Experte: Frauen im Fußball immer noch benachteiligt

Frauenfußball steht zurzeit wegen der EM im Rampenlicht. Doch ohne Großevents haben es Kickerinnen immer noch schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen, meint ein Historiker, der gerade ein Buch zur Geschichte des Frauenfußballs herausgebracht hat.
Der Saarbrücker Professor Dietmar Hüser. © Privat/Dietmar Hüser/dpa

Frauenfußball hat nach der Analyse eines Zeithistorikers über die vergangenen Jahre deutlich an Anerkennung gewonnen. «In den letzten zehn bis 20 Jahren ist Frauenfußball viel mehr öffentlich und sportlich präsent, als das vorher der Fall war», sagte Professor Dietmar Hüser von der Universität des Saarlandes der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Von einer Gleichwertigkeit zum Männerfußball aber sei Frauenfußball europaweit noch «ein gutes Stück weit entfernt».

Vergangene Woche ist ein von Hüser herausgegebenes Buch «Frauen am Ball» zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland, Frankreich und Europa erschienen. Darin zeichnen Autoren verschiedener Beiträge «den steinigen Weg des Frauenfußballs» bis heute nach.

Neben Großevents wie der aktuellen Europameisterschaft sei es schwierig, «dauerhaft Aufmerksamkeit für Frauenfußball zu bekommen», sagte Hüser. Das Problem seien nicht die Nationalmannschaften, sondern der Ligabetrieb. In der deutschen Frauen-Bundesliga gebe es im Schnitt pro Spiel weniger als 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Plätzen. Bei den Männern seien es mehr als 45 000.

Auch wenn sich bei den Frauen schon viel verändert habe «in Richtung Anerkennung und Aufmerksamkeit», gebe es nach wie vor «strukturelle Benachteiligungen», sagte Hüser. Frauen seien überall in Europa auf der obersten Ebene der Verbände und Vereine weiterhin «unfassbar unterrepräsentiert». Zudem kämen die «niedrigeren Gehälter im Spitzensport» sowie eine «begrenztere Förderpraxis im Breitenbereich». Auch bei Sportplätzen und Umkleiden merke man: «Dass Frauen in Fußballvereinen am Ende doch weiterhin in männlich geprägten Vereinen unterwegs sind.»

Bis 1970 hatte es ein Verbot für Frauen gegeben, Fußball in vereins- und verbandsmäßig organisierten Strukturen zu spielen. Der Deutsche Fußball-Bund wie auch andere Verbände in Europa hoben es 1970 auf. «Der eigentliche Boom des Frauenfußballs nach dem Zweiten Weltkrieg war aber ein Boom der 1960er Jahre. In einer Zeit, in der die Frauen offiziell noch gar nicht in Vereinen spielen durften», sagte er. Es sei «dieser Druck» gewesen, der dann zum offiziellen Spielbetrieb geführt habe.

Fahrt aufgenommen habe der Frauenfußball dann in den 1990er und 2000er Jahren. «Und in den letzten Jahren ist richtig viel passiert.» Das stimme ihn optimistisch, «dass die Dinge sich weiter verändern». Das Leistungslevel bei den Frauen sei «enorm», sagte der Professor. «Ich verstehe nicht, dass in der Frauenfußball-Bundesliga so wenig Leute in die Stadien gehen. Das Spiel ist natürlich ein bisschen anders als das der Männer, aber nicht weniger attraktiv.»

An diesem Mittwoch spielt die deutsche Frauen-Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Frankreich. Das Endspiel der EM wird am 31. Juli im Wembley-Stadion von London ausgetragen.

© dpa
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