IHK: Gaslieferungen-Wiederaufnahme keine Beruhigungspille

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden hat davor gewarnt, sich nach den wieder angelaufenen Gaslieferungen aus Russland in Sicherheit zu wiegen. «Unmittelbar scheint die Gefahr massiver Verwerfungen für unsere Wirtschaft gebannt zu sein, wir dürfen jetzt aber nicht den Fehler machen, eine Beruhigungspille zu schlucken», erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Lukas Rohleder am Donnerstag. Die Lage könne sich auch schnell wieder ändern: «Wir wissen es einfach nicht, daher bleibt die Gefahr latent.»
Die Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 und der Übernahmestation der Ferngasleitung OPAL. © Stefan Sauer/dpa

Laut Rohleder kommt es im Dienste der Versorgungssicherheit darauf an, alle verfügbaren Energiequellen zu erschließen. Dabei dürften bereits massiv gestiegene Kosten nicht außer Acht gelassen werden. «Unsere Betriebe werden das dauerhaft nicht schultern können, weshalb wir eine schnelle Bereitstellung von Liquiditätshilfen und Zuschüssen für besonders stark betroffene Unternehmen und eine Abschaffung beziehungsweise Reduzierung von Steuern und Abgaben auf Energie brauchen, um zumindest im innereuropäischen Wettbewerb nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten.»

«Nachdem die Unternehmen wirklich viele Hebel in Bewegung gesetzt haben, ihren Energieverbrauch zu optimieren, kommt mir die Empfehlung der Politik zum Fuel Switch, also dem Umstieg auf andere Energieträger, wie ein vergifteter Rat vor», sagte der IHK-Chef. Angesicht langwieriger Bearbeitungszeiten und Genehmigungsverfahren sowie ungeklärter Haftungsfragen müsse man das leider so deutlich sagen. «Wir sehen uns einer möglichen Notsituation mit Auswirkungen gegenüber, die über Produktions- und Logistikketten nicht nur einzelne Betriebe oder Branchen betreffen würde, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft mit ihren Beschäftigten.»

Nach der zehntägigen Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 ist am Donnerstagmorgen der Hochlauf der Gaslieferung durch die deutsch-russische Gaspipeline gestartet. Es fließe wieder Gas, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG der Deutschen Presse-Agentur.

© dpa
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