Tafeln versorgen so viele Menschen wie noch nie

Es ist ein trauriger Rekord. Noch nie zählten Tafeln in Rheinland-Pfalz und im Saarland so viele bedürftige Menschen. Sie kommen vor allem wegen Lebensmitteln. Aber nicht nur.
Eine Abholerin zeigt in der Mainzer Tafel auf Obst. © Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Die Tafeln in Rheinland-Pfalz und im Saarland haben noch nie so vielen bedürftigen Menschen geholfen wie heute. Seit Jahresbeginn sei die Zahl der Gäste an den Tafeln in beiden Ländern um mindestens 30 Prozent auf insgesamt rund 93.000 gestiegen, sagte die Vorsitzende des Landesverbands Tafel Rheinland-Pfalz/Saarland, Sabine Altmeyer-Baumann, der Deutschen Presse-Agentur. Für Rheinland-Pfalz bedeute das einen Anstieg von 54.000 auf 70.000 Menschen, im Saarland von 18.000 auf 23.000.

Und eigentlich wären die Zahlen noch höher, sagte Altmeyer-Baumann. Denn rund ein Drittel der Tafeln habe derzeit Aufnahmestopps. «Die Anfragen sind weit höher als das, was wir überhaupt hinbekommen.» Ein Großteil der neuen Kunden seien ukrainische Geflüchtete. Man merke aber aktuell auch mehr Nachfrage durch Einheimische, die wegen gestiegener Preise für Energie und Lebensmittel Entlastungen suchten. «Wir helfen so viel es geht, aber wir stoßen an unsere Grenzen», sagte Altmeyer-Baumann in Bad Kreuznach.

Die Vorsitzende machte keinen Hehl daraus, dass sie sich vom Land Rheinland-Pfalz mehr Unterstützung wünsche. Beispielsweise bei den Mehrkosten für Benzin, die bei den Tafeln vor allem durch die Abholungen der Lebensmittel in diesem Jahr bereits zu Buche schlagen. Anfang Oktober habe sie daher beim Sozialministerium in Mainz erstmals Unterstützung zur Deckung dieser Mehrkosten von 150.000 Euro für die 55 Tafeln im Land erbeten. Reaktionen seien bisher ausgeblieben.

Andere Bundesländer würden den besonderen Einsatz der Tafeln mit Corona- und Soforthilfen abfedern. In Rheinland-Pfalz seien solche Hilfen noch nicht bei den Tafeln angekommen. «Dass die Tafeln allen Krisen zum Trotz Menschen in Not Begleitung und Beistand anbieten und dazu beizutragen, den sozialen Frieden im Land zu wahren, ist eben keine Selbstverständlichkeit. Das haben noch nicht alle politischen Akteure verstanden.»

Im Saarland sehe die Situation anders aus. Hier seien die Tafeln etwa eingebunden in die Winterkampagne «Das Saarland rückt zusammen». Es gebe Verständnis für finanzielle Entlastungen. «Das Interesse ist hier sehr groß, die Tafeln als mithelfende Akteure zu stärken.» An der Saar zählt der Verband elf Tafeln - mit insgesamt rund 5500 Ehrenamtlichen in beiden Ländern.

Die Tafeln registrierten derzeit auch vermehrt «Rückkehrer», also Personen, die die Tafeln schon mal genutzt haben, dann aber weg blieben, weil es anders ging. Meist würden die Tafeln wöchentlich Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs wie Windeln und Kleidung an Bedürftige ausgeben. Es gebe aber auch etliche Tafeln, die ihren Kunden nur noch in einem 14-tägigen Rhythmus Lebensmittel mitgeben könnten.

Bei der Akquise von Lebensmitteln stelle man zurzeit einen «eklatanten Rückgang» an Frische- und Molkereiprodukten fest. Das liege auch daran, dass der Handel vermehrt Produkte reduziert bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum verkaufe. Nach dem Stichtag würden die Waren entsorgt aus Gründen der Haftung. «Wenn die juristischen Hürden bei der Abgabe nach Mindesthaltbarkeitsdatum abgebaut werden könnten, könnten die Tafeln die Produkte am nächsten Tag noch abholen und an Menschen weitergeben.» Das Thema sei überfällig angesichts der steigenden Zahlen. «Die Politik muss da endlich ran!», sagte die Landesvorsitzende.

Altmeyer-Baumann ging davon aus, dass in den Wintermonaten der Andrang bei den Tafeln noch größer werden könnte. Die Tafeln passten ständig ihre Arbeitsabläufe an, mit dem Ziel, «vielleicht doch noch einmal mehr Gästen ein Angebot» machen zu können. Die Unterstützung von privaten Spendern sei großartig. Es gebe auch Sonderaktionen von Gruppen und Kirchengemeinden, die Lebensmittel sammelten. «Das sind total tolle Dinge, die wir erfahren und ohne die die Arbeit in den Tafeln gar nicht leistbar ist.»

© dpa
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