Zug im Erzgebirge fährt ferngesteuert

Die Fernbedienung am Fernseher kennt jeder, aber einen Zug ohne Lokführer an Bord aus der Ferne steuern? Auch das geht, wie ein Forschungsprojekt im Erzgebirge zeigt.
Zahlreiche Gäste und Mitarbeiter stehen vor dem Forschungszug „Lucy“. © Jan Woitas/dpa

Um 11.38 Uhr rollt der Triebwagen am Bahnhof Schlettau an, doch der Führerstand ist verwaist. Allerdings ist hier im Erzgebirge kein Geisterzug unterwegs, sondern die Bahntechnik der Zukunft wird erprobt. Zeitgleich sitzt in Braunschweig Lokführer Volker Grube vor zwei Bildschirmen und steuert den Wagen mit sicherer Hand. Dazu bekommt er in Echtzeit Kameradaten aus dem Zug übertragen. Rund drei Jahre wurde an dem Projekt zur Fernsteuerung von Zügen geforscht - mit dem Ergebnis zeigten sich die Beteiligten aus Wissenschaft und Wirtschaft am Mittwoch sehr zufrieden.

Züge aus der Ferne zu steuern ist nach Expertenangaben ein wichtiger Baustein hin zu autonomen Fahren auf der Schiene - etwa als Rückfallebene. Dabei müsse sichergestellt werden, dass ein Lokführer in der Ferne alle Informationen erhalte, um den Zug genauso sicher zu steuern, als säße er drin, erklärte der Leiter des Instituts für Verkehrssystemtechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Michael Ortgiese. In Schlettau werden dazu die Daten mittels 5G-Mobilfunk übertragen.

Für Laien ist die Testfahrt bis auf den fehlenden Lokführer vor Ort relativ unspektakulär: Der Triebwagen fährt mit maximal 15 Stundenkilometern wenige Hundert Meter. Dann wechselt er die Fahrtrichtung und kehrt zurück. Ortgiese spricht dennoch von einem «wichtigen Schritt». Ausschlaggebend sei, das Funktionieren der Technik in einem realistischen Szenario unter Beweis zu stellen. Gerade die Fernsteuerung und der Zugriff auf Schienenfahrzeuge über Mobilfunknetze seien Meilensteine in der Entwicklung eines modernen Bahnbetriebs.

Sachsen wolle Vorreiter bei der Entwicklung und Erprobung des autonomen Fahrens auf Straße und Schiene sein, betonte Landesverkehrsminister Martin Dulig. «Automatisierte Schienenfahrzeuge werden in Zukunft die Mobilität nachhaltig und prägend verändern.» Dabei sei die Sicherheit wichtig. Hierzu biete der Freistaat mit dem «Smart Rail Connectivity Campus» samt Teststrecke im Erzgebirge eine wichtige Voraussetzung. Eine solche Infrastruktur brauche es , um bei der Bahntechnik international konkurrenzfähig zu bleiben.

In Annaberg-Buchholz wird seit Jahren mit Millionenförderung der Aufbau eines Forschungscampus rund um das Eisenbahnsystem der Zukunft vorangetrieben. Dabei geht es etwa um automatisiertes Fahren sowie hybride Antriebe. Zum Netzwerk gehören mehr als 100 Partner, darunter wissenschaftliche Einrichtungen wie die Technischen Universitäten Dresden, Chemnitz, Ilmenau und Braunschweig, Institute der Fraunhofer-Gesellschaft und das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
WM-Achtelfinale: «Jetzt schon eine WM-Legende»: Mbappé entzaubert Polen
People news
Sternekoch: Tim Raue: Politiker mögen kein Rumjammern
Games news
Featured: Resident Evil: Chronologische Reihenfolge der Spiele
People news
Dänische Königin: Margrethe II. zu Jubiläums-Gottesdienst in London
Testberichte
Kurztest: Opel Mokka-e : Scheinriese unter Strom
Internet news & surftipps
Internet: Twitter sperrt Kanye West erneut
Reise
Gestörte Zugverbindungen: Bahnstreik in Frankreich bremst Verkehr nach Deutschland aus
Handy ratgeber & tests
Featured: Waagen-Apps für Apple Watch: Diese synchronisieren sich mit dem iPhone
Empfehlungen der Redaktion
Auto news
Eisenbahn der Zukunft: Autonomes Fahren: Zug im Erzgebirge fährt ferngesteuert
Regional bayern
Aufarbeitung: Zugunglück: Trauer und Suche nach den Ursachen
Reise
Unter Dampf: Neue Antriebe: Fährt die Bahn bald klimaneutral?
Regional bayern
Main-Spessart: Plakate über Bahngleise: Prozess beginnt im Herbst
Handy ratgeber & tests
Kolumne: Fahrzeugsteuerung per App: Sinnvoll oder gefährlich?
Reise
Neue Antriebsform: Bahn: Erste Testfahrt mit Wasserstoffzug von Siemens
Panorama
Bayern : Zugunglück in Bayern: Was wir wissen - und was nicht
Wirtschaft
Verkehr: Bahn unternimmt erste Testfahrt mit Siemens-Wasserstoffzug