Ausbau von Hebammenzentralen in Rheinland-Pfalz angestrebt

Der Landtag nimmt die Situation der Geburtshilfe in den Blick. Minister Hoch spricht mit Blick auf die finanzielle Lage der Kliniken von einer «großen Kraftanstrengung», sieht das Land aber auf einem guten Weg.
Ein Schild in einer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe weist Richtung Kreißsaal. © Stefan Puchner/dpa/Symbolbild

Rheinland-Pfalz will das Netz von bislang drei Hebammenzentralen weiter ausbauen. «Wir stellen dafür erhebliche Fördermittel bereit und werden weitere Zentralen unterstützen», sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Donnerstag im Landtag. Rheinland-Pfalz sei ein attraktiver Ausbildungs- wie Arbeitsstandort für Hebammen. Allerdings erfordere die Sicherung der Geburtshilfe an den Kliniken in den nächsten Jahren «eine große Kraftanstrengung».

Eine Geburtshilfestation mit 400 Geburten im Jahr sei nach den gegenwärtigen Vergütungsmaßstäben des Bundes nicht profitabel zu betreiben, sagte Hoch. Dies sei nur über die Querfinanzierung mit anderen klinischen Abteilungen möglich. Ziel sei daher eine angemessene Ausstattung der Kliniken.

Der CDU-Abgeordnete Torsten Welling zeichnete in der Aussprache zu einer Großen Anfrage der SPD-Fraktion zur Geburtshilfe ein weniger optimistisches Bild. Der Fortbestand geburtshilflicher Stationen sei weiter gefährdet, nachdem seit 1990 die Hälfte davon im Land geschlossen worden seien. Jetzt dürfe es keine weitere Aushöhlung der Versorgung in Rheinland-Pfalz geben. Unterstützung seiner Fraktion signalisierte Welling für das Vorhaben, das Netz von Hebammenzentralen zu erweitern.

Eine bessere Vergütung natürlicher Geburten forderte die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Lisett Stuppy. «Es muss auch unser Ziel sein: Keine weitere Schließung mehr.»

Seit 2017 wurden in Rheinland-Pfalz in sechs Kliniken die Abteilungen für Geburtshilfe geschlossen. Trotz der Konzentration auf nunmehr 30 Kliniken sei aber «die Erreichbarkeit der Geburtshilfen in vertretbarer Fahrzeit auch in ländlichen Regionen weiterhin sichergestellt», erklärte das Ministerium in der Antwort auf die Große Anfrage.

Im Idealfall soll jede Frau in Rheinland-Pfalz bei einer Geburt von einer sich ihr widmenden Hebamme unterstützt werden - der tatsächliche Betreuungsschlüssel liegt aber laut Gesundheitsministerium «zwischen 1:1 und 1:2, in Einzelfällen auch 1:3». Eine 1:1-Betreuung im Kreißsaal werde grundsätzlich von allen angestrebt, heißt es in der Antwort des Ministeriums.

Wenn das nächste Krankenhaus mit Geburtshilfestation nicht in mindestens 30 Minuten zu erreichen ist, kann eine Hebammenzentrale helfen. Kapazitäten gebe es etwa noch in der Eifel oder im Westerwald, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende und ehemalige Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Aus dem Norden des Landes liegt nach Angaben des Ministeriums bereits eine Anfrage für die Gründung einer weiteren Hebammenzentrale vor.

Zurzeit gibt es drei Hebammenzentralen in Rheinland-Pfalz, die unter anderem Hebammen vermitteln, ambulante Dienste bereitstellen, Familien beraten und Kurse zur Geburtsvorbereitung anbieten. Standorte sind Daun, Trier und seit diesem Jahr auch Mainz. Sie erhalten bislang Landesmittel von mindestens 30 000 Euro im Jahr. «Durch ihre Arbeit konnte eine hohe Zahl an schwangeren Frauen Hebammenhilfe erhalten, die zuvor unversorgt waren bzw. ohne die Vermittlungsleistung der Hebammenzentrale unversorgt geblieben wären», heißt es in der Antwort des Gesundheitsministeriums.

Zurzeit gibt es nach Angaben des Hebammen-Landesverbands 727 freiberuflich tätige Hebammen in Rheinland-Pfalz. Mit dem vor einem Jahr eingerichteten Studiengang Hebammenwissenschaften an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen hat das Land die Umsetzung des Hebammengesetzes eingeleitet, das ein duales Hochschulstudium vorsieht.

Die Zahl der Studienplätze solle in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden, kündigte das Gesundheitsministerium in seiner Antwort an. Zum Wintersemester 2023/24 sei auch ein Studiengang an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz geplant.

© dpa
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