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Weißer Ring befasst sich mit Gewalt an Männern

Männer als Betroffene von Partnerschaft-Gewalt: Das Thema ist nach Einschätzung des Weißen Rings mit viel Scham, Schweigen und Verdrängen verbunden. Die Organisation will den Männern Mut machen.
Weißer Ring
Kugelschreiber liegen bei der Pressekonferenz zur Jahresbilanz des Verbands Weißer Ring. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Beim Schubsen des Partners ist nach Erfahrungen eines Fachmanns für häusliche Gewalt die Schwelle zur Eskalationsspirale erreicht und eine klare Grenzsetzung notwendig. Bernd Seifried vom Mainzer Verein «Safe!» berät im Rahmen eines vor allem vom rheinland-pfälzischen Familienministerium finanzierten Pilotprojekts seit Mitte 2021 betroffene Männer. Zwischen 30 und 40 meldeten sich bisher pro Jahr, berichtete er am Donnerstag in Mainz. «Das Dunkelfeld ist so hoch, dass unsere Zahlen nicht den wirklichen Bedarf widerspiegeln.» Die meisten seien zwischen 30 und 40 Jahre alt, es seien aber auch ältere betroffen.

«Mehr als jeder zweite Mann in Deutschland war in seinem Leben schon einmal von Gewalt in Partnerschaften betroffen.» Die Vorsitzende des Landesverbands des Weißen Rings, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, verweist auf dieses Ergebnis einer von ihrer Hilfsorganisation mitfinanzierten repräsentativen Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und will zum Tag der Kriminalitätsopfer an diesem Freitag auf das Thema aufmerksam machen. Dabei sei der Gewaltbegriff weit gefasst worden, in 40 Prozent der Fälle gehe es um psychische Gewalt. Die Zerstörung persönlicher Sachen, die Kontrolle des Partners und massive Beleidigungen gehörten auch zur Gewalt.

Gewalt gegen Männer zähle zwar nicht zu den häufigsten Delikten, der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge seien aber knapp 20 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt Männer, sagte Seifried. Scham und falscher Stolz führten oft zu Schweigen, Verdrängen und zum Aushalten unhaltbarer Zustände, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Mit dem Schwerpunktthema solle die Gesellschaft sensibilisiert werden. «Wir wollen betroffenen Männern Mut machen.»

Nur in wenigen Fällen gebe es eine klare Opfer-Täter-Konstellation, sagte Seifried. Meist fänden beide Partner Strategien, den anderen unter Druck zu setzen. Dazu gehörten neben Gewalt auch Kontrolle und dauernde Erniedrigungen und Beleidigungen. Gewalt-Beziehungen, die über Jahre ausgehalten würden, seien auch für die Kinder zerstörerisch.

Nur knapp acht Prozent der männlichen Opfer hätten schon Hilfsangebote angenommen, zitiert Bätzing-Lichtenthäler aus der Studie. Viele Männer gingen immer noch von einem Rollenverständnis aus, bei dem sie Stärke zeigen, die Gewalt aushalten oder das selbst regeln müssten, sagte Seifried. «Die Betroffenen sind schon sehr froh, wenn sie ernst genommen werden.» Der Fachmann ist überzeugt: «Die Schamschwelle zu senken, ist das Wichtigste.»

Schutzräume für Männer analog zu Frauenhäusern gebe es in Rheinland-Pfalz noch gar nicht, bundesweit seien es gerade einmal zwölf, häufig auch nur Wohnungen, sagte Seifried. Betroffene Männer könnten sich auch anonym an die Beratungsstelle in Mainz wenden oder bei der bundesweiten Telefonhotline (0800 1239900) Rat suchen.

Drei Viertel der Hilfesuchenden des Weißen Rings seien Frauen, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Der Landesverband habe im vergangenen Jahr Opfern in 745 Fällen materielle Hilfe angeboten. Das waren 127 mehr als im Jahr zuvor und so viele wie seit mindestens neun Jahren nicht mehr. «Das heißt erst mal aber nicht, dass es mehr Opfer gab, sondern dass mehr Opfer den Weißen Ring gefunden haben.» Dafür spreche auch eine deutliche Ausweitung der Info-Angebote, Vorträge sowie der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit innerhalb eines Jahres.

Körperverletzung (36 Prozent) mit dem Schwerpunkt häusliche Gewalt sei der häufigste Grund, weshalb sich vor allem Frauen an die Hilfsorganisation für die Opfer von Gewalt wendeten, sagte Bätzing-Lichtenthäler, die auch SPD-Fraktionschefin im Landtag ist. Sexualdelikte standen an zweiter Stelle (29 Prozent), gefolgt von Stalking/Nachstellung (9 Prozent).

Rund 277 000 Euro seien 2023 ausgezahlt worden, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Das waren fast 46 000 Euro mehr als 2022, aber rund 1400 Euro weniger als 2020. Mit dem Geld wurden 573 Beratungsschecks für Rechtsanwälte ausgestellt sowie 180 Soforthilfen in Höhe von bis zu 300 Euro ausgezahlt. Für traumatisierte Opfer von Gewalt wurden 100 psychologische Beratungschecks finanziert. Dazu kamen Opferhilfen, Rechtshilfen und einige wenige Erholungsmaßnahmen für Familien.

© dpa
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