Hafer als Trendprodukt: Mühlen rechnen mit höheren Preisen

04.07.2022 Vom wenig beachteten Tierfutter zum Trendprodukt: Hafer ist als Milchersatz, Porridge oder Müsli in Mode. Die Nachfrage steigt und auch Sachsens Bauern setzen etwas stärker auf das Getreide. Doch Hafermühlen sorgen sich um die diesjährige Ernte - und die Preise.

Haferflocken wandern durch einen Fließbettkühler in der Rubinmühle Vogtland GmbH. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Ein unberechenbarer Getreidemarkt, wenig regionale Anbauflächen und fehlender Regen auf den Feldern: Der diesjährige Hafer, der ab Spätsommer geerntet wird, könnte weitaus teurer werden. «Die Landwirte kämpfen mit enorm gestiegenen Kosten. Und die allgemeine Unsicherheit macht eine Planung für sie unmöglich», sagte Andreas Jahnel vom Sächsischen Landesbauernverband der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das dürften auch die Verbraucher zu spüren bekommen, wenn Mühlen und Handel die Preise für Haferprodukte anheben müssen.

Es sei nicht mehr vorhersehbar, wohin sich Preise entwickeln. Aber ein Preisanstieg bei Haferflocken & Co sei naheliegend - ähnlich wie bei anderem Getreide. Beim Hafer kämen noch Witterungsprobleme hinzu. Der Mangel an Regen seit der Aussaat im Frühjahr habe den Pflanzen besonders stark zugesetzt, erläuterte Jahnel: «Hafer braucht Feuchtigkeit. Die Ernte wird nicht berauschend.» Vor allem im Leipziger Raum und in Ostsachsen hätten die Bestände große Probleme.

Laut Statistischem Landesamt ist der Haferanbau im Freistaat seit 2016 gestiegen - von 8400 auf 14.100 Hektar in diesem Jahr. Allgemein bleibe das eine Steigerung auf niedrigem Niveau, sagte Jahnel. Weizenanbau lohne sich wegen guter Marktpreise für Landwirte mehr - auch deswegen sei regionaler Hafer ein knappes Nischenprodukt. Ob aus dem Getreide Tierfutter oder Haferflocken werden, entscheide nicht der Landwirt, sondern der Landhandel.

Erzeugnisse aus Hafer könnten in den nächsten Monaten massiv teurer werden, schätzt Christopher Rubin von der Rubinmühle Vogtland GmbH in Plauen. «Der Getreidemarkt spielt verrückt und alle wirken wie gelähmt», sagte der Chef von Sachsens größter Hafer-Mühle. Einerseits seien viele Mühlen nicht bereit, die hohen Preise für die anstehende Ernte zu akzeptieren und warteten ab. Andererseits hielten Landwirte den kommenden Hafer vom Markt zurück, weil sie davon ausgingen, dass Preise weiter steigen.

Die Preise für Hafer hätten sich annähernd verdoppelt, obwohl er nicht aus der Kriegsregion Ukraine komme. «Der Haferpreis verhält sich meist wie der Weizenpreis», erklärte Rubin. Die Mühle kaufe neben regionalem Hafer das Getreide in Tschechien, Polen und dem Baltikum ein. Zwar sei das Hafergeschäft im Vergleich zu anderen Getreidearten ein Nischenmarkt, aber seit einigen Jahren steige die Nachfrage stark. «Wir müssen Aufträge absagen, weil die Kapazitäten fehlen.» Deshalb wolle die Rubinmühle weiter anbauen. Rund 50.000 Tonnen Getreide verarbeitet sie pro Jahr, hauptsächlich Hafer.

Aktuell würden einige sächsische Bauern mit sogenanntem Winterhafer experimentieren, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums Robert Schimke. Normalerweise werde das Getreide erst im Frühjahr als Sommerhafer gesät, habe dann aber oft mit der Trockenheit zu kämpfen. «Einige bringen ihn nun eher aufs Feld, so dass sich die Pflanze frühzeitig entwickeln kann. Die Landwirte versuchen, sich an den Klimawandel anzupassen.»

Die Wurzener Mühle als Haferverarbeiter habe sich in den letzten Jahren um eine engere Zusammenarbeit mit regionalen Bauern und um Hafer aus der näheren Umgebung wie Thüringen, Brandenburg oder Sachsen bemüht, sagte der Geschäftsführer der Wurzener Nahrungsmittel GmbH, Stefan Kuhl. «Aber wenn die Kosten weiter steigen, könnte der regionale Haferanbau etwas beiseite geschoben werden.» Bis zu 10 000 Tonnen Hafer könnte die Wurzener Mühle jährlich zu Haferflocken oder Hafermehl verarbeiten.

Schon seit Jahren zählten die Ukraine und andere osteuropäische Länder zum Kundenstamm. «Haferbrei ist dort ein beliebtes Nahrungsmittel. Die Nachfrage aus der Ukraine steigt gerade weiter deutlich.»

© dpa

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