Herbstaufschwung am Arbeitsmarkt nur mit angezogener Bremse

Das Ende der Urlaubszeit und der Beginn des Ausbildungsjahres lassen gewöhnlich die Arbeitslosigkeit sinken. Doch die Herbstbelebung am Arbeitsmarkt fällt bisher eher mau aus. Die aktuellen Krisen lassen viele Firmen bei Neueinstellungen vorsichtig sein.
Licht brennt in den Räumen eines Bürokogebäudes. © Andreas Arnold/dpa/Symbolbild

Die wachsende Verunsicherung in weiten Teilen der Wirtschaft bremst den üblichen Herbstaufschwung am Arbeitsmarkt. «Nie haben die sächsischen Unternehmen in einem September so wenige neue Stellen gemeldet wie in diesem Jahr», sagte Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, am Freitag in Chemnitz. Die Arbeitslosigkeit ist nur leicht gesunken: um knapp 2000 oder 1,6 Prozent auf rund 121 500 Menschen. Die Arbeitslosenquote ging von 5,9 Prozent im August auf nun 5,8 Prozent zurück.

Üblicherweise sinkt die Arbeitslosigkeit nach der Ferien- und Urlaubszeit, weil dann viele junge Menschen eine Ausbildung oder ein Studium beginnen und Unternehmen verstärkt einstellen. Es bleibe spannend, ob die Herbstbelebung in den nächsten Monaten anhalte und wie stark sie ausfalle, erklärte Hansen. Es gebe viele Unsicherheitsfaktoren für Unternehmen etwa bei Energiepreisen und Lieferketten. Für die Jugendlichen sehe er weniger Probleme, sie würden den Weg in Ausbildung und Studium sicher finden. «Nachwuchs wird gebraucht allerorten.»

Im Vergleich zum Vorjahr hat Sachsen derzeit wieder mit einer höheren Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Im September 2021 lag die Zahl um 4,5 Prozent niedriger. Das begründen die Arbeitsmarktexperten auch mit der Vielzahl ukrainischer Kriegsflüchtlinge, die in Sachsen Zuflucht gefunden haben. Knapp 11.700 Ukrainer seien hierzulande arbeitslos gemeldet, hieß es.

Seit dem Frühjahr wurden etwa 900 Ukrainerinnen und Ukrainer in Arbeit vermittelt, wie Hansen erläuterte. Die größten Herausforderungen hierbei sei die Organisation der Kinderbetreuung sowie der Spracherwerb. Daran werde gearbeitet. Insgesamt liegen den Arbeitsagenturen in Sachsen derzeit Meldungen über etwa 45.000 Stellen vor, die zu besetzen seien.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte Bund und Land auf, die angekündigten Entlastungen, insbesondere die Gaspreisbremse, rasch umzusetzen. «Unsicherheit ist Gift für den Arbeitsmarkt», erklärte Landeschef Markus Schlimbach. Er rief die Unternehmen auf, alle zur Verfügung stehenden Instrumente wie Kurzarbeit zu nutzen, um ihre Fachkräfte zu halten. Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) verwies auf einen leichten Anstieg bei der Nachfrage nach Kurzarbeit. Die sei ein Frühindikator für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Regional ist die Arbeitslosigkeit in Sachsen unterschiedlich stark. Die Quoten schwanken zwischen 4,5 Prozent im Erzgebirgskreis und 7,6 Prozent im Landkreis Görlitz. Stichtag der Erhebung war der 12. September.

© dpa
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