Niedrigwasser im Rhein macht «Hungersteine» wieder sichtbar

Nur wenn der Rhein einen niedrigen Wasserstand hat, kann man sie sehen: Die «Hungersteine» bei Worms-Rheindürkheim. Im August sind sie wieder aufgetaucht.
Bei Niedrigwasser sind im Rhein in Worms-Rheindürkheim sogenannte Hungersteine zu sehen. © Björn Krämer/dpa

Mit dem Niedrigwasser im Rhein sind in Worms-Rheindürkheim sogenannte Hungersteine wieder sichtbar geworden. So habe ein größerer Steinbrocken, auf dem Jahreszahlen von Dürrejahren und Zeiten der Not eingemeißelt wurden, bis vor kurzem frei geschwemmt vor dem Ufer gelegen, sagte der Ortsvorsteher von Rheindürkheim, Björn Krämer, der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem Stein sind die Inschriften «Ano 1857» und darunter «Hunger Jahr 1947» zu lesen. Auch 1959 und 1963 sind erkennbar. Auf anderen Steinen wird an das Jahr 2003 erinnert, in denen die Steine freilagen.

Vor allem die ersten beiden eingemeißelten Jahre seien schlimme Hungerjahre gewesen, sagte Krämer, der auch Vorsitzender der Ortsgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft Rheindürkheim ist. «Man sieht an den Steinen relativ klar, wie abhängig man früher vom Rhein war.» Ohne den Transportweg konnten Lebensmittel die Menschen nicht erreichen. Früher habe es ja kaum Lastwagen gegeben, sagte Oskar Ristau, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft.

Seit den 1950er Jahren bedeuteten niedrige Wasserstände zum Glück aber nicht mehr, dass die Menschen hungern mussten, sagte Krämer. Dennoch gebe einem die Entwicklung zu denken. «Wir sind darauf vorbereitet, dass man die Steine immer öfter sieht», sagte er. In den vergangenen Wochen waren die steinernen Botschaften längere Zeit zu sehen gewesen, bis sie mit steigendem Wasserstand wieder abtauchten. Aktuell seien sie knapp unter Wasser, sagte Krämer.

Die Ortsgeschichtliche Arbeitsgemeinschaft hatte zuletzt 2018 eine Plakette auf den Steinen angebracht. Nun solle am Ufer eine Informationstafel aufgestellt werden, die den geschichtlichen Hintergrund der Steine erkläre, sagte Krämer. Wer die ersten Jahreszahlen eingemeißelt habe, sei bis heute unbekannt, sagte Ristau, der 19 Jahre im Vorstand der AG war.

Auch bei Remagen-Kripp im Rhein ist ein sogenannter Hungerstein seit ein paar Wochen wieder zu sehen. Er sei nicht jedes Jahr sichtbar, aber immer öfter, sagte Edith Polcher von der Rheinfähre Linz-Kripp GmbH.

«Er ist in der Kripper Region als Hungerstein bekannt und wird von den Anwohnern als altbekannt wahrgenommen», sagte sie. Die Fähre, die zwischen Remagen-Kripp und Linz fahre, sei vom Niedrigwasser nicht beeinträchtigt. «Hungersteine» gibt es auch in der Elbe und in der Weser.

© dpa
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