Negativrekord bei Austritten aus katholischer Kirche

27.06.2022 Es ist eine «Abstimmung mit den Füßen»: Der katholischen Kirche laufen die Mitglieder in Scharen davon. Die Kirchenführung zeigt sich erschüttert.

Kerzen brennen vor einem Gottesdienst. © Silas Stein/dpa/Symbolbild

Nie zuvor haben so viele Katholiken in den vier in Rheinland-Pfalz und dem Saarland gelegenen Bistümern der Kirche den Rücken gekehrt wie im vergangenen Jahr. Die Bischöfe oder ihre Vertreter zeigten sich erschüttert und warfen einen kritischen Blick auf den aktuellen Zustand der katholischen Kirche.

Bistum Trier:

Im ältesten deutschen Bistum erreichte die Zahl der Kirchenaustritte den Höchststand von 18.599 Menschen. Sie lag damit fast doppelt so hoch wie im Jahr 2020 mit damals 10.836 Austritten, wie das Bistum am Montag bekannt gab. Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg sprach von einer «tragischen Entwicklung» für die Kirche, «weil wir zum einen für Viele zum Ärgernis geworden sind, besonders im Bereich des Umgangs mit Missbrauch, zum anderen weil wir die Themen und Bedürfnisse der Menschen nicht mehr ansprechen». Die hohe Zahl an Kirchenaustritten nannte er eine «Abstimmung mit den Füßen».

Die Kirche müsse dahin gehen, wo sie gebraucht werde, etwa als Sinnstifterin, Helferin und Gesprächspartnerin, erklärte von Plettenberg. In dem Bistum, das sich auf weite Teile von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes erstreckt, lebten den Angaben zufolge zuletzt rund 1.254.307 Katholikinnen und Katholiken (Stichtag 31. Dezember 2021).

Bistum Mainz:

Im Bistum Mainz wurde der Rekordstand von 12 649 ausgetretenen Mitgliedern verzeichnet. Im Jahr 2020 lag diese Zahl den Angaben zufolge noch bei 8461. Bischof Peter Kohlgraf machte indirekt das Bekanntwerden von immer neuen Fällen von sexuellem Missbrauch und Vertuschungsvorwürfen in der katholischen Kirche in Deutschland für die Entwicklung verantwortlich. «Den dunklen Seiten der Kirche, wie dem Umgang mit Fällen von sexueller Gewalt, stellen wir uns seit Jahren mit großer Offenheit», erklärte Kohlgraf.

Anfang Juni habe das Bistum die vielfältigen Maßnahmen in diesem Bereich noch einmal öffentlich dargestellt, teilte er mit. Ende des Jahres soll der Abschlussbericht einer unabhängigen Untersuchung des Regensburger Rechtsanwalts Ulrich Weber zu Fällen sexueller Gewalt in der Diözese vorgestellt werden.

Das Bistum Mainz erstreckt sich auf Gebiete in Hessen und Rheinland-Pfalz und zählte zuletzt 666.620 Katholikinnen und Katholiken. Kohlgraf betonte, er gebe die Hoffnung nicht auf, dass «trotz vieler Fehler in unserer Kirche» die Strahlkraft des gelebten Christseins in den vielen Gemeinden weiterhin wirke.

Bistum Speyer:

Im Bistum Speyer traten 7579 Mitglieder aus der katholischen Kirche aus und damit so viele wie nie zuvor. «Die Zahlen zeigen deutlich, dass viele Menschen eine innere Bindung an die Kirche verloren haben und nun auch die äußeren Bindungen kappen», erklärte Generalvikar Markus Magin. Die Kirche müsse den eingeschlagenen Weg der Erneuerung, zu dem ausdrücklich eine konsequente Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs gehöre, weitergehen, betonte Magin. Nur so werde sie etwas von der Glaubwürdigkeit zurückgewinnen können, die nötig sei, um die Botschaft des Evangeliums überzeugend verkünden zu können.

In dem Bistum, das sich auf den Süden von Rheinland-Pfalz und einen Teil des Saarlandes erstreckt, lebten den Angaben zufolge zuletzt rund 483.000 Katholikinnen und Katholiken.

Bistum Limburg:

Auch im Bistum Limburg hat sich der Mitgliederschwund beschleunigt. Ende 2021 lebten in dem Bistum insgesamt 560.777 Katholikinnen und Katholiken, das waren 18.910 weniger als zum Vorjahresende, wie das Bistum mitteilte. 11.686 Personen davon traten aus der Kirche aus - nach rund 8200 im Vorjahr. Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zeigte sich bestürzt über die Entwicklung: «Es gibt nichts schönzureden, und ich bin zutiefst erschüttert über die extrem hohe Zahl von Kirchenaustritten», erklärte er. Die katholische Kirche stecke in einer tiefgreifenden Krise, von der auch das Bistum Limburg betroffen sei.

Man dürfe die Austrittszahlen nicht verzerren, müsse sich aber von der Vorstellung verabschieden, dass die Kirchen wieder voller würden oder die Zahl der Gläubigen wieder steige. «Und dennoch bin ich überzeugt: Die Botschaft des Evangeliums hat Kraft, die wir mit allen, die der Kirche angehören, zur Entfaltung bringen und ins Leben übersetzen können», so Bätzing. Das Bistum Limburg erstreckt sich auf Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz.

© dpa

Weitere News

Top News

Tv & kino

Featured: Dustin Hoffman: Die besten Filme mit der Hollywood-Legende

1. bundesliga

Bundesliga: RB holt Werner: Transfer soll Dienstag besiegelt werden

Job & geld

Darlehen für Faustpfand: Pfandleiher erwarten erhöhten Kreditbedarf

Auto news

Das Land der Rover: Allrad: Falkländer schwärmen von ihren «Arbeitspferden»

Tv & kino

Featured: Ich habe gerade meinen Vater getötet: Die wahre Geschichte von Anthony Templet

Internet news & surftipps

Quartalsbericht: Softbank mit Riesenverlust durch Börsen-Talfahrt

People news

Leute: David Beckham besucht mit Tochter Konzert

Internet news & surftipps

Kriminalität: Faeser zu Cyberangriffen: Wir hatten bisher «viel Glück»

Empfehlungen der Redaktion

Regional hessen

Kirchenaustritte: Katholische Kirche verliert mehr als 24.000 Mitglieder

Regional hessen

Katholizismus: Negativ-Rekord bei Kirchenaustritten im Bistum Mainz

Regional rheinland pfalz & saarland

Bistum Limburg: Verzicht auf Sanktionen für Wiederheirat

Regional niedersachsen & bremen

Kirche: Katholische Kirche verzeichnet Rekordzahl an Austritten

Regional bayern

Kirche: «Traurig, bitter, aber erwartbar»: Austrittszahlen gestiegen

Regional rheinland pfalz & saarland

Mainz: Bistum stellt sich neu auf: Kirche «nicht im Ausverkauf»

Regional nordrhein westfalen

Kirche: 2021 fast 98.000 Austritte aus katholischer Kirche in NRW

Regional rheinland pfalz & saarland

Mainzer Bischof Kohlgraf gegen «Frankfurter Erklärung»