Trier: Gedenken an Amokfahrt-Opfer am zweiten Jahrestag

Zwei Jahre nach der Amokfahrt in Trier sind Trauer und Betroffenheit immer noch groß. Mit Glockengeläut, Blumen und Gebet wurde der Opfer gedacht. Reden fielen dieses Mal aus.
Ein Mann hält eine weiße Rose vor der Porta-Nigra zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt in Trier. © Harald Tittel/dpa

Als die Kirchenglocken läuten, halten die Menschen in Trier inne. Vier Minuten lang ist das Geläut des Doms und anderer Kirchen ab 13.46 Uhr zu hören: Genau so lange hatte vor exakt zwei Jahren zur selben Zeit die tödliche Amokfahrt durch die Trierer Fußgängerzone gedauert. Viele Angehörige und Betroffene waren am Donnerstag an die Porta Nigra gekommen, um der Opfer zu gedenken. An einer Gedenktafel wurden Blumenschalen und Kerzen aufgestellt.

Reden gab es bei der Gedenkveranstaltung nicht. Es sei ganz bewusst ein stilles Gedenken, hatte Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) zuvor erklärt. Nach wie vor sind in Trier große Trauer und Betroffenheit spürbar - besonders, als die Namen der Getöteten verlesen werden. Auch viele Polizisten und Helfer waren gekommen. Im Anschluss versammelten sich die Beteiligten zu einer Andacht in der Kirche St. Gangolf.

«Es kommen die Bilder wieder, die vor zwei Jahren natürlich ganz schrecklich waren», sagte Leibe im Anschluss. Es sei für die Betroffenen wichtig, «dass wir an diesem Tag innehalten und tatsächlich der Toten gedenken. Aber auch der Verletzten». Die Opfer - und die Tat würden nicht vergessen. «Sie ist Teil der Geschichte der Stadt Trier», sagte er.

Der Amokfahrer war am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen fast einen Kilometer durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Bei der Tat starben fünf Menschen: ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater (45) und drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren. Im Oktober 2021 war zudem ein 77-Jähriger gestorben, der bei der Tat schwer verletzt worden war.

«Für uns sind daher sechs Menschen aufgrund der Amoktat getötet worden», sagte Leibe. Zudem spreche er immer von «mehreren 100 physisch und psychisch Verletzten». Die Stadt habe sich nach der Amokfahrt verändert: Er erlebe Trier heute «nachdenklicher», sagte er.

In der vergangenen Woche hatte die Stadt Trier ihre Pläne für eine geplante Gedenkstätte an der Porta Nigra vorgestellt. Auf einem Platz sollen sechs Stelen aus Bronze an die Todesopfer erinnern. Neben dem zentralen Gedenkort werde es mehrere kleinere, dezentrale Gedenkorte in der Fußgängerzone geben - an den Orten, an denen Menschen getötet wurden, hieß es.

Der Täter war Mitte August wegen mehrfachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes vor dem Landgericht Trier zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zudem wurde seine Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

© dpa
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