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«Gemeinsam wachsam»: Aufruf zu Menschenkette in Dresden

Der 13. Februar ist in Dresden nicht nur Tag der Erinnerung an die Zerstörung der Stadt 1945. Die Bürgerschaft stellt sich alljährlich auch gegen die Vereinnahmung des Gedenkens durch Rechtsextreme - und diesmal mehr denn je.
78. Jahrestag der Zerstörung Dresdens
Mit einer Menschenkette wird am Königsufer der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gedacht. © Sebastian Kahnert/dpa

Angesichts der Sorge vor einem Rechtsruck und wachsender Demokratiefeindlichkeit in Deutschland soll aus Dresden am diesjährigen Gedenktag seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein besonders starkes Zeichen für Frieden, Versöhnung und Menschenwürde ausgehen. Vertreter der Zivilgesellschaft rufen die Bürgerschaft zur regen Teilnahme an der Menschenkette am 13. Februar auf - unter dem Motto «Gemeinsam wachsam». Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) appellierte am Montag, «zahlreich und gemeinsam gegen Menschenverachtung, Antisemitismus und Intoleranz einzustehen».

Die Initiatoren hoffen angesichts des großen Zulaufs zu den Demonstrationen gegen rechts der vergangenen Wochen auf weit mehr als die nötigen rund 10.000 Menschen, um am Abend des 79. Jahrestags symbolisch die Innenstadt zu umschließen - und danach auch zu verhindern, dass Rechte die Plätze bevölkern.

Die Kulturstadt war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bomben stark zerstört worden. Bis zu 25.000 Menschen starben. Neonazis hatten früher immer wieder versucht, den Gedenktag zu missbrauchen, seit 2012 überwiegt das friedliche Gedenken der Bürger.

Die Rektorin der Technischen Universität Dresden, Ursula M. Staudinger, sprach von einem «mahnenden Erinnern» über den Gedenktag hinaus angesichts der aktuellen Gefährdungen. «Wir müssen wehrhaft zusammenstehen für die Werte unserer Demokratie: Menschenwürde, Toleranz und ein Miteinander.» Das gelte es zu verteidigen «gegen Rassismus, Antisemitismus und die Untergrabung unserer freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung».

Das Gedenken der Opfern von Krieg und Zerstörung sei wichtig, aber auch, nicht zu vergessen, «dass Dresden nicht unschuldig war», eine engagierte Täterschaft während des Nationalsozialismus gehabt und damals vielfach auch ganz vorn gestanden habe, sagte Hilbert. Im Sinne des «Nie wieder» müsse die Zivilgesellschaft daher auch jenseits des 13. Februar Gesicht zeigen. Denn auch an den Wochenenden vor und nach dem Gedenktag sei damit zu rechnen, «dass Rechte unsere Stadt als Bühne missbrauchen wollen».

An der Fassade der Frauenkirche, die 1945 zerstört und nach 1990 mit Spenden aus aller Welt wiederaufgebaut wurde, prangt seit dem Morgen und auch mit Blick auf das Wahljahr 2024 ein Banner «Wir haben die Wahl - Für Demokratie gegen Rechtspopulismus». In der von Kriegen geprägten Zeit und angesichts offener Verunglimpfung demokratischer Werte «reicht ein stilles Erinnern nicht aus», sagte Geschäftsführerin Maria Noth. Daher werde am Gedenktag auch die traditionelle «Nacht der Stille» in dem Gotteshaus zur «Nacht der Stimmen», wo Menschen zwischen acht «Pfeilern der Demokratie» Auskunft über ihren Einsatz dafür geben.

© dpa
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