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Ost-Kunst wieder gefragt: Was wird aus Sammlung der Wismut?

Jahrzehntelang hat der Bergbaukonzern Wismut in der DDR Uran für Moskau geschürft. Zum Erbe gehören immense Schäden an Umwelt und Gesundheit, aber auch eine große Kunstsammlung. Was wird daraus?
Wismut GmbH
Schlägel und Eisen zieren die Fassade der einstigen Generaldirektion der SDAG Wismut in Chemnitz. © Hendrik Schmidt/dpa/Archivbild

«Ostdeutschlands vergessene Kunstschätze» hat die Zeitung «Le Monde diplomatique» voriges Jahr einen Beitrag über die Sammlung der Wismut getitelt. Die schlummern auch mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung weitgehend verborgen im Depot des heutigen Bergbausanierers in Chemnitz. Während Fachleute seit einiger Zeit ein neues Interesse an Ost-Kunst beobachten, liegen die letzten großen Ausstellungen zur Wismut-Kunstsammlung rund zehn Jahre zurück. Und Pläne für eine im Kulturhauptstadtjahr 2025 vorgesehene Präsentation zerschlugen sich dem Vernehmen nach. Wie ein Neustart aussehen kann - darüber diskutierten Experten am Dienstag in Chemnitz.

Der Name Wismut steht für den Bergbaukonzern, der zu DDR-Zeiten in Sachsen und Thüringen Uran für das atomare Aufrüsten der einstigen Sowjetunion schürfte. Zugleich gab die deutsch-sowjetische Aktiengesellschaft ab 1959 zahlreiche Kunstwerke in Auftrag oder kaufte sie an. Entstanden ist eine Sammlung von mehr als 4200 Arbeiten von Künstlern wie Willi Sitte, Bernhard Heisig, Alexandra Müller-Jontschewa, Werner Petzold, Werner Tübke und Viktor Makejew. Aktuell sind sie noch im Besitz des Bergbausanierers, perspektivisch soll die Sammlung an die neue Wismut Stiftung übergehen. Auch andere DDR-Kombinate haben einst Kunst gesammelt, wenn auch in geringerem Umfang als die Wismut. So etwa das Chemiekombinat Bitterfeld und die Leuna-Werke. Deren mehrere Hundert Arbeiten umfassenden Sammlungen sind heute im Besitz des Landes Sachsen-Anhalt.

Doch über die Bedeutung solcher Kunst aus der DDR wird seit Jahrzehnten teils erbittert gestritten. 1999, als Weimar Kulturhauptstadt Europas war, sorgte dort eine Schau für Empörung, sahen Kritiker diese Kunst in die Nähe nationalsozialistischer Ästhetik gerückt. Das führte zum «deutsch-deutschen Bilderstreit» um Qualität und Aussagekraft ostdeutscher Kunst. Auch die Wismut-Sammlung selbst wurde in der Vergangenheit mit dem Vorwurf der «Un-Kunst» belegt.

Bei der Tagung in Chemnitz hob der Direktor des Kunstmuseums Moritzburg in Halle an der Saale, Thomas Bauer-Friedrich, die Vielfalt ostdeutscher Kunst hervor. Dazu gehöre ein differenzierter Blick. So sei manche Arbeit, die heute als Staatskunst verachtet werde, bei ihrer Entstehung von offizieller Seite her wenig wohlwollend aufgenommen worden. Er beobachte inzwischen ein wachsendes Interesse an der Kunst und den Künstlern jener Zeit. Dazu verwies Bauer-Friedrich etwa auf Ausstellungen im Museum Barberini in Potsdam, im Kunstpalast Düsseldorf, in seinem eigenen Haus, aber auch in den Niederlanden. Sein Plädoyer: Diese Kunstwerke - auch aus der Wismut-Sammlung - müssten gezeigt werden. «Nur dann können wir uns ein Urteil bilden.»

Eine neue Akzeptanz ostdeutscher Kunst sieht auch der Kunstwissenschaftler Paul Kaiser vom Dresdner Institut für Kulturstudien. Die Debatte darüber werde heute sachlicher geführt und Sammlungen wie die der Wismut würden fairer bewertet. Zwar sei ihre Zukunft mit der neu gegründeten Stiftung institutionell geregelt. Wie diese Kunst künftig präsentiert werde, sei aber nach wie vor unklar, merkte Kaiser an. Aus seiner Sicht habe ihre Sichtbarkeit in den vergangenen Jahren nachgelassen.

«Wir alle wünschen uns mehr Gewicht für ostdeutsche Kunst. Dazu kann die Wismut-Kunstsammlung beitragen», konstatierte die Geschäftsführerin der Wismut Stiftung, Julia Dünkel. Die Stiftung selbst plant drei Präsentationsorte zum sogenannten Wismut-Erbe - in Hartenstein in Sachsen, im thüringischen Ronneburg und im digitalen Raum. Dort sollen auch die Kunstwerke mit berücksichtigt werden. Allerdings seien diese Präsentationen nicht primär auf diese Kunst und die Auseinandersetzung damit ausgerichtet, räumte sie ein. «Kunst braucht Debatte.» Daher seien periphere Standorte für eine umfassende Präsentation ungeeignet.

Die Kunstwerke könnten künftig in Ausstellungen zu «Brennglasthemen» wie DDR-Alltag oder dem Umgang mit Umwelt und Ressourcen einen Beitrag leisten und aktueller Kunst gegenübergestellt werden, erklärte Dünkel. Ihr Wunsch sei, dass die Sammlung stärker öffentlich zugänglich werde. Zwar hat den Angaben zufolge anfangs der Schwerpunkt auf der Förderung propagandistischer Auftragskunst gelegen. In den letzten beiden Jahrzehnten der DDR sei es aber stärker um eine Ausdifferenzierung ästhetischer Handschriften gegangen und seien auch kritischere Perspektiven zugelassen worden. Das zeigt sich etwa an der Darstellung von Umweltzerstörungen durch den Uranbergbau.

© dpa
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