Abwassermonitoring und repräsentative Tests: Corona-Herbst

Das Infektionsschutzgesetz muss noch durch Bundestag und Bundesrat. Rheinland-Pfalz sieht noch Nachbesserungsbedarf am Entwurf - hat aber auch schon mal eine eigene Strategie für den Herbst entwickelt.
Clemens Hoch (SPD), Minister für Wissenschaft und Gesundheit in Rheinland-Pfalz, schaut in die Kamera. © Arne Dedert/dpa

Im dritten Corona-Herbst setzt Rheinland-Pfalz auf ein Abwassermonitoring und Tests einer repräsentativen Bevölkerungsgruppe als Frühwarnsystem. Die Inzidenz habe als taugliches Kriterium einfach ausgedient, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch am Montag in Mainz. «Der Sommer hat uns eine gewissen Entspanntheit gebracht», stellte der SPD-Politiker fest und zeigte sich zuversichtlich für Herbst und Winter. «Das Best-Case-Szenario ist, dass das Virus nicht weiter mutiert.» Ende September/Anfang Oktober kämen die an Omikron-Varianten angepassten Impfstoffe. Ein Überblick:

- Das Abwassermonitoring

14 Kläranlagen im Land sollen von Oktober an in das Abwassermonitoring eingebunden werden. Dafür investiert das Land rund eine halbe Million Euro. Geplant seien zwei Probenentnahmen pro Woche, erstmal im Herbst und Winter, sagte Landes-Impfkoordinator Daniel Stich (SPD).

- Repräsentative Bevölkerungsgruppen

Die Datengrundlage in der Pandemie solle zudem mit Tests in einer repräsentativen Bevölkerungsgruppe ergänzt werden. 52 Praxen machten landesweit bei dem an das Robert-Koch-Institut angeschlossene System («Sentinel») bereits mit. Diese Datengrundlage solle gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz ausgeweitet werden.

- Impfen

Hoch empfahl allen Über 60-Jährigen, sich jetzt zum zweiten Mal boostern zu lassen, und nicht auf die neuen Impfstoffe zu warten. «Es war noch nie so einfach, sich impfen zu lassen.» In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz könnten die mobilen Teams vor allem in Altenheimen rund 35 000 Menschen pro Monat impfen. Dazu kämen 26 stationäre Impfangebote und sechs Impfbusse mit insgesamt rund 200 000 Impfungen pro Monat. Hoch rechnet aber nicht damit, dass die neuen an Omikron angepassten Impfstoffe so begehrt sein werden wie die ersten Impfungen. Bis im Herbst alle die Auffrischung bekommen, die sie wollen, werde es sicherlich dennoch einige Wochen dauern. Mobile Teams und Altenheime würden bevorzugt und auch Lehrer könnten früher an die Reihe kommen, falls die Nachfrage doch sehr hoch sei.

Ärzte könnten auch bei bestimmten Corona-Erkrankungen das Medikament Paxlovid verordnen. Es stehe in ausreichenden Mengen zur Verfügung.

- Schule

Hoch sieht dem Schulstart am 5. September entspannt entgegen. «Wir haben keine Reiserückkehrthematik in diesem Jahr.» Masken solle es in Grundschulen nach dem Bundesinfektionsschutzgesetz nicht geben. Anlassbezogene Massentests hätten keine Aussagekraft und seien an den Schulen nicht mehr notwendig. Corona-Infektionen ließen sich zudem oft erst am 3. Tag per Test nachweisen. Großflächige Schließungen von Schulen und Kitas sollen nach den Plänen von Hoch und Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) vermieden werden.

- Das Infektionsschutzgesetz

Hoch sieht beim Infektionsschutzgesetz «noch einigen Gesprächsbedarf». Die Länder würden im parlamentarischen Verfahren ihre Vorschläge erneut einbringen. Sie bräuchten «Klarheit und Nachvollziehbarkeit», dies sei im Entwurf etwa beim Zusammenspiel von Masken und Tests noch nicht so klar geregelt. Die Länder bräuchten Instrumente für den Pandemie-Fall, die sie im Worst-Case-Szenario «unmittelbar ziehen können».

- Long-Covid-Ambulanzen

Patienten mit Symptomen von Long- oder Post-Covid sollten zunächst zum Hausarzt gehen. Dieser könne sie dann an den Facharzt und Ambulanzen der Hochschulmedizin für Diagnostik und Therapie verweisen. Auf der Grundlage von Studienergebnissen - etwa im Rahmen der Gutenberg-Covid-19-Studie - könne es zu Long-Covid-Ambulanzen kommen, sagte Stich, ohne Details zu nennen.

- Lager für Schutzausrüstung

Im Landeskrankenhaus in Andernach will die Landesregierung zudem bis Ende 2023 ein Lager mit Schutzausrüstung wie Masken, Schutzkittel und Schutzbrillen für Pandemien und Seuchen bauen. Rund 7,6 Millionen Euro seien dafür eingeplant. Vier bis fünf Mitarbeiter sollen es unterhalten. Der jährliche Betrieb werde zwischen 700 000 Euro zu normalen Zeiten und etwa 1,5 Millionen in Pandemien Euro kosten.

© dpa
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