Chemnitzer will Rhein in Rekordzeit bezwingen

Den Rhein von der Quelle bis zur Mündung durchschwimmen. Ein Abenteuer mit einem großen Adrenalinkick steht vor dem Chemnitzer Joseph Heß. Zum Start am Samstag ging es erst den Berg hinauf in den eiskalten Tomasee, dann folgte eine gefährliche Wildwasserpartie.
Joseph Heß schwimmt während einer Trainingseinheit in der Elbe. © Sebastian Kahnert/dpa/Archivbild

Am Tomasee in der Schweiz ist der Chemnitzer Joseph Heß am Wochenende zu einem Schwimm-Marathon von der Quelle bis zur Mündung des Rheins gestartet. Vor ihm liegen mehr als 1200 Kilometer, die er in nur 25 Tagen bewältigen will. Das wäre Rekord. Acht bis zehn Stunden will der 34-Jährige täglich schwimmen, dabei aber besonders gefährliche Stellen wie den Rheinfall auslassen. Anfang Juli will er die Nordsee bei Rotterdam erreichen.

Am frühen Samstagmorgen hatte sich Heß auf den Weg zum 2344 Meter hochgelegenen Tomasee, der Wiege des Rheins, gemacht. «Oben war es eisig, der See zum Teil gefroren und die Wassertemperatur lag bei etwa vier Grad», sagte Lisa-Marie Bernhardt, die den Extremschwimmer begleitet. Nach dem Durchschwimmen des Sees war der 34-Jährige den Berg hinuntergelaufen.

Die erste Etappe im Rhein erfolgte dann im Wildwasser. Mit Schonern und Helm schoss der Chemnitzer nach Angaben Bernhardts durch die reißenden Fluten bergab - aus Sicherheitsgründen mit den Füßen voran. Begleitet wurde er dabei von Wildwasserkanuten.

Danach ging es für den 34-Jährigen in ruhigere Gewässer. Erst um 20.45 Uhr stieg Heß in Landquart in der Schweiz aus dem Wasser. «Der Wildwasserteil hat mehr Zeit in Anspruch genommen als zunächst gedacht, daher ist er etwas hinter dem Plan zurück und muss am Sonntag einige Kilometer aufholen», erläuterte Bernhardt. Am Sonntag ging es gleich in der Früh wieder weiter.

Sorgen bereitete Heß der derzeit geringe Wasserstand des Rheins in den Alpen, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ihm sei geraten worden, sich mit zusätzlichen Schonern etwa an den Knien auszurüsten, um sich im flachen Wasser nicht an Steinen zu verletzen. Begleitet wird er bei der Tour von mehreren Kanuten. Als weitere Gefahren auf der Tour gelten die Strömung, der Schiffsverkehr auf dem Rhein sowie Verunreinigungen des Wassers. Die könnten etwa Krankheiten wie Magen-Darm-Infekte mit sich bringen, erklärte Heß.

Der promovierte Wirtschaftsingenieur hat einige Erfahrung. So ist er schon den deutschen Teil der Elbe geschwommen - rund 620 Kilometer in zwölf Tagen. Seine Aktion will er auch für wissenschaftliche Untersuchungen nutzen. So wird das Projekt von Wissenschaftlern und Studenten mehrerer Hochschulen in Leipzig, Chemnitz, Mittweida (Sachsen) und Furtwangen (Baden-Württemberg) begleitet. Heß wird etwa Wasserproben sammeln. Sie sollen Aufschluss darüber geben, wie sich der Zustand des Flusses in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Auch wird ein Dokumentarfilm über den Schwimm-Marathon gedreht.

Experten warnen allerdings vor Nachahmern. «Grundsätzlich gilt: Das Schwimmen im Rhein ist lebensgefährlich und in bestimmten Bereichen ausdrücklich verboten», erklärte Ralf Ponath von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Bonn. «Die Strömung des Flusses, Unterströmungen und der durch die Schifffahrt erzeugte Sog sind selbst am Ufer ein unkalkulierbares Risiko. Wer in den Rhein geht, bringt sich und andere in Gefahr.» Heß hat den Angaben zufolge für seine Tour eine Genehmigung unter strikten Auflagen erhalten.

© dpa
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