Tod auf der Flucht: Freiheitsstrafen für zwei Schleuser

16.05.2022 Ein halbes Jahr nach dem Tod eines Flüchtlings in einem Transporter hat das Landgericht Görlitz die beiden mutmaßlichen Schleuser verurteilt. Eine Strafkammer verhängte dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe gegen einen 42-Jährigen sowie zwei Jahre und zehn Monate gegen einen 48-Jährigen. Der Jüngere wurde wegen versuchten Einschleusens mit Todesfolge härter bestraft. Er hatte der Gerichtshilfe nach deren Angaben im Prozess anvertraut, dass der Iraker fast tot gewesen sei, als er auf die Ladefläche gehoben wurde. Beweise für einen Mord durch Unterlassen wie angeklagt, sahen die Richter nicht. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Die Männer hatten am 29. Oktober 2021 insgesamt 22 Menschen aus dem Irak von der weißrussisch-polnischen Grenze abgeholt. Als ihr Kleintransporter in der Nähe von Görlitz gestoppt wurde, war ein 32-Jähriger tot. Laut Anklage war er während eines mehrtägigen, 40 Kilometer langen Fußmarschs durch sumpfiges Waldgebiet an der polnischen Ostgrenze gestürzt und konnte nicht mehr laufen, hatte Bauchschmerzen, Schüttelfrost und Durchfall. Wie die Obduktion ergab, starb er zu einem nicht genau ermittelbaren Zeitpunkt an Multiorganversagen - laut einem Gutachter entweder kurz vor der Aufnahme in Polen oder während der Weiterfahrt.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Kurden aus Nordrhein-Westfalen und den Türken aus Warschau fünf und vier Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidiger deutlich weniger. Die Männer, die 10.000 Euro für die Schleusung bekommen sollten, zeigten im Prozess Reue. Die Iraker hatten 3500 US-Dollar pro Person gezahlt. Die Tour war im Zuge eines Polizeieinsatzes nahe der Autobahn 4 aufgedeckt worden und hatte für Aufsehen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Tod des 32-Jährigen hätte vermieden werden können - wenn die Angeklagten Hilfe geholt hätten.

© dpa

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