Nach Zweitliga-Abstieg: Dynamo Dresdens ungewisse Zukunft

Nach Dynamos Abstieg steht der Verein vor wegweisenden Entscheidungen. Sowohl im Kader als auch in der sportlichen Führungsebene dürfte es Veränderungen geben.
Dresdens Julius Kade liegt nach dem Abstieg auf dem Rasen. © Robert Michael/dpa/Archivbild

Der Abstieg ist besiegelt, die zwei wichtigsten Personalien sind dagegen völlig offen: Dynamo Dresden steht nach dem vierten Abstieg innerhalb von 16 Jahren vor wegweisenden Wochen. Die Verträge von Sportchef Ralf Becker und Trainer Guerino Capretti haben für die 3. Fußball-Liga keine Gültigkeit. Nach der katastrophalen Rückrunde mit der verlorenen Relegation gegen Kaiserslautern als Tiefpunkt ist ohnehin fraglich, ob das Duo in Dresden eine Zukunft hat.

«Wir waren lange auf einem anständigen Weg. Am Ende sind wir irgendwie vom Weg abgekommen», beschrieb Becker den durchaus vermeidbaren Abstieg. Daran hat auch Becker Aktien, schließlich hielt der 51-Jährige lange an Trainer Alexander Schmidt fest und holte mit Capretti den falschen Nachfolge. Dynamo gelang das traurige Kunststück, 2022 noch kein Spiel gewonnen zu haben. «Es fällt schwer in die Analyse zu gehen bei diesen negativen Emotionen. Das muss erst einmal verarbeitet werden», sagte Capretti.

Würde sich Dynamo jetzt von Becker und Capretti trennen, hätte das finanziell keinerlei Folgen. Doch dann müsste man schnell zwei Nachfolger präsentieren, die gemeinsam den Kader zusammenstellen. Darauf scheint man in Dresden nicht vorbereitet zu sein. Becker hat in den vergangenen Wochen bereits mehrfach signalisiert in Dresden bleiben zu wollen. Seine Zielstellung ist es, wie vor zwei Jahren eine aufstiegsfähige Drittligamannschaft zusammenzustellen.

Über diese Personalie entscheidet nun der Aufsichtsrat. Es ist jedenfalls kein Geheimnis, dass Becker bereits ein Angebot vorgelegt wurde - unabhängig vom damals noch drohenden Abstieg. Am späten Dienstagabend wollte sich der Sportchef gegenüber Sky nicht zu seiner Zukunft äußern: «Jetzt schauen wir mal, was das Beste für den Verein ist. Aber das werden wir nicht heute entscheiden.»

Anders gestaltet sich die Situation um Capretti. Die Besetzung des Trainerpostens liegt in Beckers Verantwortungsbereich. Ein Neustart mit dem erfolglosen Coach dürfte nicht möglich sein. Zumal die Mannschaft Caprettis Ideen nicht umsetzen konnte oder der Trainer keinen Weg fand, um mit dem vorhandenen Spielermaterial erfolgreich zu sein.

Immerhin ist der Abstieg finanziell zu verkraften. «Es würde uns arg treffen, aber nicht umhauen», sagt Geschäftsführer Jürgen Wehlend bereits in der Vergangenheit. Die finanzielle Kraft ist vorhanden, um eine um den sofortigen Wiederaufstieg spielende Mannschaft zusammenzustellen.

In den kommenden Tagen liegt viel Arbeit vor dem sächsischen Traditionsclub. Zahlreiche Spielerverträge haben keine Gültigkeit für die 3. Liga, wie schon 2020 droht ein radikaler Umbruch im Kader. Am Mittwoch traf sich das Team ein letztes Mal, danach ging es in den Urlaub. Der Trainingsstart ist für den 15. Juni vorgesehen. Der Auftakt in die neue Drittliga-Saison findet am 22. Juli statt.

© dpa
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