Immer weniger Christen in Sachsen

27.06.2022 Der Mitgliederschwund in den beiden großen christlichen Kirchen hält an. Seit Jahren werden Protestanten weniger, wegen Abwanderung und Demografie - und auch die Katholiken.

Kerzen brennen vor dem Sonntagsgottesdienst. © Silas Stein/dpa/Symbolbild

In Sachsen gibt es immer weniger Christen. Evangelische Landeskirche und katholische Bistümer haben im zweiten Corona-Jahr 2021 weitere Mitglieder verloren - durch Austritte, Tod und Abwanderung. Die Zahl der gestorbenen Gläubigen überstieg in beiden Kirchen die der Taufen und Eintritte. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing sagte, man müsse sich von der Vorstellung verabschieden, dass Kirchen wieder voller würden oder die Zahl Gläubiger wieder steige.

Die Bistümer Dresden-Meißen, Görlitz und Magdeburg verloren auf dem Gebiet des Freistaates 2267 Mitglieder, wie aus der am Montag in Bonn veröffentlichten Statistik der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht. Am 31. Dezember 2021 lebten danach insgesamt 148.095 Katholiken in Sachsen. Die evangelische Landeskirche hatte nach Angaben vom Anfang März am Stichtag 628.708 Mitglieder - und damit 18.560 weniger als ein Jahr zuvor.

Die meisten Katholiken (128 203) gehörten zum Bistum Dresden-Meißen, 15 304 zum Bistum Görlitz und 4588 zum Bistum Magdeburg. Nach Angaben der DBK ist die Statistik von der Corona-Pandemie geprägt, die sich vielfach auf das kirchliche Leben ausgewirkt habe. Die «extrem hohen» Austrittszahlen führt Bätzing, auf die innerkirchlichen Probleme zurück. Es mehrten sich Rückmeldungen, dass auch bisher sehr in den Pfarreien engagierte Menschen diesen Schritt gingen. Er sprach von einer «tiefgreifenden Krise» der katholischen Kirche in Deutschland. Darin zeigten sich die «Skandale, die wir innerkirchlich zu beklagen und in erheblichem Maße selbst zu verantworten haben».

Das bis Ostthüringen reichende Bistum Dresden-Meißen hat gut 2200 Christen verloren. Für die drittkleinste der 27 Diözesen in Deutschland sind 137.067 Mitglieder ausgewiesen - ein Jahr zuvor waren es noch 139.269. Laut Statistik wandten sich 2886 Katholiken von ihrer Kirche ab und traten aus, nur je 27 wurden neu oder wieder aufgenommen. Die Abgänge werden nach Angaben des Ordinariats in Dresden nach wie vor durch Zuzug katholischer Christen abgemildert. «Diese hohe Zahl der Kirchenaustritte tut weh», sagte Bischof Heinrich Timmerevers und dankte allen, «die trotz aller Fragen, Zweifel und berechtigten Kritik nach wie vor zu ihrer Kirche stehen».

Der Anteil der Gottesdienstbesucher sank von 9,8 auf 7,4 Prozent, auch wegen der Corona-Pandemie. Bei Taufe, Firmung, Trauungen und Bestattungen gab es Zuwächse: 571 Taufen (plus 30), 750 Firmungen (plus 257), 173 Trauungen (plus 53), 1144 Bestattungen (plus 194). Nur zur Erstkommunion gingen mit 617 Mädchen und Jungen 151 weniger.

Für das Bistum Görlitz sind 29.623 Mitglieder ausgewiesen und damit erstmals ein Verlust von 167 Katholiken nach Jahren. Nur jedes 10. Mitglied besuchte Gottesdienste. 254 Christen traten aus der Kirche aus, 251 wurden bestattet und 7 neu oder wieder aufgenommen.

«Es gibt keine Selbstverständlichkeiten mehr für uns als katholische Kirche», sagte Bätzing. Für ihn ist die Bilanz auch ein Auftrag: «Wir müssen uns neu erklären, erläutern was wir tun und warum wir es machen.»

Bei der evangelischen Landeskirche lag die Zahl der Taufen 2021 mit rund 3150 wieder etwas höher nach dem coronabedingten Tiefpunkt 2020, wie ein Sprecher sagte. Allerdings sei das noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Auch die Zahl der Aufnahmen, die in der Regel in einem Gottesdienst vollzogen werden, sei mit rund 310 niedriger als in Vorjahren. Dagegen starben mit 14.891 Kirchenmitgliedern erneut deutlich mehr als in den Jahren vor Corona, aber etwas weniger als 2020. Dafür traten 8662 Christen aus der Kirche aus, 2035 mehr als 2020. Das Landeskirchenamt geht davon aus, dass Austritte nachgeholt wurden, weil Standesämter im Lockdown geschlossen waren.

© dpa

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