Autozulieferer Schaeffler baut Stellen ab: Auch in Homburg

Dem fränkischen Unternehmen geht es nicht schlecht. Aber die Autoindustrie verabschiedet sich schneller als angenommen vom Verbrenner. Von den Jobverlusten ist auch das Saarland betroffen.
Der Schriftzug "Schaeffler" steht auf einer Stehle vor der Zentrale des Unternehmens. © Daniel Karmann/dpa

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler baut bis 2026 insgesamt 1300 weitere seiner weltweit knapp 83.000 Stellen ab. Davon entfallen 1000 auf Deutschland - auch das saarländische Homburg ist betroffen. Das Unternehmen begründete die Maßnahme am Dienstag mit einer schnelleren Transformation weg von Verbrenner-Antrieben hin zur E-Mobilität als erwartet. Es ist das zweite Transformationsprogramm innerhalb kurzer Zeit bei dem fränkischen Konzern. 2020 hatte er den Abbau von 4400 Stellen bekanntgegeben. Werksschließungen seien diesmal nicht beabsichtigt.

Von den Stellenstreichungen, die bis 2026 sozialverträglich umgesetzt werden sollen, sind nach Angaben des Unternehmens vor allem die drei Standorte Herzogenaurach, Bühl in Baden und Homburg betroffen. Drei Viertel der wegfallenden Stellen kämen aus den Bereichen Forschung und Entwicklung von Teilen für Verbrennerantriebe oder aus Zentralfunktionen. Das Programm wird nach Angaben von Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld 130 Millionen Euro kosten und soll ab 2026 jährlich 100 Millionen Euro einsparen.

Der Homburger Bürgermeister Michael Forster (CDU) sprach von einem «schwarzen Tag» in der eigentlich großen Erfolgsgeschichte von Schaeffler in Homburg. «Es geht jetzt darum, die Stellenstreichungen so gering wie nur möglich zu halten und die Betroffenen in dieser existenziellen Situation nach besten Kräften und mit gemeinsamen Anstrengungen zu unterstützen. Jedes einzelne Schicksal lohnt unser aller Einsatz.» Schaeffler sei nicht der einzige Automobilzulieferer in der Stadt, der mit dem Wandel zu kämpfen habe. «Am Beispiel Schaeffler bekommen wir gerade deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, im laufenden Transformationsprozess und angesichts neuer politischer Entscheidungen der EU gerüstet zu sein.»

Die Transformation hin zu Elektroantrieben geht Schaeffler-Chef Rosenfeld zufolge viel schneller als noch vor kurzem angenommen - getrieben vor allem von Entwicklungen in China und den USA. Deshalb müssten Überkapazitäten abgebaut werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig komme der Aufbau neuer Technologien voran. Rosenfeld nannte ein neues Zentrallabor in Herzogenaurach, ein Wasserstoffzentrum sowie ein Zentrum für E-Mobilität als Beispiele.

Der Auftragseingang bei Lösungen für die E-Mobilität übertreffe die Erwartungen deutlich, sagte er. Derzeit stünden Aufträge im Wert von 4,7 Milliarden Euro in den Büchern. Geplant seien 2 Milliarden bis 3 Milliarden gewesen. Insgesamt sei das dritte Quartal gut gelaufen, vor allem dank guter Geschäfte im Bereich Industrie. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum demnach um 20,2 Prozent.

Für das Gesamtjahr bleibt Schaeffler bei seiner Prognose eines Umsatzwachstums von sechs bis acht Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen einen Anstieg um 9,7 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro erzielt. Nach drei Quartalen liegt Schaeffler in diesem Jahr bei 11,8 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Sondereffekten sank zugleich von 962 Millionen auf 813 Millionen Euro.

© dpa
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