Russland, Cottbus, England: Fußball-Extreme für Schwarz

Der Trainer-Job bei Hertha BSC ist eigentlich aufregend genug. Sandro Schwarz schleppt als Erinnerung aber auch noch die emotionalen Tage in Russland nach dem Angriff auf die Ukraine mit sich herum. Sein souveräner Umgang damit sorgt in Berlin für erste Anerkennung.
Sandro Schwarz nimmt an einer Pressekonferenz teil. © Soeren Stache/dpa/Archivbild

Für Sandro Schwarz ist das Trainer-Leben gerade wie eine Reise durch Raum und Zeit. «Wenn ich euch sage, wann ich das letzte Mal in Cottbus war, ehrlich jetzt. Ich habe es meinen alten Jungs gerade in der Whatsapp-Gruppe geschrieben», sagte der Trainer von Hertha BSC nach dem 5:1 im Testspiel gegen den FC Energie im kargen Spielertunnel des Stadions der Freundschaft. Am 14. Mai 2016 schickte Schwarz noch als Trainer von Mainz 05 II die Cottbusser durch ein 3:2 in die vierte Liga - längst verschwommene Erinnerungen.

Noch sehr konkret im Gedächtnis sind für den neuen Chefcoach der Berliner aber seine schwierigen letzten 88 Tage in Russland als Coach von Dynamo Moskau zwischen Kriegsausbruch Ende Februar und Abflug in die Heimat im Mai. Die sind auch noch längst nicht verarbeitet. «Von Erleichterung kann man da nicht sprechen. Ich wäre erleichtert, wenn der Krieg beendet wäre. Ich glaube, da wären wir alle erleichtert. Es war sehr belastend», sagte der 43-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Schwarz hat mit eindrücklichen Worten geschafft, seine Motivation für den umstrittenen Verbleib in Moskau zu erklären. Emotional und abgeklärt zugleich. Mit ungewöhnlich offenen Einblicken in die eigene Gefühlswelt. «Klar waren da Ängste zu spüren. Überall. Bei den ukrainischen Spielern, bei jungen Spielern, die noch wehrpflichtig sind. Was passiert jetzt mit mir? Was ist mit der Familie? Da sind Ängste und Sorgen, weil du nicht abschätzen konntest: Was passiert da jetzt eigentlich?», erzählte er von den Tagen rund um den russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar.

Schwarz wirkt bei seinen Erzählungen authentisch und menschlich. Das hat ihm den Start bei der mal als hysterisch, mal als überkandidelt verschrieenen Krisen-Hertha sehr erleichtert. Und die Fußball-Reise geht auch einfach immer weiter. Am Montag wird in Berlin mit Spannung erwartet, wen Schwarz aus seinem Mammut-Kader für das anstehende Trainingslager streicht. «Ich gehe davon aus, ihr werdet das schon mitbekommen», antwortete er am Freitagabend in Cottbus noch recht cool auf die bohrende Nachfrage.

Die Berliner reisen nicht wie die Bundesliga-Masse zur Vorbereitung nach Österreich, sondern auf spezielle Initiative von Geschäftsführer Fredi Bobic nach England. Ein Fußball-Sehnsuchtsort auch für Schwarz. «Ich schaue schon intensiv, was Premier-League-Clubs da veranstalten. Der eine oder andere ehemalige Spieler, den ich in Mainz als Trainer betreut habe, spielt auf der Insel. Das verfolgt man dann auch intensiv», sagte er. Und dann ist da ja noch «Kloppo». Sein einstiger Mainzer Coach Jürgen Klopp, der in Liverpool zu Weltruhm gelangte. Da bestehe «reger Kontakt», sagte der gebürtige Rheinhesse.

Russland, Cottbus, England - jenseits dieses ungewöhnlichen Dreiklangs soll Schwarz die Hertha in der Bundesliga wieder für zumindest sichere Tabellenregionen tauglich machen. Ein lange diagnostiziertes Defizit an Teamspirit hat der Trainer bei den Berlinern noch nicht erkennen können. «Ich kann keine Vergleiche ziehen, wie es war. Ich kann nur meine Einschätzung weitergeben, so wie ich die Gruppe vom ersten Tag an kennengelernt habe. Da hatte ich nicht das Gefühl, wir müssen bestimmte Teambuilding-Maßnahmen veranstalten. Uns drei Tage irgendwo einschließen und referieren, wie eine Gruppe zu funktionieren hat. Die wissen das», sagte Schwarz.

© dpa
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