Immer mehr Verfahren bei Landeszentralstelle Cybercrime

26.06.2022 Die Zahl der Verfahren in der Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hat seit deren Einrichtung im Oktober 2014 stetig zugenommen. Waren es im Jahr 2015 noch 15 Verfahren, gingen 2018 dann 195 und 2021 mehr als 1000 Verfahren bei der LZC ein, wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz auf dpa-Anfrage mitteilte. Sehr häufig gehe es um Delikte wie das Ausspähen von Daten, Computersabotage und die Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten.

Tasten einer beleuchteten Tastatur. © Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

Die Verfahren würden oft nicht in der LZC «endbearbeitet», sondern an örtlich zuständige Staatsanwaltschaften weitergegeben, hieß es. Auch Cyberangriffe auf Firmen spielten eine immer größere Rolle. So wurden und werden zum Beispiel die Ermittlungen zum Cyberangriff auf Canyon Bicycles oder die Technische Werke Ludwigshafen AG bei der LZC geführt, wie die Ermittler mitteilten. «Auch in diesem Bereich ist unseren Zahlen nach ein Anstieg zu verzeichnen.»

Für die Zunahme der Verfahren gebe es mehrere Gründe. Zum einen steige die Zahl der potenziellen Opfer von Cybercrime mit der verstärkten Nutzung des Internets. Und: Viele Nutzer seien nach wie vor «sehr sorglos im Umgang mit dem Internet», teilte die Behörde mit. Hinzu komme, dass Täter ihre Identität im Netz verschleiern und im Ausland schwer ermittelt werden könnten.

«Die daher in vielen Verfahren der Internetkriminalität erforderlichen Rechtshilfemaßnahmen sind sehr zeitaufwendig und bleiben leider häufig unbeantwortet», teilte der Leiter der Generalstaatsanwaltschaft, Jürgen Brauer, mit. Ein weiterer Grund für die steigende Zahl der Cyberdelikte sei wohl auch: «Dass es immer einfacher wird, Cyberstraftaten zu begehen.»

Cyberstraftäter müssten in vielen Bereichen über keinerlei technische Expertise mehr verfügen, da sie sich alles, was sie zur Begehung von Cyberstraftaten benötigen, vor allem im Darknet beschaffen könnten. Schließlich spiele das Anzeigeverhalten der Opfer eine große Rolle. «Die Zahl der bekanntgewordenen Straftaten spiegelt deshalb das wahre Ausmaß der Kriminalität nur bedingt wider.»

Die LZC war im Oktober 2014 mit zwei Dezernenten gestartet. Heute zählen fünf Dezernentinnen und Dezernenten (drei Oberstaatsanwälte, zwei Staatsanwälte) dazu. Dies sei gemessen an der Einwohnerzahl von Rheinland-Pfalz im Vergleich zu anderen Bundesländern «beachtlich», sagte Brauer.

© dpa

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