Sachsens Winzer vor Weinlese: Weniger Erträge erwartet

Sachsen zählt zu Deutschlands kleinsten Weinanbaugebieten. Die Trockenheit fordert die Winzer heraus. Sie rechnen mit weniger Ertrag - einige Trauben lassen aber auf beste Qualität hoffen.
Trauben der Rotweinsorte Regent hängen an einem Rebstock. © Robert Michael/dpa/Archivbild

Im sächsischen Elbtal zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz hat die Weinlese begonnen. Den Auftakt machte am Donnerstag das Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul mit den ersten Solaris-Trauben für den Federweißen. Nach Angaben des Weinbauverbandes Sachsen sind diese Früchte auch diesmal etwa eine Woche früher Ende August reif. Vorsitzender Felix Hößelbarth geht in diesem Jahr jedoch von 10 bis 20 Prozent weniger Ertrag im Vergleich zum Vorjahr aus. «Wir werden nicht 2,5 Millionen Liter haben, sondern eher 2 oder 2,2 Millionen Liter», sagte er.

«Die ganz frühen Sorten gehen auf die Erntereife zu», sagte Hößelbarth. Im Talkessel auf den leichteren Böden beginne die Lese eineinhalb bis eine Woche eher als auf den schweren Böden hinter Meißen. «Also Ende nächster Woche, Anfang übernächster Woche.» Auch 2018/2019 sei das schon so gewesen. «Mitte Oktober ist dann der größte Teil der Ernte durch.»

Das Weinjahr 2022 erinnere an die Jahre 2003, 2018 und 2019, «die uns ebenfalls mit einer lang anhaltenden Trockenheit und Hitze im Frühjahr und Sommer vor Herausforderungen gestellt haben, später dafür jedoch mit Spitzenrotweinen belohnten», sagte Schloss Wackerbarths Weinbauleiter Till Neumeister. Temperatur und Sonnenscheindauer in den ersten sieben Monaten 2022 seien vergleichbar mit diesen Jahren, der Niederschlag aber nochmal deutlich niedriger.

Dank gezielter Bewässerung etwa in Steillagen und Junganlagen, individueller Bodenbearbeitung und einer aufwendigeren Pflege sind die Reben gut durchs bisherige Weinjahr gekommen, wie Wackerbarth-Sprecher Martin Junge sagte. Maßgabe dabei sei, «nur so wenig zu bewässern, wie unbedingt nötig ist», damit die Reben Extremwetter gut überstehen.

«Die Trauben sind gesund und in einem guten Zustand», erklärte Neumeister. Für eine Prognose zur Qualität des aktuellen Jahrgangs ist es aber auch bei Schloss Wackerbarth zu früh. Entscheidend seien die kommenden Wochen. «Der Herbst macht das Weinjahr.» Bis die Früchte im Keller seien, könne noch viel passieren. Potenzial für Spitzenrotweine aus Sachsen sei da, «es kommt darauf an, das zu veredeln». Beim Weißwein ist das nach Angaben von Junge von der Lage abhängig. «Wir wünschen uns einen Goldenen Herbst, aber keine Wetterextreme wie Starkregen oder Hagel.»

Mit rund 500 Hektar Rebfläche einschließlich kleiner Flächen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt zählt Sachsen zu den kleinsten der 13 deutschen Weinanbaugebiete. In den nächsten Wochen werden hier auch Goldriesling, Weißburgunder, Kerner, Dornfelder oder Spätburgunder geerntet - sowie am Ende Traminer und Riesling.

© dpa
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