Vorweihnachtszeit mit etlichem Brauchtum in Sachsen-Anhalt

Adventszeit und Weihnachten sind traditionelle Feste verbunden mit Brauchtum. Auch in Sachsen-Anhalt ist mancher Brauch noch lebendig.
Ein Schild hängt über dem Eingang eines mittelalterlichen Hofes in Quedlinburg. © Matthias Bein/dpa

Advents- und Weihnachtsbräuche sind auch in Sachsen-Anhalt lebendig. Aber die Tradition ist mittlerweile fest im Griff der Konsumgesellschaft. «In Discountern und Geschäften fällt das immer zeitigere weihnachtliche Warenangebot auf», sagte die wissenschaftliche Referentin für Kulturerbe beim Bundesverband der Heimatpflege BHU (Bonn), Annette Schneider-Reinhardt. Die eigentliche Weihnachtszeit fängt am Heiligen Abend an und endet am 6. Januar.

In Wernigerode gibt es seit mehreren Jahren einen Krippenweg durch die Stadt. «In diesem Jahr beteiligen sich 68 Geschäfte, auch das Reisezentrum und die Stadt machen bei der Aktion mit», sagte Stadtsprecherin Ariane Hofmann. «Die Krippen sind in den Schaufenstern der jeweiligen Geschäfte ausgestellt. Sie wurden zum Teil selber geschnitzt.» Ein Bäcker habe seine Krippe sogar aus Lebkuchen geformt.

Ebenso gibt es seit der Wende die Tradition «Advent in den Höfen». Das sind private Orte, die nur in der Vorweihnachtszeit für Besucher geöffnet sind. «In Quedlinburg öffnen elf Höfe jeweils an den Wochenenden vom ersten bis dritten Advent. Geboten werden Stände unter anderem mit Kunsthandwerk und kulinarischen Angeboten», sagte Nico Reischke von der Quedlinburger Tourismus GmbH. «Es soll das Gefühl vermittelt werden, dass die ganze Stadt ein großer Weihnachtsmarkt ist.»

In Gernrode wird Advent im Stiftshof, an der Stiftskirche veranstaltet. Im Harzort Bad Suderode gibt es den Grubenlichter Markt. Am 10. Dezember ziehen Vereine und Spielmannszüge mit einer großen Parade durch den Ort zum Markt und erinnern damit an die Bergbautradition.

Die «Kinderbergbau-Parade» in Eisleben beginnt am 15. Dezember, um 16.45 Uhr vor der St. Annen-Kirche. «Die älteren Bergleute halten in der Kirche ihre Andacht, die sogenannte Mettenschicht. Die Kinder, in teilweise kleinen Bergmannsuniformen und mit Grubenlichtern, laufen gemeinsam mit den Berg- und Hüttenleuten zum Markt», sagte Daniela Messerschmidt von der Stabsstelle für Öffentlichkeit, Kultur und Städtepartnerschaft Eisleben. «Grubenlichter haben die Kinder zum Teil vom Großvater oder Urgroßvater oder Bekannten, manche auch Werkzeuge wie Schlegel und Hammer», sagte Messerschmidt.

Eine Besonderheit, auch im Namen, ist der Heele-Christ-Markt in Bernburg (24.11. bis 21.12.2022). Der Name resultiert aus dem Bemühen Luthers, die Bescherungen zum Nikolaustag am 6. Dezember auf den 24. Dezember, den Tag von Christi Geburt, zu verschieben, was im Zuge der Reformation auch gelang.

Im ehemaligen Kölbigk bei Ilberstedt, einem kleinen Ort, in dem im Hochmittelalter auch ein Kloster existierte, soll der Sage nach vor etwa 1000 Jahren ein Tanzwunder stattgefunden haben. Darin geht es um eine Menschengruppe, die auf dem Kirchhof am Weihnachtsabend tanzt, vom Pfarrer namens Ruprecht deswegen verflucht wird, ein Jahr mit dem Tanzen nicht aufhören kann, und die schließlich von einem Bischof erlöst wird.

«Wir hier in Ilberstedt haben unser Jubiläumsjahr "1000 Jahre Kölbigker Tanzwunder" mit zahlreichen Aktionen veranstaltet», sagte der Vorsitzende des Heimatvereins Ilberstedt, Roland Halang. «Ein theater- und tanzpädagogisches Projekt wird im nächsten Jahr erstmals aufgeführt.»

Zudem gebe es eine neue Knecht-Ruprecht-Bronze-Figur. Neben zwei Künstlerexemplaren beinhaltet die erste Auflage jetzt 5 Stück bei einer limitierten und signierten Gesamtauflage von maximal 20 Stück, Stückpreis 2300 Euro. «Mit dieser Knecht-Ruprecht-Bronze-Figur wollen wir bekannte Institutionen und Förderer der Knecht-Ruprecht-Sage motivieren, eine solche Bronze-Figur zu erwerben und in ihrer Einrichtung zu präsentieren», sagte Halang.

© dpa
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