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Studierendenverband als Netzwerk für junge Juden

Die Gründung des Studierendenverbands Hinenu ist keine Reaktion auf den Angriff der Hamas auf Israel. Die Ziele der vor einem Jahr angestoßenen Initiative für junge Juden sind jedoch hoch aktuell.
Studierendenverband als Anlaufstelle für junge Juden
Eine Frau hält die Karten eines Memory Spiels mit einem Davidstern sowie einer Menora in der Hand. © Christoph Soeder/dpa/Illustration

Mit dem Studierendenverband Hinenu soll ein Netzwerk für junge Juden in Rheinland-Pfalz und im Saarland gegründet werden. «Wir wollen aber nicht nur für Studierende, sondern für alle jungen Juden im Alter von 18 bis 35 Jahren eine Anlaufstelle sein», sagte Mitinitiator David Rosenberg der Deutschen Presse-Agentur anlässlich der Gründungsversammlung am Mittwoch im rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz. «Die einzige Voraussetzung zum Mitmachen ist, Jude zu sein.» Die Übersetzung für «Hinenu» aus dem Hebräischen laute «Hier sind wir».

Dem Verband gehe es darum, die jüdische Identität zu fördern sowie die Kultur und Religion zu vermitteln, berichtete der 27 Jahre alte Student. «Unsere Gründung ist keine Reaktion auf den Überfall der Hamas aus Israel», betonte Rosenberg. Die Planungen liefen bereits seit einem Jahr. Es habe bereits Treffen gegeben, über die sozialen Medien seien die bislang 15 Teilnehmer gut miteinander vernetzt. Er sehe aber deutlich mehr Potenzial an Interessenten.

Ziel des Studierendenverbands sei auch, zur Verständigung und Aufklärung beizutragen. Es müsse noch viel gegen Vorurteile gegen Juden und den Antisemitismus getan werden, sagte der Sohn einer Israelin. Dazu versuche er selber durch Vorträge in Schulen beizutragen. Er stelle sich offen etwa im Ethikunterricht den vielfältigen Meinungen der Kinder und Jugendlichen. Auch er sei schon mit Antisemitismus konfrontiert worden. Die Aufklärung gerade in der jungen Bevölkerung sei daher extrem wichtig.

Rosenberg verurteilte den Angriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas scharf. Israel sei jedoch nicht im Krieg mit der palästinensischen Bevölkerung, erklärte das Mitglied der jüdischen Gemeinde in Speyer. Dazwischen müsse klar unterschieden werden.

Mit der Gründungsveranstaltung geht es dem Studierendenverband darum, sich eine Satzung zu geben und einen Vorstand zu wählen. Rosenberg, der derzeit als Werkstudent im Mainzer Landtag im Einsatz ist und sich auch für die SPD engagiert, wird nach eigenen Angaben den Vorsitz für den Zusammenschluss in Rheinland-Pfalz und dem Saarland übernehmen. Ähnliche Studierendenverbände gibt es auch in anderen Bundesländern.

Diese jungen Menschen seien die Zukunft des jüdischen Daseins in Deutschland und Rheinland-Pfalz, sagte der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden, Avadislav Avadiev, bei der Veranstaltung im Landtag in Mainz. Er appellierte, bereits früh in den Schulen gegen Antisemitismus vorzugehen und im Dialog für Verständigung und Verständnis zwischen den Religionen zu werben.

Die rheinland-pfälzische Antisemitismusbeauftragte Monika Fuhr begrüßte die Gründung des Studierendenverbands. Damit bekämen die jungen Juden im Land eine starke Stimme und mehr Sichtbarkeit, sagte sie der dpa in Mainz. Sie werde der Gruppe als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen.

Der Landtag als Platz der Demokratie sei ein guter Ort für die Gründungsveranstaltung. Eine solche Vereinigung leiste einen wichtigen Beitrag für ein friedliches und verständnisvolles Zusammenleben im Land und sei damit gleichzeitig ein Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus, betonte Fuhr.

«Die Gründung des Studierendenverbandes setzt ein Zeichen dafür, dass jüdisches Leben untrennbar zu Rheinland-Pfalz gehört und dass wir uns alle für ein friedliches Zusammenleben einsetzen müssen», hob Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hervor. «Gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit ist es wichtig, dass junge jüdische Bürger und Bürgerinnen eine feste Anlaufstelle und ein Netzwerk für den Austausch haben.»

Landtagsvizepräsidentin Astrid Schmitt (SPD) verurteilte den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und in Rheinland-Pfalz scharf. Umso mehr sei es ein Lichtblick, wenn sich junge Menschen wie die Mitglieder des neu gegründeten Jüdischen Studierendenverbands nicht abschrecken ließen, sich zurückzögen oder versteckten, sondern sich ganz bewusst zusammenschlössen und Präsenz zeigten. Mit diesem Schritt übernehme der Verband Verantwortung für die Gesellschaft, sagte Schmitt im Landtag.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte den Angriff der Hamas zuvor ebenfalls mehrfach verurteilt und ausdrücklich das Existenzrecht Israels betont.

Seit dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel hat die Polizei in Rheinland-Pfalz bis Anfang November 58 Straftaten im Zusammenhang mit dem Krieg registriert. Schwerpunkt der Straftaten lag bei «Sachbeschädigungen, Volksverhetzungen sowie der Verletzung von Flaggen und Hoheitszeichen ausländischer Staaten».

In Rheinland-Pfalz bestehen nach Erkenntnissen der Verfassungsschutzbehörden bei etwa 35 Personen Anhaltspunkte für eine Nähe oder Zugehörigkeit zur Terrororganisation Hamas. Dabei seien auch Aktivitäten für Umfeld- und Tarnorganisationen der islamistischen Palästinenserorganisation berücksichtigt, teilte Innenminister Michael Ebling (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion in Mainz mit.

Die in Rheinland-Pfalz wohnhafte Hamas-Anhängerschaft sei bislang nicht mit gewalttätigen Aktivitäten in Erscheinung getreten. Das Tätigkeitsspektrum dieser Personen umfasse vor allem propalästinensische Propaganda- und Lobbyarbeit, die Festigung des Einflusses der Hamas auf die Palästinenser in Deutschland sowie die Teilnahme an Konferenzen im In- und Ausland, berichtete der Innenminister. Weiterhin lägen Anhaltspunkte für eine finanzielle Unterstützung der Hamas vor.

Die Landesregierung begrüße die Entscheidung von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), die Betätigung der Hamas und des palästinensischen Netzwerks Samidoun in Deutschland zu verbieten, erklärte Ebling. Konkrete Aktivitäten des Netzwerks oder Unterstützerorganisationen der Hamas in Rheinland-Pfalz seien der Landesregierung nicht bekannt.

Weiterhin würden alle Bestrebungen und Aktivitäten im Blick behalten, die gegen Israel gerichtet seien, um im gegebenen Fall dagegen vorzugehen, versicherte der Innenminister. Dazu gehöre vor allem der enge Informationsaustausch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder.

© dpa ⁄ Bernd Glebe, dpa
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