«Ich werde immer Trainer bleiben»: Klaus Sammer wird 80

Klaus Sammer erlebte als Spieler und Trainer von Dynamo Dresden Höhen und Tiefen. Verbiegen ließ er sich nie. Vom Fußball ist der Vater von Matthias Sammer noch heute fasziniert und besessen.
Der ehemalige Spieler und Trainer von Dynamo Dresden, Klaus Sammer, feiert seinen 80. Geburtstag. © Robert Michael/DPA-Zentralbild/dpa/Archiv

Die 80 Jahre sieht man Klaus Sammer nicht an. Sportlich drahtig wie eh und je kann man den von allen Freunden liebevoll nur «Langer» gerufenen ehemaligen Spieler und Trainer von Dynamo Dresden in seiner Stadt und in seinem Stadion erleben. Der Name Klaus Sammer, Ehrenspielführer seines Herzensvereins, steht bis heute für ehrliche Arbeit, eine klare Meinung und Unbeugsamkeit. Diese Eigenschaften machten ihn zu einem von den Fans geliebten, von einigen Widersachern aber gefürchteten Idol.

Nicht nur wegen seiner stattlichen 1,91 Meter Körperhöhe war Klaus Sammer einer der ganz Großen des DDR-Fußballs. Er blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Spieler und Trainer zurück, auch wenn es ihm nicht immer leicht gemacht wurde. «Vor dir muss man einfach den Hut ziehen, weil du viele Nackenschläge einstecken musstest, die du auch immer wieder weggesteckt hast», sagte einmal sein ehemaliger Mitspieler Hans-Jürgen Kreische.

Die Politoberen der DDR hatten den gebürtigen Gröditzer immer im Visier, weil er zum einen Westverwandtschaft hatte, zum anderen sich aber auch noch weigerte, trotz seiner Mitgliedschaft im Polizeiverein Dynamo in die SED einzutreten. Sammers Hartnäckigkeit in dieser Frage ließen sie ihn immer wieder spüren. Als kaum aus dem Team wegzudenkender Nationalspieler durfte er nicht mit zu den Olympischen Spielen 1972 in die Bundesrepublik, kurz vor der WM 1974, für die sich die DDR erst- und letztmalig qualifiziert hatte, wurde seine Karriere für beendet erklärt.

Und auch den Trainer Klaus Sammer ließ man nicht in Ruhe. Für die historische 3:7-Pleite der Dynamos 1986 bei Bayer 05 Uerdingen und die anschließende Flucht von Frank Lippmann in den Westen machte man einzig Sammer verantwortlich, wie aus Unterlagen der Staatssicherheit hervorgeht. Der Trainer wurde entlassen und fand sich plötzlich als Jugendtrainer bei Dynamo Meißen wieder.

Dass Klaus Sammer überhaupt beim Fußball landete, glich eher einem Zufall. Der gelernte Dreher begann seine sportliche Karriere eigentlich als Leichtathlet, ehe er in seiner Geburtsstadt bei der TSG Stahl Gröditz erstmals gegen den Ball trat. Als 19-Jähriger wechselte er 1962 zum SC Einheit nach Dresden, entschied sich aber vier Spieltage vor Schluss der Oberliga-Saison 1964/65 kurzfristig zum Übertritt zu Dynamo und half dort, den drohenden Abstieg zu verhindern.

Damit begann nicht nur seine, sondern auch Dynamos Erfolgsgeschichte. In den zehn Jahren bei den Gelb-Schwarzen absolvierte er 272 Pflichtspiele und erzielte dabei 39 Tore. Darunter auch ganz besondere wie im DFB-Pokalfinale 1971 gegen den BFC Dynamo. Seine beiden Treffer zum 2:1-Erfolg in der Verlängerung besiegelten das erste Dresdner Double aus Meisterschaft und Pokal, was dem Club mit Sammer 1973 noch einmal gelang. «Er hat einen riesengroßen Anteil daran, dass es den viel zitierten "Mythos Dynamo" überhaupt gibt. Als Ehrenspielführer ist er ein regelmäßiger und sehr gern gesehener Gast bei unseren Heimspielen und für mich persönlich ein extrem wertvoller Gesprächspartner. Er kann sehr gut zuhören, findet vor allem aber auch immer offene und ehrliche Worte zu jeder denkbaren Frage. Wir schätzen und verehren ihn sehr», sagt Dynamo-Präsident Holger Scholze über den Jubilar.

Die Kapitänsbinde, für die der Wortführer Sammer eigentlich prädestiniert gewesen wäre, trug er nie. «Als Mannschaftsführer sollte man auch politisch auf seine Mannschaftskameraden Einfluss nehmen - und das war mir zuwider, weil ich davon einfach nicht überzeugt war. Man muss sich nur vor Augen führen: In der DDR war die politisch-ideologische Überzeugung bei den vier Leistungsfaktoren wichtiger als die Taktik, die Technik und die Kondition. Das ist doch völliger Blödsinn gewesen», sagte er einst. Genau das schätzt man noch heute an Sammer. «Es hat mich schon immer fasziniert, wie anständig und gutherzig Klaus Sammer im Umgang mit seinen Mitmenschen war. Das hat dem Verein unglaublich gut getan. Zugleich wusste er aber auch immer genau, wann unbequeme Entscheidungen konsequent umgesetzt werden mussten. Diese hat er dann stets klar, sachlich und vor allem sportlich fair artikulieren können», sagt Scholze.

Von den 19 Europapokalpartien mit Dynamo sind ihm die legendären Duelle mit dem FC Bayern München (3:4, 3:3) 1973 in schlechter Erinnerung. Die Enttäuschung ist nie gewichen, «weil es taktisches Versagen war». Er selbst saß nur auf der Bank. «Dabei hätten wir einen mit meiner Körpergröße hinten dringend gebraucht. Wir haben sechs Tore gegen dieses Starensemble geschossen, das hätte doch zum Weiterkommen reichen müssen», monierte Sammer einst.

Wenn es um Fußball geht, ist er in seinem Element. Auch heute noch. Und so verfolgt er die Weltmeisterschaft in Katar auch ganz genau. «Ich gucke alles, was kommt. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung. Ich bin und werde irgendwie immer Trainer und Fußball meine Leidenschaft bleiben. Grundsätzlich schaue ich aber lieber die Europameisterschaften. Ich finde, dass die Qualität der Mannschaften da meist stärker und die Spiele daher ausgewogener sind», sagt Sammer.

Auch an seinem Geburtstag an diesem Montag wird sich vieles um Fußball drehen. «Ich werde den Tag in Dresden verbringen, im engsten Familienkreis. Mit Hansi Kreische, Dieter Riedel und Klaus Engels werden noch drei Sportfreunde vorbeikommen, mit denen ich früher gespielt habe», berichtet der Jubilar, der ob der 80 schon etwas erschrickt. «Ich würde lieber meinen 60. feiern. Aber ändern kann ich es nun einmal nicht», sagt Sammer und hat deshalb auch keine großen Wünsche: «Gesundheit ist wirklich das einzige, was man sich in diesem Alter noch wünscht. Ich hatte kürzlich eine Grippe, das braucht einfach keiner. Ich habe keine großen Forderungen und Wünsche mehr an das Leben. Solange ich alles noch halbwegs eigenständig erledigen kann und es meiner Familie gut geht, ist alles in Ordnung.»

© dpa
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