Zeuge: Einsatzleitung war in der Flutnacht überfordert

Die Einsatzleitung des Krisenstabs war nach Angaben eines Mitglieds am Abend der Sturzflut an der Ahr überfordert. Kommunikations- und Kapazitätsprobleme sowie ein mangelnder Überblick hätten die Arbeit der Technischen Einsatzleitung (TEL) vor einem Jahr erheblich behindert, berichtete ein damaliges TEL-Mitglied am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags zur Flutkatastrophe.
Ein Regionalzug nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 am Bahnhof von Kordel nahe Trier. © Sebastian Schmitt/dpa/Archivbild

Es sei kaum möglich gewesen, von den Feuerwehren aus den verschiedenen Orten etwas über die jeweilige Situation zu erfahren, da die Verbindungen weitgehend zusammengebrochen gewesen seien, sagte der ehrenamtliche Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW): «Ich kann keine Lage führen, wenn ich keine Rückmeldungen habe».

Der 47-Jährige war nach eigener Aussage am 14. Juli 2021 ab etwa 17.00 Uhr auf der Stelle «S2» in der TEL für die Erstellung eines Lagebildes und die Weitergabe von Informationen an andere Stellen zuständig. Vorübergehend habe er zusätzlich auch die für den Einsatz zuständige Stelle «S3» wahrgenommen, sagte der 47-Jährige weiter. Zudem sei er noch mit Einsatzplanungen seines eigenen THW-Ortsverbandes Sinzig beschäftigt gewesen.

Bei der vorigen Sitzung des Untersuchungsausschusses war die Frage unbeantwortet geblieben, ob und wer die wichtige Position «S2» in der TEL innehatte. Der THW-Helfer vermutete am Freitag, es könne damit zusammenhängen, dass der «S2»-Platz am Abend des 14. Juli tatsächlich «physisch unbesetzt» gewesen sei. Das habe daran gelegen, dass er anfangs auch «S3» gewesen sei und deswegen auf diesem Platz sitzen geblieben sei. Bei der Aufteilung der Sitzplätze hätten auch die damaligen Corona-Schutzmaßnahmen eine Rolle gespielt.

Es habe am Abend der Sturzflut keine Kapazitäten gegeben, Erkundungstrupps loszuschicken, um wegen der fehlenden Rückmeldungen der Feuerwehren ein Lagebild zu erstellen, da die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun gehabt hätten, sagte der Zeuge weiter. Die ganze Dramatik der Sturzflut habe sich erst zwischen 22.00 und 23.00 Uhr abgezeichnet, als Nachrichten von vermissten Feuerwehrleuten, in Wohnwagen eingeschlossenen Menschen und Einstürzen am Oberlauf der Ahr eintrafen.

Mehr als 750 Menschen waren bei der Sturzflut nach extremem Starkregen am 14. und 15. Juli 2021 im Ahrtal verletzt und Tausende Häuser verwüstet worden. 134 Menschen waren ums Leben gekommen. Der Untersuchungsausschuss will herausfinden, wie es zu der Katastrophe kommen konnte.

© dpa
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