Saarland hat bundesweit höchste Corona-Inzidenz

Das Saarland führt die bundesweite Corona-Statistik des RKI an - vor Hessen und Rheinland-Pfalz. Der Gesundheitsminister sieht jedoch auch mit Blick auf die Lage in den Krankenhäusern keinen Grund zur Sorge.
Eine biologisch-technische Assistentin bereitet PCR-Tests für die Analyse vor. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Das Saarland hat bei der Corona-Inzidenz aktuell den höchsten Wert der 16 Bundesländer. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete für das Bundesland am Dienstag 1625 erfasste Neuinfektionen innerhalb eines Tages und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 561,2 Fällen pro 100 000 Einwohner. Laut RKI liegt der bundesweite Durchschnitt bei 334,9. Die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie bestätigten Fälle im Saarland stieg im Vergleich zur Vorwoche um 5513 auf 410 974.

Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) sah am Dienstag keinen Grund zur Besorgnis. Die Zahlen seien von vornherein «etwas mit Vorsicht zu genießen» und nicht valide, weil sie nur auf PCR-Tests zurückgingen. «Wir wissen beispielsweise nicht, wie hoch der Anteil derjenigen in anderen Bundesländern ist, die bei einem positiven Schnelltest auch noch einen PCR-Test machen. Im Saarland scheinen das recht viele zu sein.»

Zudem sei man «mit unseren Zahlen geografisch nicht isoliert». Offenbar gebe es im Südwesten der Republik eine Infektionsgefahr, die «eine höhere Dynamik» als in anderen Teilen der Republik habe. So liegt Hessen laut RKI auf Rang 2 mit einer Inzidenz von 436,5 und Rheinland-Pfalz auf Platz 3 mit 430,7.

Wenn man jedoch die letzten zweieinhalb Jahre zurückverfolge, so Jung, habe es nie eine Situation mit einem wirklich gleichmäßigen Infektionsgeschehen in Deutschland gegeben. «Sondern es war immer so, dass mal die eine und später mal eine andere Region der Hotspot war», so der Minister. Über lange Zeit hätten sich die Zahlen «ganz gut ausgeglichen» und liege das Saarland nur knapp über dem Bundesdurchschnitt.

Gelassen zeigte sich der Minister auch angesichts der Situation auf den Intensivstationen der Saar-Krankenhäuser. Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) gab es dort am Dienstag nur 28 Covid-Patienten, von denen lediglich drei beatmet wurden. Mit einer Kapazitätsauslastung von 10,71 Prozent hat das Saarland laut Divi damit die niedrigste und damit beste Quote bundesweit.

«Die Gefahr für die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens ist absolut minimal. Da können wir also im Moment nur die grüne Ampel zeigen», sagte Jung. Vor diesem Hintergrund könne man auch mit gutem Gewissen mit einer neuen Corona-Verordnung in die nächsten vier Wochen gehen.

Sie sieht unter anderem Erleichterungen beim Testen in saarländischen Altenheimen, Krankenhäusern und Behinderteneinrichtungen vor. Geimpfte oder genesene Mitarbeiter müssen sich ab Samstag nur noch einmal statt wie bislang zweimal in der Woche auf Corona testen lassen. Ungeimpfte Mitarbeiter, sofern sie kein Betretungsverbot haben, künftig dreimal in der Woche statt täglich. Für Besucher gilt eine tägliche Testpflicht.

Es gebe jedoch auch Verschärfungen gegenüber der bisherigen Rechtslage, die durch das neue Bundesinfektionsschutzgesetz erforderlich wurden. So müssen in allen Altenheimen, Krankenhäusern und Arztpraxen künftig FFP2-Masken getragen werden. Das gilt auch für Bewohner in Gemeinschaftsräumen. Jung ging davon aus, dass diese Regelungen «nicht überall auf reine Freude stoßen» werden. In diesem Fall habe es allerdings wenig Möglichkeiten gegeben, abweichende landesrechtliche Regelungen zu treffen. Im ÖPNV reicht eine Mund-Nasen-Bedeckung.

Entscheidend für eine mögliche Einführung von Verschärfungen ist laut Jung ein Anstieg bei den Todesfällen oder der Zahl der Krankenhauseinweisungen mit Beatmungspflicht. Eine nächste Eskalationsstufe bei den Verordnungen könne dann beispielsweise sein, dass auch im Einzelhandel wieder Masken getragen werden müssten.

Der Gesundheitsminister wies darauf hin, dass ab sofort auch der neue an die BA.4/BA.5-Subvariante angepasste Impfstoff im Saarland vorhanden sei. Er appellierte an alle, die laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) infrage kämen, sich ein viertes Mal impfen zu lassen. Bislang hätten dies erst ein Viertel der Über-60-Jährigen getan.

© dpa
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