Energieversorger Eins prüft längere Nutzung von Braunkohle

24.06.2022 Das Chemnitzer Braunkohlekraftwerk gilt als größter Emittent von klimaschädlichem CO2 in der Region. Deswegen wird seit Jahren ein Umstieg auf Gas forciert. Doch das wird neuerdings knapper. Wird die riesige bunte Esse deswegen länger rauchen als zuletzt geplant?

Der im Rahmen eines Projektes des Malers Daniel Buren bemalte Schornstein des Heizkraftwerks Nord. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Drohende Engpässe in der Gasversorgung könnten das Chemnitzer Braunkohle-Kraftwerk auch nach 2023 am Netz halten. «Die Option einer Weiternutzung von Braunkohle über das Jahr 2023 hinaus ist aktuell in der Prüfung», sagte der Geschäftsführer des Energieversorgers Eins, Roland Warner, der Deutschen Presse-Agentur. Dies hänge von den weiteren Weichenstellungen auf Bundesebene ab. Derzeit fehle es an klaren Vorgaben, erklärte Warner. Dies betreffe mehrere Optionen wie auch eine etwaige Nutzung der Kraftwerksblöcke als künftige Reserve.

Die Bundesregierung hatte am Donnerstag wegen stark verringerter Gaslieferungen aus Russland die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Den Angaben nach ist die Versorgungssicherheit gegeben, die Lage aber angespannt. Der Notfallplan hat drei Stufen: Die aktuelle Alarmstufe ist die zweite, die dritte wäre die Notfallstufe. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will den Einsatz von Gas für Stromerzeugung und Industrie senken. Vorübergehend sollen Kohlekraftwerke Ersatz leisten, deren Tage eigentlich gezählt sind.

Gerade in Sachsen spielt die Nutzung von Braunkohle noch eine große Rolle in der Stromerzeugung mit einem Anteil von etwa 75 Prozent. Dazu tragen vor allem die Kraftwerke Lippendorf südlich von Leipzig und Boxberg in der Lausitz bei, die nach bisherigen Plänen bis Ende 2035 und Ende 2038 stillgeleget werden sollen.

In Chemnitz, mit rund 246.000 Einwohnern Sachsens drittgrößte Stadt, forciert das Unternehmen Eins seit Jahren den Umbau weg von der besonders klimaschädlichen Braunkohle. Dazu werden die Kohleblöcke des Heizkraftwerks durch gasbetriebene Motorenkraftwerke ersetzt. Sie sollen den Kohlendioxid-Ausstoß um 60 Prozent verringern und ungeachtet der jüngsten Entwicklungen am Gasmarkt bis Jahresende ans Netz gehen.

«Am Bau und der Inbetriebnahme unserer Gasmotorenkraftwerke halten wir fest», betonte Warner. Angesichts der neuen Rahmenbedingungen werde nun aber verstärkt über Ergänzungen durch andere Technologien nachgedacht. Geprüft würden der Bau eines Abfall-Heizkraftwerkes sowie eines Kraftwerks für Holzhackschnitzel. «Beide Projekte würden unsere Unabhängigkeit vom Medium Gas deutlich stärken.» Dazu veranstaltet das Unternehmen am Samstag ein Energieforum mit Podiumsdiskussion und Workshops.

Eins ist mehrheitlich in kommunaler Hand und beliefert nach eigenen Angaben rund 400.000 Haushalte und Gewerbebetriebe mit Erdgas, Strom, Internet, Wärme und Wasser. Dabei spielt bisher das Heizkraftwerk Nord in Chemnitz eine zentrale Rolle. Dort wird Braunkohle verfeuert und so Strom und Wärme erzeugt. Dabei bläst es jährlich knapp eine Million Tonnen CO2 in die Luft und gilt damit als größter Emittent des klimaschädlichen Gases in der Region.

© dpa

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