Organspenden und -spender 2021 wieder rückläufig in Sachsen

Fremdes Herz, Niere oder Leber sind oft die letzte Hoffnung für schwerkranke Patienten. In Sachsen gibt es aber noch immer zu wenige Menschen, die ihre Organe nach dem Tod zur Verfügung stellen oder zu Lebzeiten spenden.
Eine Frau hält einen Organspendeausweis in ihren Händen. © Hendrik Schmidt/dpa/Symbolbild

Nach einer positiven Entwicklung 2020 ist die Zahl der Organspenden und -spender auch in Sachsen wieder zurückgegangen. Nach Angaben des Sozialministeriums in Dresden haben 2021 landesweit 56 Menschen postmortal ein oder mehrere Organe gespendet und damit zwölf weniger als im Jahr zuvor. Die Spendebereitschaft indes liege weiter konstant über dem Bundesdurchschnitt mit 13,8 Organspendern pro eine Million Einwohner (Bund: 11,2). Aktuell warteten rund 400 Menschen auf eine oft lebensrettende Transplantation.

«Jede und jeder sollte sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen», appellierte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) vor dem Tag der Organspende (4. Juni). Die Entscheidung sollte nicht den Angehörigen in schwieriger Situation überlassen werden. «Entscheiden Sie selbst!». Wie viele Menschen sich zu Lebzeiten dazu entschließen und das mit Organspendeausweis oder Patientenverfügung dokumentieren, werde nicht erfasst, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation sind die Zahlen seit Jahresbeginn 2022 bundesweit überraschend dramatisch eingebrochen, nachdem Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen Ländern ohne größere Einbußen durch Corona geblieben war. «In Sachsen liegen sie in etwa auf dem Vorjahresniveau», sagte eine Sprecherin. In den ersten vier Monaten wurden demnach 16 Organspenden verzeichnet und damit eine mehr. Die Zahl liege allerdings deutlich unter denen von 2020 (25) und 2019 (23).

Laut DSO-Analyse spielen die verschärfte Arbeitsüberlastung in den Kliniken im Zuge der Corona-Pandemie in den ersten Monaten 2022 eine Rolle sowie der Ausschluss einer Organübertragung bei positivem Corona-Befund des potenziellen Spenders. Für 2021 verzeichnet die Statistik 185 Spenderorgane, 42 weniger als im Jahr zuvor und auch 20 weniger als 2020. Auch die Zahl der Transplantationen ging zurück, von 144 auf 134. 2020 waren es noch 181.

Mit 15 realisierten Organspenden ist das Universitätsklinikum Dresden Spitzenreiter in der DSO-Region Ost. Dort wurden 2021 zudem 53 Nierentransplantationen nach postmortaler Spende sowie acht Nierenübertragungen von Lebendspendern durchgeführt.

Lebensrettende Organspenden sind in Deutschland nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Um mehr Bürger dazu zu bewegen, konkret über eine Spende nach dem eigenen Tod zu entscheiden, wird auf mehr Aufklärung gesetzt. Mit dem Tag der Organspende wird seit 1963 alljährlich am ersten Samstag im Juni aller Organspender gedacht, deren Angehörigen gedankt - und für die Organspende geworben.

© dpa
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