Sachsen hinkt beim Ausbau der Windenergie weiter hinterher

Beim Ausbau der Windenergie gehört Sachsen weiter zu den Schlusslichtern in Deutschland. Im ersten Halbjahr seien nur zwei neue Anlagen mit zusammen sieben Megawatt Leistung hinzugekommen, teilten der Bundesverband Windenergie und der Fachverband VDMA Power Systems am Donnerstag mit. Zugleich wurde ein Windrad mit einem Megawatt zurückgebaut. Insgesamt verfügt Sachsen damit über 871 Windräder mit 1273 Megawatt. Das sei gerade einmal ein Anteil von zwei Prozent bundesweit.
Windräder drehen sich. © Christian Charisius/dpa/Symbolbild

Gemessen an der Fläche gibt es im Freistaat eine installierte Leistung von 69 Kilowatt pro Quadratkilometer. Weniger sind es nur in Baden-Württemberg, Bayern und Berlin. In den Nachbarländern Sachsen-Anhalt und Brandenburg etwa liegt der Wert fast vier Mal so hoch. Spitzenreiter Bremen und Schleswig-Holstein kommen sogar auf 479 beziehungsweise 456 Kilowatt pro Quadratkilometer.

Im ersten Halbjahr 2022 wurden bundesweit 238 neue Windräder mit einer Leistung von zusammen 977 Megawatt installiert - in etwa so viel wie im Vorjahreszeitraum. Um die Ausbauziele erreichen zu können, wird nach Expertenangaben das fünffache Volumen benötigt. Weil auch alte Anlagen stillgelegt wurden, lag der sogenannte Netto-Zubau im ersten Halbjahr bei 878 Megawatt, etwas mehr als im Vorjahresvergleich.

Bundestag und Bundesrat hatten erst vor kurzem ein umfangreiches Maßnahmenpaket für einen schnelleren Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne beschlossen. Dieser spielt eine zentrale Rolle, um Klimaziele erreichen zu können und weniger abhängig von fossilen Energien wie russischem Gas zu werden. Die Länder sollen dabei verpflichtet werden, mehr Flächen für die Erzeugung von Ökostrom zur Verfügung zu stellen - im Schnitt zwei Prozent der Landesfläche. In Sachsen liegt der Anteil bisher bei 0,2 Prozent.

Sachsens Energieminister Wolfram Günther (Grüne) äußerte sich am Donnerstag in der Aktuellen Stunde des Landtages auch zum notwendigen Ausbau der Windkraft. Die Regierung nehme sich dieses Themas an. Man sei dabei, die Flächen zu identifizieren und habe dafür eine interministerielle Task Force gebildet. Sachsen wolle diesen Prozess aktiv gestalten und «nicht weil Bundesrecht automatisch gilt». Das würde dazu führen, dass im Prinzip im gesamten Außenbereich überall Windkraft zulässig wäre. Sachsen wolle aber den Weg gemeinsam mit den Menschen gehen. Deshalb investiere man bei der Energieagentur SAENA in eine Dialog- und Servicestelle, die bei Konflikten moderiert.

Der Sächsische Landtag hatte im Juni die Bauordnung geändert und dabei den 1000-Meter-Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohngebäuden besiegelt. Davon kann abgewichen werden, wenn es um das Repowering - also das Nachrüsten bestehender Anlagen - geht, oder wenn der Abstand im Außenbereich auf Wunsch der Gemeinden unterschritten werden soll. Die Abstandsregel gilt als Hemmschuh für das weitere Ausbauziel der Windkraft.

© dpa
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