Weniger vorzeitige Einschulungen in Rheinland-Pfalz

Die schulische Laufbahn möglichst schnell zu absolvieren, ist nicht mehr so wichtig wie vor zehn Jahren. Begabtenförderung hat laut Bildungsministerium inzwischen auch im regulären Unterricht einen besonderen Stellenwert.
Ein Kind kommt mit Schultüte zur Einschulung. © Oliver Berg/dpa/Archivbild

Eltern machen in Rheinland-Pfalz immer weniger von der Möglichkeit Gebrauch, ihr Kind schon mit vier oder fünf Jahren in die Schule zu schicken. Der Anteil der vorzeitig eingeschulten Kinder halbierte sich seit dem Schuljahr 2010/11 mit damals 5,2 Prozent auf 2,6 Prozent im Schuljahr 2020/21, wie aus einer Studie des Statistischen Landesamts zur Hochbegabtenförderung der Schulen hervorgeht.

Die Schulpflicht gilt für alle Kinder, die bis zum 31. August eines Jahres sechs Jahre alt geworden sind. Bei jüngeren Kindern entscheidet die Schulleitung in Abstimmung mit dem Schularzt oder der Schulärztin sowie den Eltern, ob eine vorzeitige Einschulung dem Kindeswohl dient. Im Schuljahr 2020/21 gab es diese Einschätzung bei nahezu 1000 Kindern.

Die rückläufige Entwicklung könnte nach Einschätzung der Studie darauf zurückzuführen sein, dass bei der Entscheidung über eine vorzeitige Einschulung zunehmend auch mögliche Nachteile mit Blick auf die Persönlichkeitsentwicklung, Interessen des Kindes, den sozialen Kontext und die emotionale Reife einbezogen werden. Hinzu komme seit 2008/09 die Möglichkeit, regulär ein Jahr früher Abitur zu machen, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums. «Das könnte für Eltern ein Grund sein, ihr Kind nicht zusätzlich früher einzuschulen.»

Beim Überspringen einer Klasse gibt es eine ähnliche Entwicklung seit 2010/11: Damals übersprangen 435 Schülerinnen und Schüler eine Klassenstufe. Im Schuljahr 2020/21 waren es 297.

«Allgemein lässt sich in den letzten Jahren eine zunehmende Zurückhaltung gegenüber einem schnelleren Durchlaufen der schulischen Laufbahn beobachten», sagte die Sprecherin des Bildungsministeriums. Auch habe die Förderung von begabten und hochbegabten Schülerinnen und Schülern im Regelunterricht in den vergangenen Jahren einen besonderen Stellenwert bekommen.

Das Ministerium nennt unter anderem die MINT-Förderung in mathematisch, naturwissenschaftlichen und technischen Fächern sowie den «Entdeckertag». Bereits 1997/98 wurde die Begabtenförderung am Gymnasium mit Verkürzung der Schulzeit (BEGYS) eingeführt. Bei diesem Modell können alle Gymnasien sogenannte Projektklassen für besonders motivierte und leistungsfähige Schülerinnen und Schüler einrichten.

© dpa
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