Freistaat erbt Hunderte Nachlässe: 2021 etwas weniger

27.06.2022 Wenn Angehörige ein Erbe ausschlagen oder sich kein Empfänger findet, fällt der Nachlass per Gesetz an den Staat. Der hat damit mehr Arbeit als Freude - und rechnet mit noch mehr Belastung.

Ein Testament wird verfasst. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Vermüllte Wohnungen, alte Autos, Ruinen: Der Freistaat Sachsen macht jährlich gut 1000 Erbschaften, im vergangenen Jahr waren es etwas weniger als in den Jahren davor. Lukrativ sind sie nur selten, per Gesetz fallen vielmehr überschuldete Nachlässe oder solche an das Land, die gerade mal zur Begleichung der Gläubigerforderungen ausreichen. Der Freistaat ist bemüht, innerhalb der Nachlassabwicklungen «die «schwarze Null» zu halten», wie Martin Oberacher, Leiter des Geschäftsbereichs Zentrales Flächenmanagement (ZFM) im Staatsbetrieb, sagt. «Es kommt darauf an, mit der ganzen Fachkunde und Routine den bestmöglichen wirtschaftlichen Ertrag zu sichern.

Meist handele es sich aber um Schulden auf Häusern und Konten, alte Autos, Ruinen oder zugemüllte Wohnungen sowie wertlosen Kram. «Dieser Trend setzt sich fort.» Die Behörde rechnet damit, dass die Zahl solcher Fiskalerbschaften im Zuge der Corona-Pandemie und derzeitigen Teuerungen steigt.

Laut Statistik stellten die Nachlassgerichte 2021 in 1119 Fällen den Fiskus als Erben fest, das waren 38 weniger als im Jahr zuvor. Der Bestand ging um 381 auf 3867 unfreiwillige Nachlässe zurück, 1500 Fiskalerbschaften wurden abgeschlossen - gut 500 mehr als 2020. In rund einem Fünftel der Fälle geht es um Immobilien, wobei Häuser, Garagen, Kleingärten oder auch Gasthöfe oft überschuldet sind. «Die Kosten für Unterhaltung oder Entsorgung sind meist höher als das, was durch ihre Veräußerung zu erzielen ist», sagt Oberacher.

Noch schwieriger ist es, wenn dem Freistaat mit einem Nachlass Immobilien im Ausland wie Italien, Griechenland oder Ungarn zufallen, weil dabei ortsansässige Dienstleister wie Anwälte bezahlt werden müssen und den Erlös zusätzlich schmälern. Auch Unterhaltspflichten an Liegenschaften sowie Personal- und Sachkosten vermindern den «Gewinn» - oder zehren ihn zuweilen auf.

Musste das Land nach 2007 stets draufzahlen, übersteigen die Einnahmen aber seit 2018 die Ausgaben. Für 2019 weist die Statistik mit 5,99 Millionen Euro ein Plus von gut zwei Millionen Euro aus. 2020 nahm der Freistaat knapp 4,8 Millionen Euro aus den Erbschaften ein, wandte aber auch gut vier Millionen für die Nachlassabwicklung auf. Auch 2021 haben die Einnahmen mit fast 5,9 Millionen Euro die Ausgaben überstiegen - um knapp 1,3 Millionen Euro.

Der Staat übernimmt per Gesetz alles vom Hausrat bis zu Gebäuden, von denen nur ein Bruchteil tatsächlich Geld bringt. Autos, Schmuck, Fernseher und anderes wird im besten Fall über Auktionshäuser und Nachlassverwerter «versilbert». Zuweilen stießen die Finanzbeamten in der Vergangenheit auch auf «Schätzchen», wie eine im Stil der 1940er Jahre erhaltene Villa samt Inventar, opulenter Sammlung von Schellackplatten, antiken Büchern, Porzellan und Oldtimern.

Wenn Angehörige einen Nachlass ausschlagen oder sich kein Erbe findet, fällt der Nachlass per Gesetz an den Staat. Melden sich binnen 30 Jahren nach dem Tod des Erblassers doch noch Erben, ist der Staat die Sachen so wie den Erlös wieder los.

© dpa

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