Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm: «Lage dramatisch»

Die Ausgaben für Energie, medizinischen Bedarf und Lebensmittel laufen den Kliniken davon. Wenn den Häusern nicht bald und ganz konkret geholfen wird, steigt die Gefahr von Insolvenzen von Woche zu Woche, warnt ihr Fachverband.
Eine Pflegekraft geht auf einer Intensivstation über den Flur. © Fabian Strauch/dpa/Symbolbild

Zuerst die Belastungen durch die Corona-Pandemie, nun die Auswirkungen der Energiekrise und die allgemeine Inflation: Die Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz leiden unter den massiv angestiegenen Preisen. «Die Lage ist als dramatisch zu bezeichnen», sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Andreas Wermter, der Deutschen Presse-Agentur. Viele Kliniken gerieten zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten, da sie die gestiegenen Preise im bestehenden Finanzierungssystem nicht an die Krankenkassen weitergeben könnten.

Vielen Kliniken in Rheinland-Pfalz sind laut Wermter eine Rückkehr zur Normalität und damit eine Regelversorgung der Patientinnen und Patienten mit notwendigen stationären Leistungen nach wie vor nur schwer möglich. Auch in diesem Jahr habe die Belegung noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht. Das führe bei den Krankenhäusern zu Erlösausfällen und damit zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. Diese Entwicklung werde sich voraussichtlich auch im kommenden Jahr fortsetzen, wenn nicht sogar deutlich verschärfen.

Die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigten Finanzhilfen müssten daher dringend kommen - «und zwar eher gestern als heute», forderte der Geschäftsführer. «Wenn nicht bald eine konkrete Hilfe für die Krankenhäuser auf den Weg gebracht wird, steigt die Gefahr von Insolvenzen von Woche zu Woche.»

Ohne die notwendige Gegenfinanzierung der steigenden Kosten werden die Krankenhäusern nach Einschätzung Wermters bei der Wirtschaftsplanung fürs nächste Jahr ihre Versorgungsangebote abbauen müssen, um Personal- und Sachkosten zu senken. Er wies darauf hin, dass nicht nur die Ausgaben für Energie, sondern auch für medizinischen Bedarf und Lebensmittel stark angestiegen seien.

Von der bisherigen Unterstützung der Bundesregierung spürten die Krankenhäuser nichts, kritisierte Wermter. Am dringendsten sei ein finanzieller Ausgleich für die Kostensteigerungen im laufenden Jahr - und zwar möglichst als direkte Zuschüsse für die Kliniken. «Zur Vermeidung von Insolvenzen müssen die zusätzlichen Mittel den Krankenhäusern noch im November unmittelbar zufließen», sagte er. «Die derzeitige Ungewissheit ist auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken völlig inakzeptabel», kritisierte er. Sie erwarteten zu Recht, dass umgehend etwas geschehe, um die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser zu stabilisieren.

Auf eventuelle Notsituationen im Energiebereich seien die Kliniken vorbereitet, betonte der Geschäftsführer. Stromausfälle etwa könnten mit Hilfe von Notstromaggregaten für einen längeren Zeitraum überbrückt werden. Wie lange die Geräte laufen könnten, hänge auch von den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort ab.

Weniger sorgenvoll ist der Blick der Krankenhausgesellschaft auf den dritten Corona-Herbst und -Winter. Es sei derzeit davon auszugehen, dass die vorhandenen Kapazitäten auf Intensivstationen auch für einen Anstieg der Zahl von Corona-Patienten und -Patientinnen ausreichten. «Limitierender Faktor könnte - wieder einmal - das verfügbare Fachpersonal sein», sagte er.

Wie in den vergangenen Jahren ist nach Wermters Einschätzung Personalmangel wegen der Erkrankung von Beschäftigten oder ihrer Isolation die zentrale Herausforderung für die Krankenhäuser. Die Kliniken könnten entlastet werden, wenn beispielsweise die Untergrenzen für das Pflegepersonal ausgesetzt und bürokratische Belastungen gesenkt würden.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Bundesliga: Video und Nerverei: Die Geheimnisse von Zauberfuß Szoboszlai
People news
Moderator: Jay Leno mit Knochenbrüchen nach Unfall
People news
Leute: Prinzen-Frontmann ruft zum Engagement auf
People news
Schauspielerin: Wolke Hegenbarth puzzelt gern mit Sohn Avi
Das beste netz deutschlands
Featured: DeepL Write: So nutzt Du die KI-Schreibhilfe für Texte
Das beste netz deutschlands
Featured: Chat GPT: So nutzt Du den KI-Bot von OpenAI
Internet news & surftipps
Extremismus: SPD-Abgeordneter für 14-Tage-Speicherpflicht für IP-Adressen
Reise
Flüge verspätet und gestrichen: Streik am Düsseldorfer Airport: Diese Rechte haben Reisende
Empfehlungen der Redaktion
Regional berlin & brandenburg
Energie: Kliniken dringen auf Hilfe für Kosten: Millionen vom Land
Regional bayern
Covid-19: Holetschek für Lockerung der Corona-Regeln in Krankenhäusern
Regional baden württemberg
Krankenhäuser: Kostenexplosion bei Kliniken: «Zumutung für Patienten»
Regional baden württemberg
Gesundheit: Wartelisten in Krankenhäusern werden immer länger
Regional niedersachsen & bremen
Kundgebung: Beschäftigte verlangen Inflationsausgleich für Kliniken
Regional nordrhein westfalen
Gesundheit: Kliniken am Limit: Energiekosten und weiter Corona
Regional niedersachsen & bremen
Finanzlage: Kostenexplosion bringt Krankenhäuser in Not
Regional niedersachsen & bremen
Gesundheit: Kliniken fordern: Hilfen rasch und unbürokratisch auszahlen