Urteil im Polizistenmord-Prozess soll Ende November fallen

Beim Prozess um zwei getötete Polizisten ist nun überraschend schnell ein Ende in Sicht. Die letzten Zeugen sind gehört, die letzten Gutachten vorgetragen. Am Mittwoch gab es noch mal richtig Gesprächsstoff.
Markierungen wurden am Rand der Kreisstraße 22 zwischen den Orten Mayweilerhof und Ulmet aufgetragen. © Harald Tittel/dpa/Archivbild

Der Mordprozess um tödliche Schüsse auf zwei Polizisten Ende Januar bei Kusel in der Pfalz biegt auf die Zielgerade ein. Beim nächsten Termin am 7. November vor dem Landgericht Kaiserslautern sollen die beiden psychiatrischen Gutachten über die Angeklagten gehört werden, wie der Vorsitzende Richter Raphael Mall am Mittwoch ankündigte. Am 22. November stünden nach derzeitiger Planung die Plädoyers auf dem Programm. Am 30. November solle dann das Urteil verkündet werden, sagte Mall.

Seit Ende Juni steht als Hauptangeklagter ein 39-Jähriger vor dem Gericht. Er soll bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle eine Polizeianwärterin (24) und einen Polizeikommissar (29) mit Gewehrschüssen in den Kopf ermordet haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Die Gewalttat sorgte bundesweit für Entsetzen.

Ein Komplize (33) ist wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt. Er soll geholfen haben, Spuren zu verwischen. Beide Männer waren kurz nach der Tat im nahe gelegenen Saarland festgenommen worden.

Bei der Verhandlung am Mittwoch berichtete ein früherer Mithäftling des 39-Jährigen aus der Justizvollzugsanstalt von dessen Schilderungen zur Tatnacht. Er habe ihm im Konjunktiv unter dem Motto «So hätte es sein können» erzählt, dass er beide Polizisten getötet habe. Und zwar detailreich. Der Angeklagte habe mehrmals zu ihm gesagt, dass der Nebenangeklagte nicht geschossen habe und «das Bauernopfer» sei, sagte der Zeuge (35).

«Ich habe ihm erzählt, was er hören wollte», sagte der 39-Jährige danach. Der Mithäftling habe sich bei ihm im Knast regelrecht «angebiedert». Er habe sogar vermutet, dass die Staatsanwaltschaft ihm einen V-Mann unterjubeln wollte, und entschieden, den Häftling «als Nebelgranate» zu benutzen. Er habe ihm Zeugenaussagen, Akten und die Anklage zum Lesen gegeben.

Im Prozess hatte der 39-Jährige stets gesagt, er habe den Polizisten aus einer Notwehrsituation erschossen, die Polizistin aber nicht. Die Beamtin sei von dem Nebenangeklagten getötet worden. Der 33-Jährige hat dies stets bestritten und den 39-Jährigen für den Tod beider Polizisten verantwortlich gemacht.

Der inzwischen verurteilte 35-Jährige sagte weiter, der Hauptangeklagte habe zudem über ihn zwei Zeugen «draußen» einschüchtern wollen. Er habe ihm Zettel mit Namen gegeben, er sollte seine Kontakte zu einem Motorradclub spielen lassen. Er habe die Drohungen aber nicht weitergegeben, sondern an seinen Verteidiger geschickt. Der Angeklagte habe Papiere mit CK für «Copkiller» (Polizistenmörder) unterschrieben.

Das sei sein Spitzname im Knast, sagte der 39-Jährige. «Ob ich das befürworte oder nicht.» Richter Mall sagte, die beiden Zeugen, zwei Saar-Jäger, hätten heute Angst. Sie hätten bei Gericht eine waffenrechtliche Erlaubnis beantragen wollen, um sich selbst zu schützen.

Für Interesse sorgte am Mittwoch auch der Fund einer weiteren Patronenhülse in der Nähe des Tatortes - mehr als ein halbes Jahr nach der Tat. Es handele sich um die 15. Hülse, die aus der Dienstwaffe des getöteten Polizisten abgegeben worden sei, berichtete ein Sachverständiger für Schusswaffen vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz. Der Bodenstempel stimme mit den zuvor gefunden 14 Hülsen überein. Der Polizist hatte das Magazin seiner Waffe in der Tatnacht leergefeuert.

Gefunden worden sei die 15. Hülse Mitte August von Angehörigen der Familie der getöteten Polizistin, berichtete eine Polizistin. Die Angehörigen hätten sie am Gedenkort vor einem aufgestellten Kreuz entdeckt. Die Hülse sei dort «unter mysteriösen Umständen» hingekommen. «Das wird man wohl auch nicht mehr aufklären», sagte der Opferanwalt. Laut Gutachter war die 15. Hülse deutlich dunkler als die zuvor gefundenen. Das spreche dafür, dass sie länger im Freien gelegen habe.

Expertise von Fachleuten war am 18. Verhandlungstag auch noch bei mehreren Beweisanträgen der Verteidigung des 39-Jährigen gefragt: Ob er einen langen grünen Lodenmantel bei der Tat getragen habe und ob er beim ersten Schuss auf die Polizistin in die Hocke hätte gehen müssen - da die Kugel am unteren Kiefer einschlug. Es gab wenige eindeutige Antworten. «Bescheiden», fasste Richter Mall zusammen. Und zum Thema Schmauch sagte er. «Nix Genaues weiß man nicht.»

© dpa
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