Maurer: Griff zum Waschlappen ist individuelle Entscheidung

Taugt weniger Duschen zum Energiesparen? Und wie fühlt sich das an? Matthias Maurer stand als Esa-Raumfahrer rund sechs Monate lang nicht unter einem Wasserstrahl. Dann kehrte er zurück und duschte - es endete unerwartet.
Astronaut Matthias Maurer blickt von der Kuppel der Internationalen Raumstation ISS auf die Erde. © NASA/ESA-M.Maurer/dpa/Archivbild

Waschlappen oder Dusche? Was in Zeiten von Gasknappheit und steigenden Preisen mancherorts heiß diskutiert wird, war für Matthias Maurer zwangsweise ein halbes Jahr lang kein Thema. Rund sechs Monate lang konnte der Saarländer nicht duschen und musste stattdessen ein seifehaltiges Tuch benutzen - quasi von Berufs wegen: Maurer umrundete von November 2021 bis Mai 2022 die Erde in der Internationalen Raumstation ISS. Auf dem Außenposten der Menschheit gibt es zwar viele moderne Forschungsplätze - aber keine Dusche.

Körperhygiene in der Schwerelosigkeit rund 400 Kilometer über der Erde sei trotzdem recht entspannend gewesen, sagte Maurer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: «Auf diesen Moment habe ich mich immer sehr gefreut, da ich dies als sehr erholend empfand.»

Vor kurzem hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit dem Vorschlag, zum Waschlappen zu greifen statt «dauernd» zu duschen, für Schlagzeilen gesorgt. Was denkt Maurer? «Es gibt sehr viele Möglichkeiten, klimarelevante und knappe Ressourcen wie Wasser und Energie zu sparen», sagte der Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation Esa. «Ob das durch den Griff zum Waschlappen erfolgt oder anders, ist eine individuelle Entscheidung. Wichtig ist, Verschwendung zu unterbinden.»

Auch wenn die ISS über keine Dusche verfügt, ist für die Crew eine tägliche Ganzkörperreinigung möglich. «Aufgrund der fehlenden Schwerkraft läuft das Wasser nicht nach unten, sondern benetzt den Körper mit einem dünnen Film», sagte Maurer. Dann greife man zur Seife oder einem seifehaltigen Tuch. «Das ist so ähnlich wie mit einem Waschlappen.» Der Wasserfilm werde mit einem Handtuch abgerubbelt.

«Die feuchte Luft wird von der Klimaanlage entfeuchtet, das Wasser gefiltert und destilliert und steht als Trinkwasser zur Verfügung», schilderte der 52-Jährige. Gegenwärtig würden 90 Prozent des Trink- und Duschwassers der ISS wiedergewonnen. «Dazu gehört auch Urin.»

Anfang Mai war Maurer aus dem Weltraum zurückgekehrt. «Auf die erste Dusche hatte ich mich sehr gefreut, wurde aber massiv enttäuscht, da ich zwei Stunden nach der Landung noch ziemlich wackelig auf den Beinen war», erzählte der Mann mit einem Doktortitel in Materialwissenschaft. Sein Gleichgewichtsorgan habe noch sehr mit der Schwerkraft gekämpft. «Das Prasseln der Wassertropfen auf Kopf und Körper empfand ich fast schon als Überstimulierung.» Das Resultat: Nach der Dusche habe er sich übergeben - das einzige Mal während seines Weltraumabenteuers. «Danach ging es mir aber gleich besser.»

© dpa
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