Verband: Einkommensschwache Mieter können nicht mehr sparen

26.06.2022 Haushalte sollen noch mehr Energie einsparen, weil Gas knapp und teuer wird. Die Appelle der Regierung könnten aber gerade Geringverdiener in Not bringen, warnen die Wohnungsgenossenschaften. Es drohe die Wahl zwischen Hungern und Frieren.

Blick auf Mehrfamilienhäuser in der Innenstadt. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Für viele Mieter in Sachsen ist einem Verband zufolge weiteres Energiesparen nicht mehr möglich. «Der Appell ans Sparen ist bei den meisten unserer Mitglieder schon ausgeschöpft. Sie sind ohnehin schon sparsam und haben nur einen schmalen Geldbeutel», sagte Mirjam Philipp, Vorstand beim Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG). Die Mitgliedsunternehmen des Verbandes bewirtschaften im Freistaat knapp 300.000 Wohnungen, zumeist im unteren Preissegment.

Nach der drastischen Verringerung der Gaslieferungen durch Russland hatte die Bundesregierung am Donnerstag die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Man müsse dringend sparen, um sich auf den Winter einzustellen, hatte Sachsens Wirtschaftsmiminster Martin Dulig (SPD) gefordert. Ein solcher Appell sei in Sommer schwer zu vermitteln. Aber auch bei Haushalten gebe es Möglichkeiten zur Einsparung.

Auch wenn man jetzt die Versorgungssicherheit gewährleisten könne, «gibt es bisher keine Szenarien, die uns sicherstellen, dass wir im Winter ausreichend Gas zur Verfügung haben», sagte Dulig. Deshalb brauche man in den nächsten Wochen und Monaten eine Verhaltensänderung in der Bevölkerung und der Wirtschaft.

Es könne nicht alles auf die Mieter abgewälzt werden, die ohnehin den Großteil ihres Geldes für Wohnen ausgeben, sagte Philipp. «Es darf nicht zur Wahl zwischen Hungern und Frieren kommen.» Sie forderte ein Maßnahmenpaket der Bundesregierung, um die zusätzlichen Kosten aufzufangen.

Einsparmöglichkeiten gibt es den Angaben nach noch in der Technik. Die Anlagen für Heizung und Warmwasser würden nun genauer untersucht, um versteckte Sparpotenziale zu entdecken, erläuterte Philipp. Dazu werde es auch Gespräche mit den Stadtwerken geben.

© dpa

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