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Sorge um Wirtschaftsstandort in Rheinland-Pfalz

Der Verbandsmanager Tacke hat klare Vorstellungen, wie Betrieben im Land das Leben leichter gemacht werden könnte. Die politischen Entscheidungsträger nimmt er deutlich in die Pflicht.
Karsten Tacke
Karsten Tacke, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, im Gespräch mit der dpa. © Jörg Halisch/dpa

Die rheinland-pfälzischen Unternehmer sorgen sich um die wirtschaftliche Entwicklung im Land. «Ich will den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz nicht schlecht reden», sagte der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU), Karsten Tacke, in Mainz. Es sei aber zu sehen, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Rheinland-Pfalz langsamer als in anderen Bundesländern sowie Europa sei und das Investitionsvolumen der heimischen Firmen im Ausland dagegen sehr hoch.

Die Wirtschaftsleistung im Land ist in den ersten sechs Monaten des Jahres vergleichsweise stark zurückgegangen. Das Bruttoinlandsprodukt nahm laut Statistischem Landesamt preisbereinigt um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ab. Bundesweit sank es im selben Zeitraum um 0,3 Prozent. Rheinland-Pfalz liegt damit im Ländervergleich beim Wirtschaftswachstum auf dem letzten Platz.

«Das sind Alarmsignale, das hat nichts mit Schlechtreden zu tun», sagte Tacke der Deutschen Presse-Agentur. «Das spricht dafür, dass die Rahmenbedingungen für den Standort nicht die besten sind.» Diese Entwicklung hat nach Einschätzung des Hauptgeschäftsführers vor allem zwei Ursachen: Der Fachkräftemangel und die hohen Energiepreise.

«Jede Stunde zählt, wir haben ein Volumenproblem», mahnte Tacke. «Wir haben nicht nur einen Fachkräfte-, sondern auch einen Arbeitskräftemangel.» Deswegen seien Forderungen nach der Vier-Tage-Woche oder mehr Bildungsurlaub ohne Bezug zum betrieblichen Bedarf für die Unternehmen völlig indiskutabel. «In der jetzigen Situation sollten wir nicht über weniger, sondern über mehr Arbeit reden.» Sonst müsse es auch konkrete Vorschläge geben, wie das knappe Volumen an Arbeitskraft ausgeglichen werden könne.

Der DGB in Rheinland-Pfalz steht der Vier-Tage-Woche dagegen offen gegenüber. «Es kann eines von vielen Instrumenten sein, damit wir Arbeitszeiten haben, die zum Leben passen», hatte DGB-Chefin Susanne Wingertszahn gesagt. Wichtig sei für die Gewerkschaft aber, dass eine Vier-Tage-Woche nur mit Arbeitszeitverkürzung einhergehen könne.

Derzeit gibt es ein bundesweites Pilotprojekt, bei dem Arbeitgeber das Modell über sechs Monate erproben können. Das von der Unternehmensberatung Intraprenör initiierte Vorhaben setzt auf das Modell: 100 Prozent Leistung in 80 Prozent der Zeit bei 100 Prozent Bezahlung. Eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kam zum Ergebnis, dass die Vier-Tage-Woche bei Arbeitnehmern ankomme - zumindest in Kombination mit gleichem Lohn.

LVU-Vertreter Tacke pocht indes auf einen leichteren und schnelleren Zugang ausländischer Fachkräfte zum Arbeitsmarkt. «Dabei steht die Entbürokratisierung an allererster Stelle.» Das betreffe das leichtere Anerkennen von Abschlüssen, einfachere Verwaltungsverfahren und weniger Anforderungen an Sprachkenntnisse. «Wir müssen an jeder Stellschraube drehen, um mehr Arbeitszeitvolumen zu bekommen. Wir sind in unserer arbeitsmarktpolitischen Denke sehr träge.»

Um die Lage der Unternehmen in Rheinland-Pfalz auch im internationalen Wettbewerb zu verbessern, müssten dringend und kurzfristig auch Maßnahmen für sinkende Energiepreise getroffen werden, mahnte Tacke. «Wir müssen in Zeiten des Energiemangels und der steigenden Preise das Angebot verbreitern. Das ist die Kernaufgabe, der sich die Politik stellen muss.»

Dazu müsse etwa in den Ausbau der erneuerbaren Energien investiert werden. Da etliche große Firmen in Rheinland-Pfalz in vielen Branchen viel Energiebedarf hätten, werde diese Nachfrage alleine mit erneuerbaren Energien nicht abzudecken sein, sagte Tacke. Die Energiepreise werden nach seinen Worten sinken, wenn das Angebot steige. Hier seien alle Vorschläge gefragt, die zum Erfolg führten. Zeitweise Subventionen seien einer davon. «Wer allerdings ganz ohne Lösung antritt, muss sich auch dazu bekennen, sich von bestimmten Industrien verabschieden zu wollen», sagte er.

Als weitere Maßnahmen nannte der Hauptgeschäftsführer den Ausbau der Geothermie und der Wasserstoffproduktion. Grundsätzlich müssten die Genehmigungsprozesse für erneuerbare und klimaneutrale Energien deutlich verschlankt und schneller werden. «Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem», mahnte er.

© dpa ⁄ Bernd Glebe, dpa
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