Zwei Großforschungszentren für Sachsen: Freude und Erwartung

Sachsen bekommt zwei große Forschungszentren. Politik und Wissenschaft im Freistaat jubeln, auch die Wirtschaft freut sich - und hat Erwartungen.
Michael Kretschmer (CDU, l), zu Beginn einer Pressekonferenz. © Wolfgang Kumm/dpa

Die Entscheidung für zwei neue Forschungszentren in der Lausitz und im mitteldeutschen Revier hat in Sachsen für Begeisterung und Stolz gesorgt und zugleich Erwartungen geweckt. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach von einem «Meilenstein» für den Strukturwandel in den Braunkohlerevieren. «Es ist ein wirklicher Gamechanger, hier entsteht etwas ganz Neues», sagte der CDU-Politiker bei der Bekanntgabe in Berlin. In den Regionen sei bereits Zuversicht spürbar, «dass dieser Strukturwandel diesmal wirklich anders laufen könnte, als der, den wir nach 1990 erlebt haben». Es sollten «zuerst neue Dinge entstehen, bevor Altes aufhört».

Je 1,2 Milliarden Euro für das Deutsche Forschungszentrum für Astrophysik (DZA) und das Center for the Transformation of Chemistry (CTC) sind laut Kretschmer eine «beispiellose Prioritätensetzung». Mit der Exzellenz, Interdisziplinarität und Internationalität des DAZ werde Großes in der Lausitz entstehen. «Wir wollen ganz bewusst Zuwanderung in diese Regionen.» Der Freistaat setze auch auf Wissenstransfer in die Wirtschaft und Ausgründungen.

Über den Zuschlag für das CTC im Mitteldeutschen Revier freut sich Sachsen zusammen mit Sachsen-Anhalt. Dort könne «die Geschichte der Chemie» neu aufgesetzt werden, da es mit Blick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit andere Prozesse und Rohstoffe für die Produktion brauche, sagte Kretschmer. «Das ist die Möglichkeit, aus Mitteldeutschland heraus diese Chemie-Industrie neu aufzubauen.»

Professor Günther Hasinger, wissenschaftlicher Direktor der Europäischen Weltraumorganisation ESA und designierter DZA-Gründungsdirektor, sprach von einem «wichtigen Zeichen der Zukunft in einer schwierigen Zeit». Nach der anspruchsvollen Prüfung des Konzepts auf Herz und Nieren «sind wir glücklich, dass wir unser Vorhaben jetzt umsetzen können». Die sächsische Lausitz sei aus vielen Gründen «ein idealer Ort dafür».

Auch Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sieht bereits «ein Signal des Aufbruchs und der Zuversicht in die Reviere». Denn Forschung sei stets wichtige Basis künftiger Wertschöpfung. «Auf mittlere und auf lange Sicht werden die beiden Zentren daher Impulse für die Wirtschaft im gesamten Freistaat und weit darüber hinaus geben.» Die Wahl spreche auch für die gewachsene Kompetenz Sachsens.

«Beide Konzepte haben das Potenzial, völlig neue Innovationen zu generieren, die perspektivisch zu Anwendungen und damit attraktiv für die Ansiedelung von Unternehmen werden», sagte Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU). Das Portfolio des DZA sei so vielfältig, dass es Jobs im wissenschaftlichen und noch deutlich mehr im nicht-wissenschaftlichen Bereich schaffen werde.

Beifall gab es auch aus der Forschungslandschaft. Rektorin Ursula M. Staudinger verwies darauf, das die TU Dresden «herausragende Expertise in den Bereichen Data Analytics, Künstliche Intelligenz, High Performance Computing und Green Electronics» ins DZA einbringen und auch an der Entwicklung des CTC beteiligt sein werde. Die Uni Leipzig will dazu beitragen, «die neue große Herausforderung für die chemische Industrie zu meistern: von fossilen Energie- und Rohstoffquellen weitgehend unabhängig zu werden», sagte Rektorin Eva Inés Obergfell. Die Helmholtz-Gesellschaft sieht im DZA einen «perfekten Partner mit Schwerpunkt in den Bereichen Physik und Data Science. Im Verbund der Wissenschaft könne Deutschland «in diesem Forschungssegment in den kommenden Jahren eine weltweit führende Rolle übernehmen», teilte Präsident Otmar D. mit.

Positiv waren auch die Reaktionen aus der Wirtschaft. IHK und Handwerkskammer Leipzig sehen beim CTC das Potenzial, «große Entwicklungen anzustoßen». Durch innovative Lösungen für die Chemie-Industrie werde es zur Entstehung neuer Arbeitsplätze für Fachkräfte beitragen, die wirtschaftliche Attraktivität der Region steigern und Investitionen sowie Ansiedlungen fördern. Die IHK Dresden ist mit Blick auf das DZA verhalten, welche Potenziale es mit Blick auf Jobs, Zukunftssicherung und Kompensation wegfallender Wertschöpfung entfalten könne. Denn Grundlagenforschung münde womöglich erst in 30 bis 50 Jahren in praktische Anwendungen. Der Chef des Hightech-Netzwerks Silicon Saxony, Dirk Röhrborn, bezeichnete die Entscheidung der Expertenkommission als «ähnlich wegweisend wie Sachsens Industriepolitik der Nach-Wende-Jahre, bei der in Dekaden und nicht in Wahlperioden gedacht wurde».

© dpa
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