Rheinland-Pfalz will Hochwasserschutz verbessern

Nach der Sturzflut an der Ahr hat das Klimaschutzministerium alle bisherigen Vorkehrungen überprüft. Ergebnisse hat Ministerin Eder in einem Sieben-Punkte-Plan zusammengefasst.
Katrin Eder, Klimaschutzministerin von Rheinland-Pfalz. © Helmut Fricke/dpa/Archivbild

Rheinland-Pfalz will Lehren aus der Flutkatastrophe an der Ahr ziehen und den Hochwasserschutz neu aufstellen. Dazu legt Klimaschutzministerin Katrin Eder am heutigen Montag (15.00 Uhr) einen Sieben-Punkte-Plan zur Hochwasservorsorge vor. Der Plan setzt Erkenntnisse um, die bei der Überprüfung aller Systeme im Hochwasserschutz im Anschluss an die Katastrophe vom Juli 2021 gewonnen wurden. Ein Schwerpunkt liegt nach Angaben des Ministeriums auf Vorsorge, Vorhersage und Kommunikation. Außerdem soll die überörtliche Hochwasservorsorge in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit den Kommunen verbindlicher gemacht werden.

Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal waren 134 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen zwölf Bewohner eines Wohnheims für Menschen mit geistiger Behinderung in Sinzig. In einem hydrologischen, also wasserkundlichen, Gutachten für die Staatsanwaltschaft Koblenz wurde die Flut als «Ereignis von hoher Komplexität» bezeichnet. Die Behörde ermittelt, «ob frühere Warnungen zu einer Vermeidung von Todesfällen geführt hätten». Dieser Frage und der Untersuchung der Verantwortung von Behörden geht auch der Untersuchungsausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz nach.

Die für den Hochwasserschutz zuständige Grünen-Politikerin Eder sprach sich im August während eines Redaktionsbesuch bei der Deutschen Presse-Agentur für verbindlichere Hochwasserpartnerschaften aus. «Da, wo die Hochwasserpartnerschaften funktionieren, helfen sie, den Hochwasserschutz in Gänze zu verbessern», sagte die Ministerin. «Aber wenn nur einer nicht mitmacht, gibt es schon ein Problem.» Aufgabe der Hochwasserpartnerschaften sei es, sich gemeinsam um den Gewässerunterhalt zu kümmern und beispielsweise gemeinschaftlich ein notwendiges Bauwerk zu finanzieren.

«Wir sehen uns die Risikokommunikation noch einmal an», kündigte Eder auch an. «Wir beziehen dabei viele Wetterdienste mit ein und erarbeiten mit dem Deutschen Wetterdienst und Experten Warntexte, die jeder versteht.»

Totholz habe bei der Katastrophe nur «eine untergeordnete Rolle gespielt», sagte Eder. «Wie die Bilder der Katastrophe zeigen, sind bei der Flutkatastrophe im Ahrtal Wohnwagen, Autos, zischende Gastanks und entwurzelte Bäume gegen die Brücken gedrückt worden. Da war auch Totholz dabei, das spielte aber eine untergeordnete Rolle.» Eder betonte: «Die Wucht der Flut hat alles mitgerissen, auch was Wurzeln hatte und fest war.»

«Eine Lehre ist: Wir müssen Brücken anders aufbauen», sagte die Ministerin. Die ersten Ergebnisse des vom Bund geförderten Projekts KAHR, in dem 13 wissenschaftliche Institute und der Kreis Ahrweiler mitwirken, zum Wiederaufbau der Brücken lägen bereits vor.

Ein 3D-Modell soll zudem künftig für jeden Ort in Rheinland-Pfalz präzise anzeigen, wie sich Wassermassen bei Starkregen verteilen. Das System auf Grundlage der in Österreich entwickelten hydrodynamischen Modellierungssoftware Visdom befinde sich gerade für Rheinland-Pfalz in der Erprobung, sagte Eder im August der Deutschen Presse-Agentur. Das Visdom-Modell bezieht die topographischen Gegebenheiten wie Berge und Täler ebenso ein wie Bauwerke, etwa Brücken. Diese Modellierung helfe den Kommunen dabei, die Hochwasservorsorgekonzepte für ihre Flächen zu verfeinern.

© dpa
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