Städte: Mehr Grün, weniger Schotter

03.05.2022 In den heißen Sommern der vergangenen Jahre heizen sich vor allem die Innenstädte auf. Nachts gibt es kaum noch Abkühlung. Mehr Bäume, Sträucher, Stauden und Wiesenflächen könnten Abhilfe schaffen.

Größere und kleinere Steine liegen in einem Vorgarten. © Annette Riedl/dpa/Illustration

Mainz/Koblenz/Trier/Kaiserslautern/Ludwigshafen (dpa/lrs) - Mit einer neuen Begrünungs- und Gestaltungssatzung will Mainz mehr Pflanzen auf Dächer, an Fassaden und in die Gärten bringen. Die von vielen als hässlich empfundenen «Schottergärten», die zu einer Aufheizung der Städte in den Sommermonaten führen, «möchten wir gerne auf Wiedersehen sagen», erklärte Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Leitlinien.

Die neue Satzung soll am 1. Oktober in Kraft treten und für das gesamte Stadtgebiet und nicht nur für die Innenstadt gelten. Sie bezieht sich auf neue Bauvorhaben. Alte Gärten haben Bestandsschutz. Doch Grosse hofft, dass das bei neuen Bauvorhaben vorgeschriebene Mehr an Grün auch Signalwirkung hat und der eine oder andere mit Kies oder Schotter zugeschüttete Vorgarten verschwindet. Eine nachträgliche freiwillige Begrünung bestehender Gebäude könne über das Förderprogramm «Dach- und Fassadenbegrünung» der Mainzer Stiftung für Klimaschutz finanziell gefördert werden, sagte Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne).

Neben dem Verbot von Kies- und Schotter sieht die neue Satzung unter anderem vor, dass je angefangener 200-Quadratmeter-Grundstücksfläche, die nicht überbaut ist, mindestens ein Baum gepflanzt werden muss. 15 Prozent des Baugrundstücks müssen mit Sträuchern bepflanzt werden. Rasengittersteine oder flächige Abdeckungen mit Vlies oder Textilgeweben zählen nicht als Begrünung.

Künftig sollen zudem für zwei Stellflächen für Fahrzeuge ein Baum und für sechs Stellflächen zwei Bäume vorgesehen werden. Flachdächer ab 15 Quadratmeter sollen extensiv begrünt werden. Auch Fassaden ab einer zusammenhängenden Fläche von 20 Quadratmeter müssen begrünt werden.

Eine Art Baukastensystem mit möglichen Alternativen und der Kompensation von Grünflächen an anderer Stelle sollen laut Steinkrüger dafür sorgen, dass Bauherren flexibel bleiben. Das heißt beispielsweise, dass beim Wunsch, die Hälfte eines Flachdachs mit einer Solaranlage zu belegen, dafür mehr Grün auf einem anderen Teil des Grundstück gepflanzt werden muss, etwa Sträucher auf einer Rasenfläche. Die Umweltdezernentin sprach von einem «bunten Strauß, Immobilien grüner zu gestalten».

Laut Stadtverwaltung soll die Einhaltung der Vorschriften stichprobenartig untersucht werden. Hinweise auf mögliche Verstöße kämen üblicherweise aus der Nachbarschaft. Außerdem müssten die Bauherren eine «Konformitätserklärung» unterzeichnen, dass sie die Regeln eingehalten haben. In aller Regel würden Streitfälle aber gütlich geregelt.

- Ein Blick in andere rheinland-pfälzische Großstädte:

Auch die Stadt Koblenz kümmert sich nach eigener Aussage um mehr Grün im Kampf gegen den Klimawandel. Zahlreiche Bebauungspläne enthielten Regelungen zur Begrünung von Dach oder Fassade. Im Rahmen eines «500-Dächer-Programms» werde Dachbegrünung finanziell gefördert. «Es dient im Grundsatz dazu, durch Dämmung der Dachhaut oder der obersten Geschossdecke Energieverluste zu minimieren und damit den CO2-Ausstoß zu verringern», erklärt Stadtsprecher Thomas Knaak. Koblenz erstelle ein Gründachkataster.

Ein Klimaschutzkonzept sehe unter anderem die Pflanzung von Bäumen in der Stadt vor, um deren Aufheizung im Sommer zu begrenzen. Schon vorhandene Baumbeete sollen zum Schutz der Artenvielfalt und als Insektenweide verbessert werden, eventuell über Patenschaften von Anwohnern.

In Trier arbeiten nach Angaben der Stadtverwaltung drei Klimaschutzmanager an einem Schutzkonzept mit Vorschlägen für mehr Grün in der Stadt. Ein besonderes Pilotprojekt sind Bodenfeuchtesensoren, mit denen die Feuchtigkeit unter Bäumen - vor allem unter Jungbäumen - gemessen wird. Mit den übertragenen Daten soll die Bewässerung zielgenauer möglich sein als bisher. Zudem können Bürger Baum- und Beetpatenschaften übernehmen. Dazu gehört, junge Bäume zu gießen, Baumscheiben aufzulockern und Schäden und Gefahren in Beeten zu melden.

Der Stadtrat von Kaiserslautern beschloss am Montag eine neue Grün- und Freiflächengestaltungssatzung. Sie dient dem Unterbinden von «Fehlentwicklungen», wie die Verwaltung der pfälzischen Kommune mitteilte. Dazu zählen demnach «Schottergärten» und Kunstrasen. Diese sind nicht mehr zulässig. Zudem soll die Gestaltung der Grundstücke und das Stadtbild von Kaiserslautern durch Begrünung aufgewertet werden. Die Satzung soll des Weiteren dazu beitragen, Biodiversität zu fördern und die Umsetzung des Klimaanpassungskonzeptes der Kommune zu unterstützen.

Die Stadt Ludwigshafen hebt die Bedeutung des Begrünens von Flachdächern hervor. Dies sei unter anderem auf Basis von Klimagutachten in Wohn-, Gewerbe- und Sondergebieten seit vielen Jahren gängige Standardfestsetzung in Bebauungsplänen, teilte die zweitgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz mit. «Vereinzelt wurden auch Satzungen aufgestellt, um einer zunehmenden Versiegelung von Vorgärten entgegenzuwirken», erklärte eine Sprecherin. Zudem könnten durch Dachbegrünung und Entsiegelungsmaßnahmen die Oberflächenwassergebühren reduziert werden.

© dpa

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