Unternehmen gehen für Saison-Arbeitskräfte weite Wege

02.07.2022 Saison-Arbeitskräfte sind bei der Obsternte oder im Gastgewerbe zunehmend unverzichtbar. Sie sind aber immer schwerer zu bekommen. Deshalb suchen die Unternehmen auch in weit entfernten Ländern.

Auf einer Tafel vor einem Restaurant wird nach Mitarbeitern für den Service- und Küchenbereich gesucht. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Bei der Anwerbung von Saisonkräften gehen sächsische Unternehmen neue und auch immer weitere Wege. «Wir unterstützen jetzt auch als Verband mit Aktionen die Anwerbung von Arbeitskräften vor allem in den Grenzgebieten zu Tschechien und Polen», sagte der Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Sachsen, Axel Klein. Aber auch unter Ukrainern und in Vietnam werde nach Arbeitskräften gesucht. Die Obstbauern sehen sich laut dem Geschäftsführer des Landesverbandes «Sächsisches Obst», Udo Jentzsch, mittlerweile auch in Ländern wie Moldawien, Georgien oder Usbekistan nach Helfern um, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Verbänden.

Die Bundesagentur für Arbeit vermittelt und berät laut der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung bei der Anwerbung von Saisonkräften für die Landwirtschaft. Aktuell bestünden Vermittlungsabsprachen mit Georgien sowie Moldawien, hieß es. Auf Grundlage dieser Absprachen hätten in diesem Jahr bisher 218 über die Bundesagentur vermittelte Saisonkräfte aus diesen beiden Ländern ihre Arbeit in deutschen Landwirtschaftsbetrieben aufgenommen. Im vergangenen Jahr seien es allein aus Georgien 283 gewesen. Zudem könnten Arbeitgeber georgische Saisonkräfte, die schon im Vorjahr in Deutschland gearbeitet hätten, jetzt auch direkt anfordern.

«Die Anwerbung von Arbeitskräften ist für das Gastgewerbe längst kein Saisonproblem mehr», sagte Klein. Während der Corona-Pandemie seien viele Arbeitskräfte abgewandert. Zwar seien auch viele in den alten Job zurückgekehrt. «Aber es sind zu wenige.» Es gelte eine Lücke von etwa 2000 bis 3000 fehlenden Mitarbeitern zu schließen. Die Unternehmen müssten bei der Anwerbung neuer Kollegen immer bessere Angebote machen. Das betreffe unter anderem deren Unterbringung, die Kinderbetreuung und auch die Karrierechancen sowie die Bezahlung. Selbst bei den Sprachkenntnissen würden Abstriche gemacht. «Früher waren ausreichende deutsche Sprachkenntnisse Bedingung», sagte Klein. Jetzt werde der Spracherwerb hier nachgeholt.

Das Unternehmen Rank und Büttig betreibt in Dresden sechs Cafés und Restaurants mit etwa 250 Mitarbeitern und Restaurants. «Wir machen die marktübliche Akquise, suchen unter anderem auf einschlägigen Internetportalen, regional wie auch europaweit nach Mitarbeitern und werben auf Plakaten in Straßenbahnen», sagte Unternehmenssprecher Felix Posselt. Auch die sozialen Netzwerke würden genutzt. Den Bewerbern würden zeitweise Apartments zur Verfügung gestellt.

«Im Augenblick sieht es mit den Helfern gar nicht schlecht aus», sagte Jentzsch vom Landesverband «Sächsisches Obst». Zur Erdbeerernte seien alle angeworbenen Arbeitskräfte angereist. Bei Früchten, «die oben geerntet werden» wie etwa Kirschen, gebe es ohnehin weniger Probleme. Die ukrainischen Studenten hätten in dieser Saison gefehlt, die seien in den vergangenen Jahren eine große Hilfe gewesen. Die Anwerbung von Arbeitskräften in Moldawien, Georgien oder Usbekistan laufe über Vermittler.

«Der Spargel- und Beerenobstanbau wäre ohne die Saisonarbeitskräfte nicht möglich» sagte Geschäftsführer Frank Saalfeld vom Verband der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer. «Das gilt vor allem für die Zeit von März bis Juli, denn die Erntezeit von Spargel und Erdbeeren ist besonders arbeitsintensiv.» Bei der Spargelernte seien auch deshalb genug Helfer da gewesen, weil die Spargelanbauer wegen billiger Importware bei den Discountern ihre Ernte deutlich zurückgefahren haben und nicht mehr so viele Arbeitskräfte gebraucht wurden. Bei den Erdbeeren hätten zwar viele Pflückerinnen wegen drohender Sozialversicherungsabgaben und dem Hinweis auf bessere Verdienstmöglichkeiten in Italien, Schweden oder den Niederlanden ihre Vorverträge gekündigt. Aber dann habe sich dort das gleiche Szenario wie beim Spargel abgespielt.

© dpa

Weitere News

Top News

Champions league

Supercup: Wunderreise vorbei: Frankfurt verliert gegen Real Madrid

Tv & kino

Featured: Nope: Das Ende und die Bedeutung des Sci-Fi-Horrors erklärt

Tv & kino

Hollywood: Johnny Depp als Ludwig XV. vor der Filmkamera

Tv & kino

RBB-Affäre: Unmut über mögliche Abfindung für Schlesinger

Internet news & surftipps

Wegen Streit mit Twitter: Musk verkauft so viele Tesla-Aktien wie noch nie

Internet news & surftipps

Kriminalität: BSI warnt vor Einsatz unsicherer Funk-Türschlösser

Job & geld

Arbeitsrecht: Nach Urlaub in Quarantäne: Wann Beschäftigten Lohn zusteht

Das beste netz deutschlands

Erkunden und Knobeln : «Escape Academy»: Ein kniffliges Escape-Room-Abenteuer

Empfehlungen der Redaktion

Regional sachsen

Agrar: Erdbeersaison in Sachsen eröffnet

Regional berlin & brandenburg

Landwirtschaft: 40 Hektar mehr Fläche in Brandenburg für Erdbeeren

Regional berlin & brandenburg

Pandemiefolgen: Betriebe kämpfen mit Saison- und Fachkräftemangel

Regional sachsen

Landwirtschaft: Ukraine-Krieg sorgt für Unsicherheit bei Landwirten

Regional thüringen

Arbeitsmarkt: Saisonkräfte: Zwischen Personalmangel und weniger Bedarf

Regional mecklenburg vorpommern

Landwirtschaft: Spargelernte hat in MV begonnen: Noch geringe Mengen

Regional nordrhein westfalen

Agrar: Sparen bei Spargel: Anbauer leiden unter Kaufzurückhaltung

Regional baden württemberg

Agrar: Frühes Spargel-Ende: Bauern reagieren auf Einbußen