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Wie läuft der digitale Unterricht an den Schulen?

Der «Digitalpakt 2.0» soll kommen. Für einen digitalen Unterricht in den rheinland-pfälzischen Schulen ist neben neuen Notebooks und Tablets aber viel mehr nötig, lautet die vielstimmige Kritik.
Internetanbindung
Eine 7-jährige Erstklässlerin sitzt vor einem iPad. © Guido Kirchner/dpa/Archivbild

Schlechte oder fehlende WLAN-Netze, zu wenig technische Hilfe in den Schulen und noch nicht ausreichend fitte Lehrkräfte: Auch wenn die Ausstattung der rheinland-pfälzischen Schulen mit Laptops und Tablets sehr voran geht, ist die Mängelliste von Schülerinnen und Schülern sowie den Bildungsverbänden lang.

«Wir haben WLAN in unseren Schulen, aber ehrlich gesagt, es ist oft ein Glücksspiel», klagte Landesschülervertreter Pascal Groothuis. In manchen Schulen gebe es akzeptable Internetanbindung mit 100 Megabit pro Sekunde. «Anderswo ist das WLAN so schnell wie eine Schnecke im Winterschlaf.» Wenn zu viele Schülerinnen und Schüler gleichzeitig online seien, breche die Verbindung ab. «Es ist an der Zeit, unsere WLAN-Infrastruktur in den Schulen auf das Niveau des 21. Jahrhunderts zu bringen.»

Ähnlich sei die Situation bei den digitalen Endgeräten: Einige Schulen gäben Tablets aus. Da diese aber oftmals zu langsam seien, benutzten in der Oberstufe die meisten Jugendlichen ihre eigenen Geräte, sagte Groothuis der Deutschen Presse-Agentur. Whiteboards und digitale Tafeln gebe es an manchen Schulen. Aber die Lehrkräfte kämpften trotz angebotener Schulungen immer noch damit, diese zu benutzen. «Es ist an der Zeit, dass wir sicherstellen, dass Lehrerinnen und Lehrer nicht länger völlig verzweifelt vor dieser Technologie stehen, sondern sie effektiv nutzen können.»

In vielen Schulen im Land liege bereits ein Glasfaseranschluss, sagte Landeselternsprecherin Kirsten Hillert der dpa. Dieser sei aber oft nicht im gesamten Gebäude verteilt. WLAN funktioniere oftmals nur in bestimmten Räumen der Schule. Die Ausstattung der Schulen mit Smartboards, Laptops und Tablets sei besser geworden, aber noch nicht ausreichend. Deshalb wäre der «Digitalpakt 2.0» der Bundesregierung sehr wichtig.

Es gebe auch noch viele Lehrkräfte, die nicht so genau wüssten, wie sie die Digitalisierung in ihren Unterricht integrieren sollten, berichtete die Landeselternsprecherin. Die Lehrkräfte müssten mehr für eine echte Digitalisierung begeistert werden. Dazu seien viele Schulungen nötig. Zudem seien die Lehrkräfte keine Informatiker oder Digitalisierungsfachleute. Es müsse mehr technische Unterstützung geben und regelmäßige Hilfe bei Problemen für die technische Anwendung.

Nach Einschätzung von GEW-Landeschef Klaus-Peter Hammer sind die Schulen im Land im Prinzip gut ausgestattet. Bei der Internetanbindung gebe es regional aber deutliche Unterschiede. Die vorhandenen WLAN-Anschlüsse hätten teils deutlich zu wenig Leistung, damit die Schulen gut digital arbeiten können.

Bei der Anwendungsbetreuung gebe es zudem noch großen Bedarf, sagte der Gewerkschafter der dpa. Es gehe nicht nur darum, Technik und Geräte bereitzustellen. Gerade wenn etwas nicht laufe, müssten Experten vor Ort sein, um etwa ausgefallene Bildschirme oder Tastaturen wieder zum Laufen zu bringen. Deswegen sei auch ein weiterer Digitalpakt des Bundes notwendig, um genügend Geld für entsprechendes professionelles Personal zur Verfügung zu stellen.

«Mit der WLAN-Ausstattung an den Schulen kann man größtenteils zufrieden sein», berichtete Matthias Fehl, Sprecher des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Knapp 80 Prozent der Schulleitungen gäben an, dass in allen Klassen- und Fachräumen Breitbandinternet und WLAN vorhanden seien. Auch die Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten für die Schülerschaft und die Lehrkräfte sei ausgebaut worden, knapp 80 Prozent der Lehrkräfte hätten Zugriff auf ein Dienstgerät. Ebenso seien an knapp 80 Prozent der Schulen Klassensätze an mobilen Endgeräten vorhanden, jedoch nicht für alle Klassen.

Eine gute technische Ausstattung bedeutet aber noch keine gelungene Digitalisierung, sagte der VBE-Sprecher der dpa. Nachgebessert werden müsse bei der Verwaltung der Endgeräte. Ein besser ausgebauter Support sei nötig, damit die Wartung der Endgeräte gewährleistet sei und eventuelle technische Probleme zeitnah und unkompliziert behoben werden könnten. Auch müsse das Thema Digitalisierung mehr Raum in der Ausbildung der Lehrkräfte bekommen, damit diese die zur Verfügung stehenden Mittel pädagogisch sinnvoll und gewinnbringend im Unterricht einsetzen könnten.

Cornelia Schwartz, Landesvorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, warnte dagegen vor einem allzu frühen Einsatz digitaler Medien in der Schule. Aus pädagogisch-didaktischer Sicht wäre das geradezu fatal. «Als Philologenverband betonen wir die Notwendigkeit, digitale Geräte ab einer bestimmten Klassenstufe verwenden zu können.» So könnten etwa Tabellenkalkulationsprogramme immer mal wieder gewinnbringend zum Beispiel im Mathematikunterricht eingesetzt werden.

Gleichzeitig gehörten auch in höheren Klassenstufen neben einem sinnvollen Medieneinsatz unbedingt auch längere Phasen ohne digitale Medien in den Unterricht, betonte die Landesvorsitzende. «Unterricht lebt sowohl vom Medien- als auch vom Methodenwechsel und vom eigenständigen Denken der Schülerinnen und Schüler - mit und ohne Tablet.» In Kitas, Kindergärten und Grundschulen sollten keine digitalen Medien eingesetzt werden. «Hier steht das Erlernen anderer Fertigkeiten im Vordergrund, die wir hinterher dringend benötigen.»

Nach Angaben von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) verfügen mittlerweile nahezu alle Schulen in Rheinland-Pfalz über eine WLAN-Basisausstattung. 86 Prozent aller Unterrichtsräume seien mit WLAN abgedeckt. Die Gesamtzahl der von der öffentlichen Hand bereitgestellten Endgeräte - PCs, Notebooks, Tablets - für Schüler und Lehrkräfte liege zum Schuljahr 2023/24 bei fast 236.000. Bei den Lehrkräften sei mit rund 46.000 Geräten eine flächendeckende Versorgung mit Endgeräten gegeben.

© dpa ⁄ Bernd Glebe, dpa
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