Trockenheit lässt Störche früher in den Süden ziehen

Mehr als 20 Jahre galt der Storchenbestand in Rheinland-Pfalz als erloschen. Seit 1997 wird der Vogel wieder hier angesiedelt - wie sich die Population in diesem Jahr entwickelt hat, lässt sich noch nicht abschließend sagen.
Mit weit gestreckten Schwingen setzt ein Weißstorch zum Landeanflug an. © Boris Roessler/dpa/Archiv

Nach einem heißen Sommer in Rheinland-Pfalz haben sich die Störche auf den Weg ins Winterquartier aufgemacht. «Alle Brutpaare sind mittlerweile in den Süden geflogen», sagte Jessica Lehmann, Leiterin des rheinland-pfälzischen Storchenzentrums in Bornheim, der Deutschen Presse-Agentur. Dem Augenschein nach seien viele Tiere früher loszogen als bisher. «Wir gehen davon aus, dass dies vor allem an der Trockenheit in diesem Sommer lag.» Den Funksendern zufolge, mit denen die Tiere ausgestattet sind, sind die Vögel inzwischen unter anderem im Spanien oder in Mauretanien angekommen.

In Rheinland-Pfalz gibt es kaum Störche, die dort überwintern. «Hier handelt es sich um Einzelfälle, die aufgrund verschiedener Faktoren nicht in den Süden ziehen können», sagte Lehmann. Zwar komme es immer wieder vor, dass Störche bis in den Winter hinein im Bundesland beobachtet werden könnten. «Das lässt jedoch keine Rückschlüsse zu, dass der Storch ein Nichtzieher ist. Bei kalter Witterung oder plötzlicher Kälte können Störche schnell ins Warme fliegen und einige Tage bleiben, um zurückzukehren und nach ihrem Nest zu schauen.»

Einige Tiere flögen Strecken bis tief nach Afrika hinein. «Anderen Tieren reichen einige 100 Kilometer nach Frankreich», sagte Lehmann.

Eine abschließende Bilanz für die Storchenpopulation in Rheinland-Pfalz 2022 liegt noch nicht vor. «Da die Beringung ehrenamtlich erfolgt, muss immer gewartet werden, bis alle gemeldet haben.» Aus vorläufigen Zahlen lasse sich aber ein schwächerer Anstieg der Storchenpopulation ablesen. «Das überrascht nicht wirklich. Irgendwann gibt es ein ökologisches Gleichgewicht, wenn die Natur nicht noch mehr Störche ernährt», betonte Lehmann.

Da die Störche in Rheinland-Pfalz allgemein nicht gefüttert würden, seien sie von der Nahrungssuche abhängig. «Es gab 2022 durchschnittlich weniger Storchenjunge pro Nest, was wohl auch an der Witterung lag. Es war sehr lange sehr trocken, so dass Wiesen, Bach- und Flussauen austrockneten und als Nahrungsquelle der Störche nicht mehr zur Verfügung standen», erklärte die Zentrumschefin.

Zudem siedelten Störche neu auch in Gebieten, in denen sie bisher nicht oder kaum vorkamen. «So wurden vermehrt Störche im Hunsrück und in der Westpfalz gesichtet», sagte Lehmann.

Der Storchenbestand in Rheinland-Pfalz galt von 1974 bis 1996 als erloschen. 1997 startete ein Wiederansiedlungsprojekt. Träger des Zentrums in der regionalen «Storchen-Hauptstadt» Bornheim ist die vor mehr als 20 Jahren ins Leben gerufene Aktion PfalzStorch, die eine zentrale Rolle bei der Wiederansiedlung der Klapperschnäbel spielt.

© dpa
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