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«Schockstarre» bei Ford-Mitarbeitern: Kein Investor

Bittere Nachricht für die 4400 Ford-Beschäftigten in Saarlouis: Laut dem Deutschland-Chef des Unternehmens ist ein Investor abgesprungen. Große Erwartungen an weitere Gespräche hat der Betriebsrat nicht mehr.
Ford Werk Saarlouis
Schilder auf dem Außengelände des Ford Werks in Saarlouis. © Oliver Dietze/dpa

Die Hoffnungen für den Erhalt des Ford-Werkes in Saarlouis sind zerbrochen. Ein möglicher Investor ist abgesprungen. Die Enttäuschung ist groß. «Das war eine Schockstarre für die Menschen. Und das geht uns als Betriebsräten nicht anders», sagte Betriebsratschef Markus Thal nach der Belegschaftsversammlung am Donnerstag, bei der bekannt wurde, dass die Verhandlungen zwischen dem Autobauer und einem Großinvestor über eine Übernahme des Werkes gescheitert sind.

Der mögliche Investor hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass er die Gespräche nicht fortsetzen wolle, wie Ford-Deutschland-Chef Martin Sander der Deutschen Presse-Agentur sagte. Nun stehen Sozialplan-Verhandlungen an. Für den Fall, dass es keine Einigung gibt, kündigte der Betriebsrat bereits Warnstreiks und eine Urabstimmung über einen unbefristeten Arbeitskampf an.

Aktuell arbeiten bei Ford in Saarlouis 4400 Mitarbeiter, hinzu kommen weitere 1300 in Zuliefererbetrieben.

Immerhin: Entgegen der bisherigen Absage des Investors sollen die Verhandlungen an diesem Wochenende doch fortgeführt werden. Das bestätigte Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) in Saarlouis. Er habe die Erwartungshaltung an das Ford-Management, dass man da nicht «pro forma» hinfahre. «Ich erwarte, dass das keine Kaffeefahrt wird, sondern dass da ernsthafte Verhandlungen geführt werden», sagte Barke der Deutschen Presse-Agentur. «Sollte es mit Ford am Ende keine Lösung bringen, und vom Scheitern muss man hier ausgehen, dann haben wir als Landesregierung ein Interesse, auf einem anderen Wege mit diesem Investor auch für die Zeit nach 2025 ins Gespräch zu kommen.»

Auch der Betriebsratsvorsitzende Thal zeigte sich skeptisch, dass bei den Verhandlungen zwischen Ford und dem Investor noch etwas herauskommt. «Wir werden jetzt das tun, wofür wir da sind. Wir werden aushandeln, was die Beschäftigten für den Verlust ihres Arbeitsplatzes erhalten», sagte er. Sollte Ford nicht in der Lage sein, nach dem, was der Belegschaft in den vergangenen 16 Monaten zugemutet worden sei, «den Geldsäckel ordentlich aufzumachen, dann knallt es eben richtig, dann hat man es nicht besser verdient».

Basis für einen Sozialplan sind laut Ford-Chef Sander nun 1000 Arbeitsplätze, die bereits für die Zeit nach dem Produktionsende zugesagt worden seien. Sie könnten «eine gute Basis sein, so etwas wie einen Gewerbepark an diesem Standort zu schaffen».

Die Regierung kann Barke zufolge lediglich Rahmenbedingungen setzen. «Das haben wir in diesem Prozess getan. Weit über unsere Grenzen hinaus», sagte er. Das Land habe in den unterschiedlichsten Branchen intensiv verhandelt und ein Paket in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags auf den Tisch gelegt. «Es ist uns als Land schließlich gelungen, uns über die Eckpunkte einer Gesellschaftervereinbarung für ein gemeinsames Joint Venture mit dem Investor, weiteren Partnern und dem Land zu einigen», teilte er mit.

Es brauche eine einvernehmliche und faire Verständigung zwischen Ford und dem Investor und eine finale Entscheidung seitens des Investors. «Ich sehe ganz klar Ford hier in der Pflicht, seinen Willen zur Zukunftssicherung für die Beschäftigten zu beweisen und vernünftige Angebote auf den Tisch zu legen», betonte Barke.

Die Mitarbeiter hatten große Hoffnungen in die Betriebsversammlung am Donnerstag gesetzt, nachdem Ende Juni von konkreten Vereinbarungen mit einem Investor berichtet worden war. Bis zum 30. September sollte ein bindender Vorvertrag ausgearbeitet werden. Das Scheitern der Verhandlungen hatte den Betriebsrat nach eigenen Aussagen «völlig unvorbereitet und absolut überraschend» getroffen.

Oberstes Ziel sei es immer gewesen, so viele Arbeitsplätze wie möglich im Werk zu halten. «Aufgrund der bereits erzielten Fortschritte waren wir bis zuletzt optimistisch, dass dies gelingt.» Der Plan sei gewesen, mit etwa 3000 Beschäftigten im Werk weiter Fahrzeuge zu bauen und die Transformation in die E-Mobilität gemeinsam mit den Zuliefererbetrieben zu begleiten. Jetzt gehe es darum, die Konditionen des Sozialtarifvertrags für 2850 Beschäftigte zu verhandeln, für die es ab Mitte 2025 keine Beschäftigung mehr gebe. Bereits ab Montag stünden Verhandlungen an. «Es wird für Ford teuer werden», kündigte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte, an. «Wir werden ein Zeichen setzen, dass andere Unternehmen davor zurückschrecken lässt, Standorte platt zu machen.»

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) sagte nach Angaben von Teilnehmern bei der Versammlung am Donnerstag: «Das ist für uns alle heute nicht schön hier, aber es ist nicht das Ende des Prozesses.» Weiter sagte sie: «Ich akzeptiere das nicht als Endergebnis.»

Mitte 2025 läuft die Produktion des Ford Focus am Standort aus. Der US-Autokonzern hatte Ende Juni 2022 die Entscheidung verkündet, dass das Werk im spanischen Valencia den Zuschlag für die neue Elektroauto-Plattform erhält. Damit wurde seinerzeit auch das Ende für die Focus-Produktion in Saarlouis besiegelt.

© dpa
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