlung. Ein gehöriger Anteil der Patienten, die einen der raren Termine bekommen haben, erscheint aber gar nicht in der Praxis.

Facharzt wurde in einen Terminkalender geschrieben. © Jens Wolf/ZB/dpa/Illustration

Immer mehr Patienten, die selbst keinen Facharzttermin bekommen, nehmen den Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt in Anspruch. «In den vergangenen zwei Jahren ist eine zunehmende Inanspruchnahme der Terminservicestelle zu beobachten. 24.337 Terminwünsche wurden im Jahr 2020 und 30.564 im Jahr 2021 abgegeben», teilte die KV in Magdeburg auf Nachfrage mit. Vermittelt worden seien im Jahr 2020 dann rund 15.880 und im Jahr 2021 genau 23.570 Termine. Die Zahlen der Anfragen und der vermittelten Termine unterscheiden sich, weil nicht alle Menschen tatsächlich einen Anspruch haben.

Besonders häufig nachgefragt waren Termine für eine Psychotherapie für Erwachsene, wie die KV weiter mitteilte. 2020 habe es dafür rund 4630 Vermittlungen gegeben, 2021 dann rund 7350. Für Nervenärzte wurden in den beiden Jahren 2830 und rund 3530 Termine vermittelt. Am dritthäufigsten waren Termine für Augenärzte gefragt - 2020 gab es in diesem Bereich rund 2300 und im vergangenen Jahr 2730 Termine über die Servicestelle.

Bei all den Tausenden Terminen, die vermittelt worden sind, gibt es aber weiterhin das Phänomen, dass Patienten nicht in den Praxen erscheinen. «Dieses Problem hat sich nach unserer Einschätzung sogar verschärft. Ärzte und Psychotherapeuten melden uns fast täglich mehrere Patienten, die nicht erschienen sind, manchmal sind es in einer Praxis gleich mehrere Patienten in direkter Folge», erklärte die KV weiter. Diese Rückmeldungen würden aber nicht erfasst.

Einen Anhaltspunkt gibt es: Im vergangenen Jahr seien 18,77 Prozent aller vermittelten Patienten durch die Ärzte und Psychotherapeuten, zu denen die Menschen geschickt wurden, nicht abgerechnet worden. Die KV schließe daraus, dass die Termine nicht wahrgenommen wurden. Diese Termine stünden dann anderen Patienten in vielen Fällen nicht mehr zur Verfügung, zudem bedeute es Verdienstausfälle in den Praxen.

«Die KVSA ist der Auffassung, dass zum Schutz der Behandlungskapazitäten für wirklich behandlungsbedürftige und tatsächlich auch -willige Patienten diese Terminblockade verhindert werden muss», hieß es weiter. «Hierzu haben die Kassenärztlichen Vereinigungen aufgrund der gesetzlichen Regelung jedoch selbst keine Handhabe.»

Die Terminvermittlung über die Terminservicestelle bildet nur einen kleinen Teil der Behandlungsfälle in Sachsen-Anhalt ab. Bezogen auf die Behandlungsfallzahl handelt es sich laut KV um einen Anteil von etwa 0,18 Prozent. Die große Mehrheit der Patienten finde die Arzttermine immer noch direkt über die Arztpraxen oder durch die Vermittlung des Hausarztes. Diese Wege empfehle die KV auch.

Der Missbrauch des Services durch Patienten, die die Termine doch nicht wahrnähmen, zeige, «dass sich das System in der derzeitigen Form nicht bewährt». Die Kassenärztliche Vereinigung forderte: «Hier muss der Gesetzgeber tätig werden.» In der Situation des Ärztemangels sei es nicht tragbar, dass im Jahr 2021 fast 19 Prozent der vermittelten Termine, die andere Patienten hätten nutzen können, nicht stattfänden.

© dpa

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