Dreyer ist «mordsstolz» auf Schüler in Rheinland-Pfalz

In vielen Schulklassen in Rheinland-Pfalz sind ukrainische Kinder und Jugendliche bereits integriert - auch wenn es mit der Verständigung noch nicht immer klappt. Die Herausforderungen bleiben groß.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (M, SPD) im Auguste-Viktoria-Gymnasium. © Birgit Reichert/dpa

Es sind bewegende Worte, die die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Klassenraum hört. Da ist Daniel (11), der vor zwei Monaten aus der Ukraine nach Trier kam. Damals konnte er kein Wort Deutsch, jetzt verständigt er sich schon ganz gut. «Ich bin gerne hier», sagt er. Und sein Tischnachbar Lion (12) meint: «Er hat schon Freunde gefunden.» Eine Schülerin erzählt: «Wir haben sie alle liebevoll aufgenommen. Wir kommen sehr gut klar. Wir haben sie sehr gerne.»

Dreyer zeigte sich am Freitag im Gespräch mit deutschen und ukrainischen Schülern am Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier beeindruckt: «Ich finde es sehr schön, dass ihr ein offenes Herz habt. Ihr tragt dazu bei, dass die Kinder hier gut ankommen.» Sie dankte den Schülern - und sagte mit Blick aufs Land: «Ich bin mordsstolz auf die Schüler in Rheinland-Pfalz, dass das so gut geht.»

Klar sei aber auch: «Die Herausforderungen sind riesig», sagte sie. Für Lehrer bedeute die Aufnahme «überdurchschnittliches Engagement». Und das Land tue, was es könne. «Wir haben inzwischen 70 ukrainische Lehrkräfte eingestellt, 51 nicht-ukrainische Sprachförderlehrer.» Aber es brauche noch mehr, man sei dabei, mehr Kräfte zu gewinnen. Das Land wolle zudem künftig verstärkt auf die Verteilung der Flüchtlinge achten und gemeinsam mit den Kommunen - wo möglich - auf eine gleichmäßigere Verteilung hinwirken.

Laut Integrationsministerium sind in Rheinland-Pfalz bislang mehr als 31 000 Menschen aus der Ukraine angekommen, darunter gut 13.000 Kinder und Jugendliche. Die Zahl der ukrainischen Kinder an Schulen in Rheinland-Pfalz ist mittlerweile auf mehr als 6000 gestiegen.

«Wir haben im Moment nicht die Frage nach Geld», sagte Dreyer. Kurz nach Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine stellte die Landesregierung rund 50 Millionen Euro für die Aufnahme von Flüchtlingen bereit. Jüngst kamen noch mal rund 96 Millionen Euro vom Bund dazu, die das Land zu zwei Dritteln an Kommunen und Kreise zur Versorgung der Flüchtlinge geben will.

«Das heißt, wir werden auch weiter Mittel zur Verfügung stellen, Lehrkräfte hoffentlich noch finden, damit wir die Schulen entsprechend unterstützen können», sagte Dreyer. Aber auch für die Bereitstellung anderer Dinge, die gebraucht würden - wie Computer - könnte das Geld genutzt werden.

Das Trierer Gymnasium hat 17 aus der Ukraine geflüchtete Kinder und Jugendliche aufgenommen und bietet für rund 50 Schüler auch anderer Schulen Deutschsprachkurse an. Rund 70 Prozent der ankommenden Kinder aus der Ukraine könnten kein Deutsch, berichtete eine Lehrerin. In der Regel besuchten die ukrainischen Kinder zwei bis drei Tage den Sprachunterricht, die andere Tage seien sie dann in «ihren» regulären Klassen.

«Das ist ein gutes System», sagte der zweite stellvertretende Schulleiter, Dieter Rose. Eine Herausforderung seien aber die Räumlichkeiten, bei denen man an Grenzen stoße. Zudem, betonte auch er, seien mehr Fachkräfte nötig. Und Lehrkräfte seien auch gefordert, weil das Leistungsniveau der Schüler teils stark schwanke. Die Schule zählt derzeit rund 900 Schüler.

Es gibt auch Schüler-Lotsen zur Unterstützung von neu Ankommenden an der Trierer Schule oder Aktionen, wo die Kinder sich beim Spielen kennenlernen. Und wenn es mit der Verständigung auf Deutsch nicht klappt, wird es auf Englisch versucht oder zwei Ukrainer, die schon lange an der Schule sind, werden als Dolmetscher gerufen. Über die Flucht oder die Lage in der Heimat werde nicht gesprochen, sagt eine Schülerin. «Wir versuchen das Thema außen vor zu lassen.»

Dennoch ist es präsent. So sagt die 15-jährige Sofiia, die vor rund zwei Monaten aus dem Westen der Ukraine nach Deutschland kam: «Ich möchte gerne wieder nach Hause gehen.»

© dpa
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