Mehr als ein Dach überm Kopf: Neue Wohnformen im Alter

Pflegebedürftigkeit muss kein Grund sein, das vertraute Zuhause zu verlassen. Wie dies gerade auf dem Land organisiert werden kann, hat jetzt eine Fachtagung in Mainz aufgezeigt. Ein wichtiger Trend dabei: Mehr Teilen, weniger Besitzen.
Alexander Schweitzer auf dem «Grünen Sofa» im dpa-Interview. © Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Land und Bund setzen sich für einen Ausbau von gemeinschaftlichem Wohnen auf dem Land ein, um gerade im Alter einer drohenden Vereinsamung und Vereinzelung entgegenzuwirken. «Es ist ein politisches Thema, wie wir wohnen», sagte der rheinland-pfälzische Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD) am Mittwoch auf einer Fachtagung zu neuen Wohnformen im ländlichen Raum. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Sven Lehmann (Grüne), setzte sich dafür ein, «dass möglichst viele Menschen im Alter so wohnen und leben dürfen, wie es ihren Bedürfnissen entspricht und wie sie es wünschen».

«Eine alternde und diverse Gesellschaft braucht neue Wohnformen», sagte die Frankfurter Stadtplanerin und Beraterin Kristina Oldenburg zum Einstieg in die Tagung im Mainzer Kulturzentrum (KUZ). «Es geht um mehr Teilen und weniger Besitzen, um die Balance zwischen Individualität und guter Gemeinschaft.» Die Teilnahme von 100 Interessierten im Saal und 200 online zeige, wie groß das Interesse an diesem Thema sei.

Wohnen sei stets mehr als nur ein Dach über dem Kopf, sagte Birgit Kasper vom Vorstand des Forums Gemeinschaftliches Wohnen, das zu den Veranstaltern der Tagung gehörte. Es gehe darum, Menschen auch in kritischen Lebenssituationen wie einer beginnenden Pflegebedürftigkeit zu mehr Selbstbestimmtheit und Teilhabe zu verhelfen.

Eine Form gemeinschaftlichen Wohnens auf dem Land sind Projekte, die von einer Kerngruppe mit fünf oder sechs Menschen gestartet werden und die privates Wohnen mit Gemeinschaftsflächen wie Küche, Wohnzimmer, Garten oder Wirtschaftsräumen verbinden. Möglich sind sowohl Projekte zur Miete als auch in einer Gemeinschaft von Wohnungseigentümern. Wenn bei einer Pflegebedürftigkeit die Nachbarschaftshilfe nicht mehr ausreiche, könne auch externe Hilfe organisiert werden, erklärte die Landschaftsplanerin Andrea Beerli vom Forum Niedersachsen.

Als weitere Formen nannte sie Wohnpflegegemeinschaften mit Wohngruppen von acht bis zwölf Menschen, bei denen von vornherein eine 24-stündige Betreuung bei Pflegebedarf vorgesehen ist. «Das sind kleine Gemeinschaften, in denen man sich gut zurechtfindet», sagte Beerli, «wie eine Studenten-WG - nur dass dort Menschen wohnen, die einen Pflegebedarf haben». Bei der Einrichtung solcher Projekte könnten kommunale Verwaltungen eine wichtige Rolle spielen.

«Der demografische Wandel ist ein Treiber dieser Entwicklung», sagte Schweitzer und fügte hinzu: «Wir sind mitten drin.» Die Landesregierung unterstütze unterschiedliche Ansätze, die dazu dienten, dass Menschen im Alter nicht an andere Orte wie eine Einrichtung der stationären Altenhilfe verpflanzt werden müssten. Dabei stellten sich vielfältige Fragen wie die der Bauplanung, der Finanzierung, von Facharchitektur und gesellschaftlicher Unterstützung. Schweitzer sprach sich dafür aus, die im Sozialgesetzbuch XI geregelte Pflegeversicherung um die Förderung neuer Wohnformen zu ergänzen.

© dpa
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